Unklare Besitzverhältnisse - Wem gehört die Waldsiedlung Groß Schacksdorf?

Do 27.01.22 | 16:35 Uhr
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Die Waldsiedlung Groß Schacksdorf (Bild: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 24.01.2022 | Sascha Erler | Bild: rbb

Die Waldsiedlung Groß Schacksdorf steckte einst voller Leben - nun dominiert der Leerstand. Wem die Siedlung aktuell gehört ist nicht klar - Mieten werden nicht eingezogen, Anfragen von Neumietern nicht beantwortet. Was ist dort los?

Mitte der 1990er Jahre war die Waldsiedlung Groß Schacksdorf bei Forst (Landkreis Spree-Neiße) belebt. Rund 700 Menschen wohnten damals in der etwas abgelegenen Siedlung. Auf den Straßen begegneten sich oft Menschen, die Kita war gut ausgelastet.

Mittlerweile stehen die meisten Wohnungen in der Siedlung leer. Vor den Wohnblöcken in der Waldsiedlung stehen kaum noch Autos. Zwei Drittel aller Wohnungen sind verwaist - knapp 270 Menschen leben noch in der Siedlung. Neue Mieter kommen nicht mehr hinzu. Das liegt aber offenbar nicht nur an der Siedlung selbst, sondern auch an den unklaren Besitzverhältnissen.

Ständig wechselnde Besitzer - keine Ansprechpartner

"Es ist beängstigend, wenn man hier in die Fenster schaut", sagt Bürgermeister Wolfgang Katzula.

Einst lebten in der Waldsiedlung die Mitarbeiter des nahegelegenen Flugplatzes Preschen mit ihren Familien. Mitte der 1990er Jahre verkaufte die Gemeinde die Siedlung allerdings. Seitdem wechselte sie häufig den Besitzer. Den aktuellen kennt man hier nicht. In den Schaukästen gibt es keine Aushänge, die Mieter bekommen keine Informationen.

Wolfgang Katzula hat nach eigener Aussage mehrmals versucht, einen Ansprechpartner zu finden. Trotz der ihm vorliegenden Auszüge aus dem Handelsregister bislang vergebens. "Erst war es in Berlin, dann folgte Hannover, auch Halle war im Spiel und jüngst auch wieder mal Düsseldorf", zählt er die Firmensitze der Besitzer auf. Doch erreichbar ist für ihn niemand. "Die Sekretärin ist da, aber der Geschäftsführer ist jeweils verhindert oder auf großer Reise", so Katzula.

Vermieter zieht Miete nicht ein

Das ist nicht nur für die Gemeinde frustrierend, sondern auch für die übrig gebliebenen Mieter. So zum Beispiel Theresia Richter, die in ihrem Aufgang mit gerade mal zwei weiteren Mietparteien lebt. "In Halle, wo wir eine Telefonnummer haben, da geht zwar jemand ran und sagt, er gibt es weiter, es passiert aber nichts. Wir wissen überhaupt nicht, wer hier Ansprechpartner ist", erzählt sie.

Kirsten Schütz ist Gemeindevertreterin und wohnt in umittelbarer Nähe der Waldsiedlung. Gemeinsam mit Mietern hat sie nachgeforscht, mit erstaunlichen Ergebnissen. "Obwohl ein Lastschriftverfahren vorliegt, wird die Miete vom Vermieter nicht eingezogen" sagt sie. Anfragen von Mietern würden lediglich in einem stillen Briefkasten landen und nicht beantwortet werden. Die Mieter befürchten dadurch, unverschuldet in einen Zahlungsverzug zu geraten.

Für Kirsten Schütz sieht es so aus, als ob die Waldsiedlung leergezogen wird. Auch Anfragen möglicher Neumieter bleiben unbeantwortet.

Besitzerfirma besitzt Waldsiedlung noch nicht

Nach einigen Versuchen erreicht der rbb schließlich den Geschäftsführer der aktuellen Besitzerfirma. Ein Interview will er nicht geben, aber zumindest einige Informationen.

Seine Firma sei zwar bereits als Besitzerin der Waldsiedlung eingetragen, aus juristischen Gründen sei aber der Verkauf noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen. Nach seinen Angaben soll das bis spätestens Mitte Februar passieren. Dann soll auch das Büro wieder besetzt sein, ein konkreter Ansprechpartner benannt werden und den Mietern auch die korrekte Bankverbindung mitgeteilt werden.

Für die Bewohner der Waldsiedlung ist das vorerst nur ein schwacher Trost. Sie müssen weiterhin mit der Ungewissheit leben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.01.2021, 16:10 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Das ist doch das Problem, der Staat schützt das Eigentum und damit die Eigentümer. Die können machen, was sie wollen, damit schützt man die Macht vor dem Volk.

  2. 2.

    @ Indigo Indigo, volle Zustimmung, ein altbekanntes Muster bei Immobilien. Wechselnde und unklare Besitzverhältnisse und nicht auffindbare Verantwortliche erschweren selbst Behörden ein Vorgehen bei Verstößen. Es wechseln zum Teil Besitzer schneller, als man Schreiben an diese aufsetzten kann. Da sollte der Staat endlich nachbessern. Als Otto Normal steht man im Grundbuch mit vollem Namen. Grundbesitz und Immobilien stellen eine besondere Verpflichtung dar, die sich juristisch noch mehr bemerkbar machen müsste.

  3. 1.

    Na wenigstens scheint es sich ja aufzuklären. Alles mögliche wird in Deutschland erfasst, nur die nicht ganz unbedeutenden Besitzverhältnisse von Immobilien sind öfter unklar. Aus meiner Sicht sollte eine Immobilie, wenn die Verhältnisse nicht geklärt werden können, automatisch an die Kommune gehen. Dann kümmert sich wenigstens jemand und es gibt weniger Leerstand und Verfall. Nach ein paar Jahren würde dann auch die Schonfrist enden und etwaige Ansprüche sind verwirkt. Das hilft sicher, die Besitzverhältnisse besser zu ordnen und nicht in jeder Steueroase nach Eigentümern auf Steuerkosten zu suchen.
    Eine Ausnahme würde ich nur bei Altlasten machen. Da hat das Verursacherprinzip und Schadensbeseitigung voran.

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