Eigentümer plant Sanierung - Streit um Cottbuser Wohnprojekt K29 erneut vor Gericht

Fr 14.01.22 | 17:56 Uhr
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Frühstücksrunde im Wohnprojekt K29 in Cottbus
Audio: Antenne Brandenburg | 14.01.2022 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Josefine Jahn

Im Fall des Cottbuser Wohnprojektes "K29" hat es am Freitag erneut einen Gerichtstermin gegeben. Eigentümer und Bewohner streiten um Pläne für eine Sanierung des Hauses - obwohl sie eigentlich beide Seiten für sinnvoll halten. Von Josefine Jahn

Seit 30 Jahren gibt es in Cottbus das Wohnprojekt "K29". Und seit Jahren gibt es Streit zwischen einem neuen Eigentümer und den Bewohnern. Beide standen sich am Freitag vor Gericht gegenüber - mal wieder.

Der Grund: Der Eigentümer will sanieren. Kohleöfen sollen durch Zentralheizungen ersetzt und die Elektrik erneuert werden. Die Notwendigkeit dafür sehen auch die 13 Hausbewohnerinnen und -bewohner. Sie fürchten aber eine Verdrängung durch höhere Mieten nach der Sanierung.

"Es ist auf jeden Fall beängstigend und auch ungewiss, wie es weitergehen soll", beschreibt Johanna Fleischmann, die mit anderen Studenten und Auszubildende im K29 zusammenlebt, ihr Gefühl. "Es ist sehr unangenehm, weil es natürlich auch wieder bangen und zittern bedeutet", betont auch Mitbewohner Samuel Paripovic.

Demo auf dem Cottbuser Altmarkt für den Erhalt des Wohnprojektes
Demo für den Erhalt des Projektes | Bild: rbb/Josefine Jahn

Modernisierung wird grundsätzlich befürwortet

Verhandelt wird, ob die Bewohnerinnen und -bewohner eine Sanierung des Eigentümers dulden müssen. Neue Fenster, Elektroleitungen und ein neues Heizungssystem befürwortet der Verein Karlstraße 29 e.V., der eigentlicher Mieter ist, grundsätzlich. Am Rande einer kleinen Kundgebung im Vorfeld der Verhandlung sagt K29-Bewohnerin Laura Doyé, dass das Haus zwar grundsätzlich eine Modernisierung nötig habe. Sie befürchte aber, dass der Eigentümer die Wohnungen anschließend trennen könnte - damit wäre das Haus für ein Wohnprojekt unbrauchbar.

Schriftzug "K29 bleibt" an einer Hausfassade (Quelle: Wohnprojekt K29 Cottbus)
Schriftzug "K29 bleibt" an einer Hausfassade | Bild: rbb/Josefine Jahn

Eigentümer: Bausubstanz erhalten

Der Eigentümer, der das Haus vor über drei Jahren gekauft hat, will sich vor dem Mikrofon nicht äußern, betont aber gegenüber dem rbb wie auch in der Verhandlung, dass er nicht die Absicht habe, die Bewohner rauszuwerfen. Ihm gehe es um den Erhalt der Bausubstanz sowie um die Sicherheit der Mieter. Diese sei nach aktuellem Stand durch alte Öfen und fehlende Brandschutztüren nicht gewährleistet. Außerdem bemängelt er, dass außergerichtlichen Absprachen mit der WG dreimal widersprochen wurde.

Während der Verhandlung im Gerichtssaal in Cottbus
Verhandlung in Cottbus | Bild: rbb/Josefine Jahn

Urteil soll im Februar gesprochen werden

Die Aussicht auf Erfolg für den Eigentümer groß. Das Gericht tendiert zu einem Duldungsanspruch, da die Modernisierung energetisch und im Sinne des Gesetzes wäre. In vier Wochen soll das Urteil zu Modernisierungsmaßnahmen in der Cottbuser Karlstraße 29 fallen.

Offen ist, wie es mit den 13 Bewohnern weitergeht: ob sie das Angebot von Übergangswohnungen seitens des Eigentümers annehmen - und ob sie nach einer auf fünf Monate angesetzten Sanierung das Haus wieder beziehen könnten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.01.2022, 16.40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Thema verfehlt, setzen...sechs. Der Vermieter sucht Vorwände für die Kündigung um eine Luxussanierung betreiben zu können.

    https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2020/06/wohnprojekt-karlstrasse-prozess-k29.html

  2. 2.

    "Der Eigentümer, der das Haus vor über drei Jahren gekauft hat, will sich vor dem Mikrofon nicht äußern, betont aber gegenüber dem rbb wie auch in der Verhandlung, dass er nicht die Absicht habe, die Bewohner rauszuwerfen."

    Das ist einfach nur eine dreiste Lüge.

    https://www.niederlausitz-aktuell.de/cottbus/83881/cottbuser-wohnprojekt-k29-darf-vorerst-bleiben.html

  3. 1.

    Das generelle Gejammer wegen geplanter Modernisierungen ist meist reiner Egoismus, hat aber mit der Realität oft nur noch wenig zu tun. Die Zeiten, wo Vermieter mit Modernisierung systematisch alle Wohnungen entmieten konnten, sind dank der eingeführten Kappungsgrenzen nach BGB längst vorbei. Aufgrund des aktuellen Zustands kann man hier davon ausgehen, dass die aktuelle Miete geringer als 7,00EUR je qm ausfällt. Damit dürfte nach Modernisierung die Miete für die nächsten sechs Jahre um nicht mehr als 2,00EUR je qm erhöht werden. Dafür steigen Komfort und Sicherheit aber enorm und sind dann erstmals wieder auf dem aktuellen Stand. Warum klagt man gegen so etwas?

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