Bauerndemo vor Potsdamer Landtag - "Wir wissen nicht mehr, wo wir Kosten einsparen können"

Do 18.11.21 | 16:55 Uhr
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Marco Eisermann, Chef der Agrargenossenschaft Beyern (Elbe-Elster) in seinem Rinderstall
Audio: Antenne Brandenburg | 18.11.2021 | Iris Wußmann | Bild: rbb/Konstanze Schirmer

Vor dem Potsdamer Landtag haben am Donnerstag rund 150 Landwirte protestiert. Sie befürchten weitere Einbußen, wenn EU-Fördermittel umgeschichtet werden und erwarten klare Aussagen vom Land. Dabei war auch Landwirt Marco Eisermann aus Elbe-Elster.

Die Agrargenossenschaft Beyern, deren Chef Marco Eisermann ist, hat 400 Milchkühe und 650 Mastsauen. Damit produziert die Genossenschaft jährlich bis zu 18.000 Mastschweine. Gerade ist ein neuer Schweinestall fertig geworden mit einem Investitionsvolumen von 1,5 Millionen Euro. Es gibt moderne Spaltenböden, Spielmaterial für die Tiere und mit 1,1 Quadartmeter vergleichsweise viel Platz für jedes einzelne Schwein. Die Tiere, sagt Eisermann, fühlen sich wohl und setzten gut an.

Aber dem Landwirt bringt das nichts, erklärt er. "Im Gegenteil, wir verlieren aktuell 50 bis 60 Euro pro Mastschwein", beschreibt er seine Situation. Schuld daran seien die Schweinepest, sie drücke die Preise, und zum anderen die gestiegenen Rohstoffpreise.

Schweinemast kann nicht wie ein Fließband angehalten werden

Einfach aus der Schweinemast aussteigen geht nicht, sagt der Bauer. Die Mast könne man nicht wie ein Fließband anhalten, außerdem seien Kredite abzuzahlen. Deshalb traut sich die Genossenschaft auch nicht, die veraltete Melkanlage zu erneuern. Zu unsicher sind die Bedingungen, begründet Eisermann die Zurückhaltung. Er wisse nicht, welcher Standard künftig gilt und ob er in fünf, zehn oder 15 Jahren schon wieder umbauen müsse. Im fehle Planungssicherheit. EU-Fördermittel, die für Landwirte bestimmt sind, würden immer häufiger in Umweltprogramme umgeschichtet, erklärt Eisermann.

"Wir sind in einer Situation, wo wir nicht mehr wissen, wie wir die Kosten noch weiter senken können. Irgendwann ist eine Grenze erreicht, wo es nicht mehr geht. Und diese Grenze ist schon lange überschritten", so der Bauer aus Beyern im Elbe-Elster-Kreis.

Deshalb hat er heute mit etwa 150 anderen Landwirten vor dem Potsdamer Landtag demonstriert. Für mehr Planungssicherheit, für mehr Zukunft. Immerhin, so sagt er nach der Demo, habe es heute die Zusage gegeben, dass die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, zu denen Brandenburg gehört, bis 2025 verlängert werde.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.11.2021, 15:40 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Das wäre ein tolles Argument, wenn Deutschland mit seinen Dumpingpreisen nicht endlos viel Fleisch exportieren würde.

  2. 6.

    Frühestens seit Beginn der ASP, spätestens seit dem chinesischen Einfuhrverbot für deutsches Schwein, hätte ich zugesperrt.

    So...Wir haben da ein massives Dilemma. Denn: Eigentlich ist es für uns, die wir in dieser Region leben, positiv, dass weniger Gülle in das Grundwasser kommt.
    Andererseits haben wir wahrscheinlich ausbleibende Steuerzahlungen der diversen Mastbetriebe...

    So sehr ich Verständnis habe für die Not dieser Betriebe, so sehr kann ich nur anraten, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.
    Weg mit der Mast und hin zum Biohof. So verlernt man den Umgang mit dem Vieh nicht und kann dennoch als strategischer Partner die Städte mit hochwertigen Produkten beliefern.

    Man! Wir haben vor 30 Jahren unseren Hof zugesperrt, weil sich alles nicht mehr gerechnet hat. Jeder muss sich anpassen.

  3. 5.

    Nun, wenn die Genossenschaft den deutschen Märkten das Fleisch zu angemessenen Preisen anbietet, kaufen diese eben woanders: in der EU, Südamerika oder den USA, wo auf Tierwohl und Nachhaltigkeit nicht geachtet wird.
    Milchbauern bekommen zB den Preis für die Milch erst am Ende des Monats von der Molkerei mit der Zahlung gesagt.
    Das ist ein Friss-oder-Stirb-Markt in dem das "mal eben Preis erhöhen" schlicht nicht geht.

  4. 4.

    Einfach mal die Produkte nicht unter Wert verkaufen.
    Ja das ist schon schwierig, die Leute wollen kein Geld ausgeben am liebsten alles geschenkt haben.
    Aber man würde sich freuen wenn viele Bauern eine fleischstand hätten, und sich damit noch € machen würden.
    Das gespritzte zeug von den Lebensmittelriesen kann man total vergessen.
    Und der Aufstand ist auch berechtigt, es gibt wirklich sehr sehr wenige Leute die mehr Arbeiten müssen als die jungs 24/7
    und das fast das ganze Jahr durch.

  5. 3.

    Einfach mal die Produkte nicht unter Wert verkaufen. Wozu hat man denn Agrarverbände wenn man sich dann doch von den Einkäufern die Preise diktieren lässt? Man kann doch nicht immer nur nach Steuergeld rufen!

  6. 2.

    1,1m² pro Schwein, na das ist doch mal was. Wenn ich sowas lese, da geht mir der Hut hoch.
    Das Gejammer der Bauern ist zwar verständlich, doch vielleicht sollten diese sich Alternativen einfallen lassen, wenn es nicht mehr reicht.
    Klasse statt Masse wäre vielleicht eine Möglichkeit oder aber, wenn das Wasser bis zum Hals steht, den Laden dicht machen.
    Andere, nicht von der EU subventioniere Firmen, machen das auch.

  7. 1.

    Bei allem, was ggf. verändert wird und noch geplant ist, wäre es nur redlich, Übergangsfristen zu schaffen. Das ist bei der Einbaupflicht von Fahrstühlen in vorher bestehenden Gebäuden so und genau das beinhaltet auch das Rückwirkungsverbot von Gesetzen. Auch wenn ich in der Tat der Auffassung bin, dass sich Vieles in der zur Agroindustrie verkommenen Landwirtschaft ändern muss, so können gerade erst getätigte Investitionen nicht per Handstreich null und nichtig gemacht werden. Diesen Teil der Kritik der Landwirte kann ich voll und ganz nachvollziehen.

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