Cottbuser Landgericht - Zwei Männer wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt

Fr 05.11.21 | 11:43 Uhr
Beim Prozess im Gerichtssaal am Landgericht Cottbus (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.11.2021 | Josephine Jahn | Bild: rbb/Jahn

Nach tödlichen Schüssen auf ein Mitglied der rechtsextremen Rocker- und Türsteher-Szene in Cottbus müssen die Angeklagten lebenslang ins Gefängnis. Die Tat in der Innenstadt hatte im Frühjahr 2020 heftige Diskussionen ausgelöst.

Gut eineinhalb Jahre nach tödlichen Schüssen in der Cottbuser Innenstadt hat das Landgericht die beiden Angeklagten am Freitag wegen Mordes zu lebenslangen Haftstrafen verurteit.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sie ihr Opfer, einen 31-Jährigen Cottbuser, töten wollten. Sie hätten dabei aus Heimtücke gehandelt. Außerdem sah das Gericht "sonstige niedere Beweggründe". Die Angeklagten hätten das Recht in die eigene Hand genommen und Selbstjustiz geübt.

Die beiden 31 und 33 Jahre alten Männer hatten die Tat im Prozess gestanden. Als Motiv hatten sie angegeben, aus Angst vor dem späteren Opfer geschossen zu haben. Sie hätten nicht die Absicht gehabt, den Mann zu töten. Ihre Verteidiger hatten deshalb eine Freiheitsstrafe von maximal sieben Jahren gefordert. Begründet hatten sie das mit den Schüssen in den Rücken: Hätten die Angeklagten ihr Opfer töten wollen, dann wären die Schüsse in den Kopf gegangen, so die Argumentation.

"Milieu-Kriminalität"

Laut Anklage war der 31-Jährige von sechs Schüssen aus wenigen Metern Entfernung getroffen worden. Hintergrund der Tat sollen laut Anklage Demütigung und Ärger eines Angeklagten nach einer früheren körperlichen Auseinandersetzung mit dem Geschädigten gewesen sein. Absicht der Tat sei gewesen, einer weiteren Auseinandersetzung zuvorzukommen. Im Vorfeld soll das spätere Opfer einen der Angeklagten massiv unter Druck gesetzt haben, finanziell und mit körperlicher Gewalt.

Die Tat auf offener Straße in der Innenstadt von Cottbus am 1. März 2020 hatte für Aufregung und Diskussionen gesorgt. Relativ schnell hatte es Anhaltspunkte dafür gegeben, dass es sich um eine Tat in einer kriminellen Mischszene handelt, zu der Drogenhandel, Prostitution und Schutzgeld gehören. Zum Personenkreis gehören Kampfsportler, Rocker oder auch Rechtsextreme. Auch das 31-jährige Opfer hatte dieser Szene angehört. Innenminister Michael Stübgen hatte bei einem Besuch in Cottbus kurz nach der Schiesserei von "klassischer Milieu-Kriminalität" gesprochen.

Innerhalb einer Woche kann gegen das Urteil Revision engelegt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 5.11.2021, 10.30 Uhr

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