Strukturwandel in der Lausitz - Bündnis fordert Wiederbelebung der Bahnstrecke Berlin - Cottbus - Prag

Fr 18.02.22 | 12:28 Uhr
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Bahnhof Cottbus am Mittwochmorgen (Quelle: Aline Lepsch/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.02.2022 | Anke Blumenthal | Bild: Aline Lepsch/rbb

Es gab sie bis 1945, nun könnte sie wiederkommen: Die Bahnverbindung von Berlin über Cottbus nach Prag. Ein Bündnis fordert von der Politik eine Machbarkeitsstudie. Die Strecke wäre auch ein Anschluss Richtung Orient.

Mit Blick auf den Strukturwandel in der Lausitz fordert ein Bündnis vom ökologischen
Verkehrsclub VCD Brandenburg und der Grünen Liga, eine alte Bahnstrecke aus der Vorkiegszeit zu reaktivieren. Sie soll von Berlin nach Prag führen, heißt es in einem gemeinsamen Diskussionspapier, das am Donnerstag vorgestellt wurde [grueneliga.de].

Konkret geht es um eine europäische Direktverbindung von Berlin über Cottbus und Görlitz in Sachsen, weiter über Polen nach Liberec und Prag in Tschechien. Dadurch würden sowohl der Güter- als auch der Personenverkehr attraktiver werden, heißt es in einer dazugehörigen Mitteilung.

Zurzeit sei die Lausitz vom internationalen Fernverkehr nahezu abgekoppelt, sagte Dieter Schuster, Vorstandsmitglied des VCD-Brandenburg und Sprecher der Kreisgruppe VCD-Cottbus. "Seit Jahrzehnten gibt es entsprechende Vorschläge und durch den Strukturwandel öffnet sich jetzt ein hervorragendes Zeitfenster für eine Umsetzung", so Schuster.

Anschluss Richtung Mittelmeer

Eine aktuell bestehende Verbindung von Berlin nach Prag über Dresden wird laut dem Diskussionspapier immer stärker genutzt. Die Strecke könne aber wegen der Topografie des engen Elbtals nicht ausgebaut werden. Mit dem Strukturwandel gebe es nun eine Chance für die alte, knapp 30 Kilometer längere Strecke, so die Verbände.

Auf deutscher Seite ist der Ausbau der Bahnstrecke von Berlin bis Görlitz Teil der geplanten Maßnahmen des Bundes für den Strukturwandel. In Tschechien würde die Stadt Liberec bessere Bahnanbindungen an Prag und Berlin befürworten, heißt es vom Umweltverband Grüne Liga, die sich auf eine Aussage von Wolfgang Domeyer bezieht, der unter anderem Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG im Arbeitskreis Regionalentwicklung Lausitz ist.

"Das Vorhaben könnte auch das Zusammenwachsen in Europa fördern", sagt der Bundesvorsitzende der Grünen Liga, René Schuster. Laut dem Umweltverband würde die Verbindung bedeuten, dass die Lausitz und die polnische Region im Umfeld des Tagebaus Turów an den Transeuropäischen Bahn-Korridor "östliches Mittelmeer" angeschlossen werde.

Keine Konkurrenz zu bestehendem Bahnvorhaben

Auch die Bahn habe das Nadelöhr "Elbtal" erkannt und plane bis etwa 2040 eine neue Bahnstrecke von Dresden nach Ústí nad Labem (Tschechien) - "quer durch noch unerschlossenes Land." Dafür müsse ein etwa 25 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge gebaut werden.

Doch als Konkurrenz zu diesem Projekt sieht das Bündnis seine Idee nach eigenen Angaben nicht. "Wir verstehen unseren Vorschlag als absolut passende Ergänzung", sagt Dieter Schuster. Dieser könne auch schneller umgesetzt werden, weil es fast durchgängig Gleisverbindungen gebe, die nur ausgebaut werden müssten, so Schuster. Für eine noch kürzere Streckenvariante müsste ein fünf Kilometer langer Tunnel durch das Jeschkengebirge westlich der Stadt Liberec gebaut werden.

Das Bündnis will nach Angaben der Grünen Liga mit seinem Vorschlag an den Bahnvorstand, Bahnorganisationen wie Allianz Pro Schiene, den Fahrgastverband und an die Politik herantreten. Von dieser fordert es unter anderem eine Machbarkeitsstudie.

Zustimmung von Lausitzer Grünen

In einer ersten Reaktion gibt es von der Vorsitzenden der Bündnisgrünen Spree-Neiße, Heide Schinowsky, Zustimmung für die Idee. Sie sehe in dem Vorhaben "eine große Chance, im Rahmen des Strukturwandels auch das Zusammenwachsen in Mitteleuropa zu fördern", heißt es in einer Mitteilung.

Die Direktverbindung nach Prag könne nach Ansicht der Lausitzer Grünen auch für einen "Push" bei der Planung des Ausbaus der Bahnstrecke Berlin-Cottbus-Görlitz sorgen. "Wir werden Kontakt mit dem Bündnis aufnehmen und über das weitere Vorgehen beraten", kündigte Schinowsky an.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.02.2022, 09:30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Die Kohle Milliarden können schon, mehrmals ausgegeben werden - einmal vom Bund und noch dazu als Eigenanteil der ,,betroffenen,, Länder. So wie beim BER auch Bund, Länder und wahrscheinlich jeder Einzelne Bundesbürger seinen Teil dazu beiträgt. Bei 83 Millionen Einwohnern merkt das nur Niemand so schnell. Ist nur fraglich ob das, einer großen Anzahl von Menschen zu Gute kommt- Wir Alle, zahlen seit Jahrzehnten und die Lausitz braucht trotzdem immer neue Milliarden - das ist schon sehr erstaunlich !!!

  2. 10.

    Es ist wohl klar dass ich Cottbus meinte und mich nur verschrieben habe.

    Was ist denn nun der Vorteil eines ICE gegenüber einem RE auf einer 160 kmh Strecke?

    Sie wissen doch bestimmt was für eine 200 km/h Strecke nötig würde oder?

    Wenn man von Cottbus statt vollkommen übertriebener ICE 200 kmh Strecke eine solide 160 kmh Strecke nach Berlin UND Leipzig hätte wäre das wohl sinnvoller. Gerade ab Leipzig hätte man vielfältige Fern-Anbindungen.

  3. 9.

    Niemand braucht da eine ICE Strecke. Aber dank dem lauten "unsere Arme Kohleregion" Gemecker kann man wohl alles fordern, egal wie wirtschaftlich es ist.

    Bin gespannt was aus den Anfang 2020 genannten Verkehrsprojekten wird. Da war ICE Strecke Berlin Cottbus Görlitz ja auch dabei. Bis Chemnitz wäre vielleicht noch ok, aber ICE Endhaltestelle Görlitz? Naja. was ist eigentlich der Vorteil eines ICE gegenüber einem RE von Cottbus nach Berlin? Wollen Sie die Strecke noch für 200 km/h ausrüsten? Da wäre eine schnellere 160 kmh Verbindung nach Leipzig und eben Berlin wahrscheinlich sinnvoller. Die Kohlemmilliarden können auch nur einmal ausgegeben werden und zu Recht fangen andere Regionen an zu fragen, warum bei Ihnen gar nichts investiert wird.

  4. 8.

    Einfach nochmal lesen und wenn’s nicht hilft noch ein drittes Mal.
    Alles was sie hinterfragen steht im Text, bis auf Chemnitz aber wie Sie auf Chemnitz in dem Zusammenhang gekommen sind, behalten Sie besser für sich.
    Kleiner Tip nicht zwingend auf Start und Endpunkt starren sondern, dass was dazwischen liegt.
    Und Liberec ist letzten Endes nicht mehr weit in eines der beliebtesten Ski- und Urlaubsgebiete der Ostdeutschen. Das müssen Sie als Zugezogener nicht zwingend wissen.
    Wieviele sogar ICE taugliche Alternativrouten gibt es zwischen Hamburg und Berlin?

  5. 7.

    >"Und selbst bei der DR der DDR gab es genügend Baustellen wie z.B. auf dem BAR,..."
    Ach hörn se mir uff mit dem Berliner Außenring... so als alter Reichseisenbahner war der immer Tortour. In den 1950er Jahren schnell gebaut als Kalter-Krieg-Umfahrung und dann nur auf Verschleiß. Und dann noch der tolle Einfall mit dem Permessiven Fahren auf dem Ring... Aber wenn dann wieder die normale Strecke unter den Rädern war, kamen die Züge trotzdem pünktlich an. ;-)
    Es ist aber wirklich so: Wenn eine Strecke komplett gesperrt wird, geht das Bauen immer schneller - im strategischen Normalfall. Das ist immer eine Abwägung zwischen Kosten / Nutzen.

  6. 6.

    Seit Reichsbahnzeiten haben sich allerdings die Vorschriften zur Arbeitssicherheit verschärft. Dennoch kommen immer noch Gleisarbeiten zu Tode.

    Und selbst bei der DR der DDR gab es genügend Baustellen wie z.B. auf dem BAR, die wegen der dichten Zugfolge auf die ganz lange Bank geschoben worden sind und man lieber unzählige Langsamfahrstellen wegen Schäden in Kauf nahm.

  7. 5.

    Die Strecke Berlin-Görlitz-Prag ist ja durchgehend befahrbar. Auch die Teilstrecken in Polen werden bedient.Damit bietet sich die Strecke für durchgehenden Fernverkehr an. Zumal der Ausbau zumindest weitgehend unter dem rollenden Rad erfolgen kann.Zumindest die Reichsbahn hätte das gekonnt ohne die Verbindung erst einmal 5 Jahre im Schienenersatzverkehr zu betreiben.

  8. 4.

    Ich verstehe nicht so Recht worin jetzt die Forderung besteht?

    Die Schnellzüge von Berlin über Dresden nach Prag sind damit nicht ersetzbar. Klar "nur" 27 km Strecke mehr hört sich wenig an, aber in Zeit dürften das STUNDEN sein, im Vergleich mit Dresden Berlin. Wenn der Tunnel durchs Erzgebirge kommt sowieso. Und in Gröbern will man auch wegen ein paar Minuten einen Tunnel unter ner alten Mülldeponie bauen. Die ganzen sächsischen/brandenburgischen Dörfer bekamen alle eigene Brücken, damit der ICE 200 kmh fahren darf.

    Die Verbindung nach Chemitz wird hoffentlich sowieso ausgebaut, die Strecke nach Görlitz wurde auch schon kräftig ausgebaut, ja macht da nen RE draus und wenn die Tschechen mitmachen umso besser. Aber eine alternative internationale Strecke zu Berlin-Prag über Dresden ist das nicht.

  9. 3.

    Bei vorhandenen Bahnstrecken könnte sich das aber in Grenzen halten da mit dem Ausbau automatisch Schallschutzmaßnahmen verbunden sind, die sonst nicht kommen würden. Ein paar mehr Züge pro Tag sind doch überschaubar. Das wird ja keine Rheintaltrasse.
    Und die Aussicht irgendwann übers Wochenende ins schöne Prag oder dreckige Berlin einfach und schnell fahren zu können ist ja auch nicht schlecht.

  10. 2.

    Sie werden erstaunt sein, wie viele Befürworter es gibt... sonst gäbe es die Initiative nicht. Wenn Sie aber Sorge haben, dass es Streit gibt, so kann man genau diesen als notwendig ansehen. Gut das man das darf. Und Betroffene haben naturgemäß mehr Gewicht als Nichtbetroffene. Und die zukünftigen Nutzer erst... ;-) - aber nur die Zahlenden, nicht die Schreienden...

  11. 1.

    Wie viele Protestgruppen der Anwohner haben sich schon gegründet? Doch mindestens zwei pro Dorf oder?

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