Echter Notfall oder leichte Krankheit? - Patientensystem am Carl-Thiem-Klinikum Cottbus soll Notaufnahme entlasten

Mo 29.11.21 | 17:50 Uhr
Patient wird in der Notaufnahme eingeliefert
Audio: Antenne Brandenburg | 29.11.2021 | Sascha Erler | Bild: rbb/Anja Kabisch

Das größte Krankenhaus in Südbrandenburg, das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) Cottbus, führt ein neues System ein, um echte Notfälle von leichteren Fällen zu trennen. Dadurch soll die Notaufnahme entlastet werden. Am Montag hat das CTK das Pilotprojekt vorgestellt, das am Mittwoch starten soll - in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und der Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung.

Künftig wird direkt am Notaufnahmetresen eine Checkliste abgearbeitet. Liegt ein Notfall vor, geht es in die Klinik, ist der Fall ambulant behandelbar ins angeschlossene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) oder zu Bereitschaftspraxen. Auf diese Weise soll das Personal entlastet werden.

Hintergrund ist, dass immer mehr Menschen die Notaufnahme in Anspruch nehmen - auch, wenn es sich gar nicht um einen Notfall handelt.

50 Prozent sind gar keine Notfälle

Das Patientenaufkommen an der CTK-Notaufnahme liegt deutlich über dem Landesschnitt. Die Statistik zeigt aber auch, dass jeder zweite Fall eigentlich kein Notfall ist, sagt der Leiter der Aufnahme, Tim Flasbeck. Aber es bindet Personal, das für echte Notfälle fehlt.

"Sie kommen mit Husten, Schnupfen, eingewachsenem Zehnnagel", berichtet eine Krankenpflegerin. "Weil sie wahrscheinlich beim Hausarzt keinen Termin kriegen, ist der Weg in die Notaufnahme schneller."

Eine Situation, die Tim Flasbeck den Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten nicht mehr "zumuten" will, sagt er. "Diese Masse an Patienten kriegen wir einfach nicht verarbeitet."

Nicht nur für das Personal soll das Pilotprojekt für Entlastung bringen - auch für die Patienten. Denn durch das neue System sollen die Wartezeiten in der Notaufnahme deutlich verkürzt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.11.2021, 16:40 Uhr

Nächster Artikel