77. Jahrestag Luftangriff von Cottbus - Cottbuser erinnern unter Coronabedingungen an Bombardierung der Stadt 1945

Di 15.02.22 | 16:57 Uhr
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Gedenken in der Lutherkirche (Foto: rbb/Jahn)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.02.2022 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Jahn

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden bei einem Luftangriff Teile von Cottbus zerstört, hunderte Menschen sind ums Leben gekommen. Zum 77. Jahrestag wurde in der Stadt unter speziellen Pandemiebedingungen an die Bombardierung erinnert.

In Cottbus ist am Dienstag mit mehreren Aktionen an die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert worden. Etwa 50 Personen kamen zu einem stillen Gedenken unter pandemiebedingten Abstandsregeln in die Lutherkirche. Um 11.53 Uhr läuteten die Glocken. Zu dieser Uhrzeit war die Kirche am 15. Februar 1945 von Bomben getroffen und zerstört worden.

Über 400 Flieger der 8. US-Luftflotte hatten damals in den Mittagsstunden Cottbus erreicht. Die Bomben, die sie abwarfen, zerstörten vor allem die Südstadt, den Bahnhof, das Klinikum, Wohnhäuser und Kirchen. Offiziell kamen dabei 1.000 Menschen ums Leben, 13.000 haben ihre Wohnungen verloren.

"Es sind Bilder, die ich immer noch vor Augen habe"

"Ich war damals neun Jahre und ich muss ihnen ganz ehrlich sagen... Ich habe das bis heute noch nicht verarbeitet", sagt Wolfgang Wiesner. Er ist aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zum Gedenken in der Lutherkirche nach Cottbus gekommen.

Als Kind wurde er nach dem Bombenangriff aus einem Luftschutzkeller freigebuddelt. Die Bilder von damals sind ihm in Erinnerung geblieben. "Die Kirche und die Häuser hier - das hat ja alles gebrannt."

Vier Jahre jünger war damals der heute 82-jährige Rudolf Lehmann. Auch er ist gebürtiger Cottbuser und hat in einem Luftschutzkeller den Angriff überlebt. "Wir sind aus dem Keller raus und haben über dem Bahnhof die Wolken stehen sehen und die Bombenexplosionen gehört. Das sind aber nur Bilder. Der ganze Film ist nicht mehr. Aber es sind Bilder, die ich immer noch vor Augen habe."

Den Überlebenden ist wichtig, an die Bombardierung von Cottbus und an die Verbrechen des Nazi-Regimes zu erinnern, sagt Rudolf Lehmann. "Ich bin der Meinung, die über 70 Jahre Frieden, die wir bis jetzt hatten, sind sehr wichtig für mich, meine Eltern, meine Kinder." Das Erinnern sei bedeutend, um den Frieden zu erhalten.

Ein Plakat an einem Mast erinnert an den Bombenangriff 1945 (Foto: rbb/Jahn)Plakate erinnern an den Bombenangriff 1945

Gedenken unter Pandemiebedingungen

An die Ereignisse vom 15. Februar 1945 wird in Cottbus jährlich öffentlich erinnert. Neben Gedenkveranstaltungen fanden in der Vergangenheit auch Sternmärsche statt - zuletzt 2020, als nach Angaben des Veranstalters "Cottbuser Aufbruch" mehr als 1.000 Teilnehmern dabei waren.

Durch die Pandemie hat das Gedenken auch in diesem Jahr anders ausgesehen. "Wir können es nicht verantworten, unter solchen Bedingungen mit vielen Menschen auf die Straße zu gehen", sagt Lothar Judith vom Cottbuser Aufbruch. Stattdessen hat der Verein Plakate in Bussen, Bahnen und an Straßenrändern der Stadt aufgehangen. Mit der Aktion macht der Cottbuser Aufbruch darauf aufmerksam, dass sich rechtsextremes Gedankengut auch heute verbreiten kann.

Die Cottbuser wurden zudem dazu aufgerufen, die Motive auszudrucken, sich damit zu fotografieren und die Bilder in den sozialen Medien zu teilen - "als Zeichen, dass man nicht alleine ist", so Judith.

Gedenken in Schmellwitz an Bombenangriff in Cottbus (Foto: Stadt Cottbus)
Gedenken im Cottbuser Ortsteil Schmellwitz | Bild: Stadt Cottbus

Oberbürgermeister: Erinnerung und Mahnung

Am Nachmittag ist zudem auf einem Platz im Stadtteil Schmellwitz der Opfer des Bombenangriffs gedacht worden, veranstaltet vom „Offenen Netzwerk Schmellwitz“ zusammen mit dem „Arbeitskreis Schmellwitz gegen Rechtsextremismus“. Zu den Rednern gehörte der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) [cottbus.de].

"Ich glaube, es ist ein Gedenktag, an dem wir natürlich an die Opfer denken wollen, aber auch darauf hinweisen, dass sich so etwas nie wiederholen soll", sagte Kelch im Vorfeld dem rbb. Noch würden Menschen leben, die die Bombardierung als Kind miterlebt hätten. "Sie können sich noch erinnern, was diese Bombardierung ausgemacht haben", so Kelch. "Und wie aktuell und brisant das momentan ist, merken wir am Stimmungsbild hier in Europa an der Nahtstelle der Ukraine und der russischen Föderation."

Mit Informationen von Josefine Jahn.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.02.2022, 15:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Hätten früher denken müsse und nicht Millionen von Menschen im Krieg ermordet. Selbst Schuld

  2. 2.

    Die heutigen Kriegstreiber und Kriegsprovokateure sitzen ganz woanders.

  3. 1.

    "Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

    Die Gleichen, die diesen Wahnsinn zu verantworten haben sitzen wieder in deutschen Parlamenten. In Cottbus wurden sie 2019 sogar mit 22,3 % in die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung gewählt!

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