Cottbusverkehr stellt Pläne vor - Straßenbahnnetz in Cottbus soll erstmals seit den 1980ern erweitert werden

Mi 02.02.22 | 18:27 Uhr
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Eine Straßenbahn verlässt das Betriebsgelände von Cottbusverkehr (Foto: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.02.2022 | Holger Kessler | Bild: rbb

Mit der Straßenbahn zum künftigen Cottbuser Ostsee oder ins Kino im Cottbuser Gewerbegebiet fahren - das könnte Realität werden. "Cottbusverkehr" plant, das Straßenbahnnetz in der Stadt zu erweitern. Das hat das Unternehmen am Mittwoch zusammen mit anderen Vorhaben bekanntgegeben. Es wäre die erste Erweiterung seit den 1980er Jahren.

Dafür sei eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden, sagte Geschäftsführer Ralf Thalmann dem rbb. Diese analysiere auch, ob sich die Anbindung der BTU Cottbus-Senftenberg, des Technologie- und Industrieparks und perspektivisch auch des Uniklinikums lohne. "Es sieht im Moment gut aus", so Thalmann.

Für die Bewertung gebe es zwei Kriterien: Es müsse wirtschaftlich und für den Verkehr Sinn ergeben. "Wenn beide Daumen nach oben gehen, hat man ganz gute Karten. Auch beim Fördermittelgeber." Der Netzausbau würde 120 Millionen Euro kosten. Wenn alles klappt, wie gewünscht, könnten neue Gleise Richtung Uni oder Krankenhaus in fünf bis sechs Jahren liegen.

Bahnverkehr soll umweltfreundlicher werden

In den kommenden Jahren werden außerdem sieben neue Straßenbahnen und vier neue Gelenkbusse angeschafft. Geplant sind auch neue Fahrkartenautomaten mit kontaktloser Bezahlfunktion. Sie sollen ab dem Herbst in Betrieb gehen. Dazu komme ab 1. Januar 2023 eine Smartphone-App mit allen Betreibern im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) für den Online-Ticketkauf.

Eines der Vorhaben ist auch eine neue Form des Rufbusses. Dabei geht es um die so genannte "letzte Meile", also die Anbindung kleinerer Orte an den öffentlichen Personennahverkehr. "Heute muss ich im schlechtesten Fall einen Rufbus teilweise einen Tag vorher bestellen", sagt Geschäftsführer Ralf Thalmann. "Das passt einfach nicht mehr zur Lebenswirklichkeit der Menschen." Künftig soll auf spontanere Nachfragen "individueller" reagiert werden.

Im Fokus von Cottbusverkehr steht auch, CO2-freundlicher zu werden. Seit Januar würde die Straßenbahn mit grünem Strom fahren. "Natürlich beschäftigen wir uns auch mit neuen Antrieben bei den Bussen." Schon länger ist bekannt, dass künftig Busse mit Wasserstoffantrieb durch Cottbus rollen sollen. "Wir werden eine Wasserstofftankstelle bauen, die Leag [Energieunternehmen, d. Red.] wird den Wasserstoff für uns erzeugen, so dass wir hier auf dem Betriebshof die Fahrzeuge betanken können", so Thalmann.

Ende des Jahres 2022 soll die Tankstelle in Betrieb gehen. Der Förderantrag für zwei Wasserstoffbusse ist ebenfalls gestellt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.02.2022, 17:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Das können Sie gerne. Wenn Sie das nicht als absolute Forderung, gefälligst umzusetzen in den nächsten fünf Jahren, verstehen.

  2. 15.

    Einem System von U- und S-Bahn bei hohen Kapazitäten, der Tram bei den mittleren Kapazitäten und automotisierten Kleinbussen, die nur die Feinerschließung vornehmen, würde ich keinesfalls widersprechen wollen.

  3. 14.

    Straßenbahnen haben überall dort ihren Vorteil, wo viele Menschen auf kuzen Distanzen bewegt werden müssen, weil sie ein höheres Fassungsvermögen als Busse haben, jedoch ein geringeres als U- oder Eisenbahnen. U-Bahn fällt in Cottbus aus, die Eisenbahn spielt maximal zwischen den Ortsteilen eine Rolle. Ökonomisch wie ökologisch muss man aber trotzdem sehr genau abwägen, wo Straßenbahnen wirklich sinnvoll und wo sie schlicht überdimensioniert sind. Eine fast leere Straßenbahn ist ökologisch eben auch nachteilig. Dieses Dilemma müsste man dann wieder lösen, indem man den Takt verlängert, was sie wieder unattraktiver macht. Auch für Elektromobilität sind die Ressourcen nicht unendlich, da wird in Zukunft noch sehr genau drauf geachtet werden müssen, welches Verkehrsmittel wo wirklich Sinn ergibt und damit die Attraktivität des ÖPNV insgesamt steigert. Wir kommen um gut verzahnte Systeme nicht herum.

  4. 13.

    Es gibt keinen grünen Strom, das ist eine reine Marketing-Masche. Strom ist immer ein Strommix aus verschiedenen Erzeugungsformen, sowohl "klima-neutral", wie auch CO2-ausstoßend. Korrekt ist, dass der "ökologische" Anteil im Strommix durch den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung gewachsen ist, was im Grunde auch richtig und wichtig ist. Nur ohne Grundlastfähigkeit kann das sogar zu erhöhtem Ausstoß von CO2 führen, da konventionelle Kraftwerke ja weiterhin in Bereitschaft laufen müssen. Auch schneller anlaufende Gaskraftwerke lösen dieses Dilemma nur zum Teil, weil auch diese erst mal auf Betriebstemperatur (Dampfbildung) gebracht werden müssen. Das geht viel schneller als bei Kohle, aber eben nicht schnell genug, wie bei Pumpspeichern. Unser Strom ist also niemals grüner, als der darin enthaltene Anteil aus konventionellen Kraftwerken.

  5. 12.

    In kleineren Städten wie Cottbus und Potsdam sind die Verkehrsströme ja nach Ihrer Meinung so klein, dass Busse mit einer einem Dutzend Fahrgastplätzen als Zubringer ausreichen würden. Wenn man diese Fahrgastströme auf größere Städte hochskaliert, landet man in vielen Millionenmetropolen bei der Tram als Zubringer zur U- und S-Bahn. Schienenverkehrsmittel könnten theoretisch einfacher automatisch oder gar autonom fahren als Busse. Im BOStrab-Bereich gibt es dafür zig Beispiele.

  6. 11.

    Ich kenne eine Menge elektrischer Verkehrsmittel, die "ohne Batterien aus seltenen Erden" auskommen, dafür aber nur wenige E-Motore ohne diese Gruppe an Metallen. In der DDR gab es Braunkohlestrom und Rohöl vom große Bruder, dass lieber gegen Devisen in den Westen weiterverkauft worden ist, so dass teil sogar der Buverkehr ausgedünnt werden musste.

  7. 10.

    Kleiner Rat: Informieren Sie sich doch einfach mal, wie das nationale oder sogar das europäische Stromnetz funktioniert. Schon zuvor können Sie aber natürlich die sofortige Stillegung aller Kohlekraftwerke fordern und/oder die Umrüstung von Straßenbahnen auf Pedalantrieb (durch die Fahrgäste). Letzteres ließe sich dann natürlich sogar als ungemein gesund verkaufen. Neudeutsch vermutlich "Healthwashing".

  8. 9.

    Ich kann Ihnen nur darin zustimmen, dass unterschieden werden muss zwischen Elektromobilität mittels Batterien und Elektromobilität mittels Oberleitung oder Stromschiene. Sinnvoll im Gesamten ist Elektromobilität mit Oberleitung und in vier Städten in Deutschland eingeführt, per Stromschiene.

  9. 8.

    Vor einigen Jahren wollte Cottbus sein Straßenbahnnetz noch verkleinern, weil es ein sog. Verkehrsgutachter empfohlen hatte.
    Es ist gut, dass man sich jetzt des einzigen elektrischen Verkehrsmittels dass ohne Batterien aus seltenen Erden auskommt,erinnert.
    Straßenbahnen sind weltweit bewährt und nicht ohne Grund gibt es alle Betriebe die zuletzt in der DDR bestanden,heute noch.Und viele Betriebe, auch Kleinbetriebe haben Neubaustrecken gebaut, eine gute Basis für Cottbus.


  10. 7.

    Eine wesentliche Stärkung des hochwertigen Straßenbahnnetzes wäre es, Busse als Zubringer zur Tram zu verstehen. In vielen Städten ist das oftmals formuliert, nur in einem Teil davon allerdings verwirklicht. Für eine Stadt in der Größe von Cottbus könnten das auch selbstfahrende, automatische ("Olli"-)Busse sein. Die Belegschaft des Cottbusverkehrs würde dann ausschließlich auf der Tram eingesetzt - bei entsprechender Taktverdichtung.

    Zu Potsdam: Potsdam hat zwar geschrieben, dass die Straßenbahn Rückgrat des ÖPNV sein soll, aber gerade im westlichen Bereich der Stadt werden die Fahrgäste mehr von Bussen als von der Tram bewegt. Dazu sind die Bundeszuschüsse in die Schienen und Fahrleitungen nicht vergeben worden.

  11. 6.

    Strom ist grün? Ist mir neu. Genauso neu wie Wasserstoff grün sein soll. Im Chemieunterricht habe ich gelernt, dass Wasserstoff ein farb- geruch- und geschmackloses Gas ist. Die Gasflaschen mit Wasserstoff sind rot gekennzeichnet, mit Stickstoff grün.

  12. 5.

    Also das was passieren soll ist lange bekannt. Aber die Strecken wären mal interessant. Welche Strecken sind geplant?Was muss dafür weichen?
    120Mio?Ich befürchte das sind bestimmt zu wenig, weil es wieder teurer wird als geplant.

  13. 4.

    Unverständlich ist, warum man eine so aufwendigen wie seltenen Wasserstofftankstellen auf dem Betriebsgelände errichtet: Maximaler Aufwand, minimaler Nutzen. Besser wäre, einen zentralen öffentlichen Standort für eine Wasserstofftankstelle auszusuchen - dort wo gleichzeitig alle Busse vorbeikommen, eine große Durchgangsverkehrsstraße für PkW/LkW liegt und eine Bahnstrecke zur Betankung der Nebenstrecken-Schienenbusse liegt. Vorteil: 1 Investition und auf Anhieb viele Nutzer.

  14. 3.

    Warum ist der Strom seit Januar grün? Was wurde konkret verändert? Der Strom dürfte immer noch aus den nahegelegenen Kraftwerken kommen, besonders wenn der Wind nicht weht und es dunkel ist? Oder hat man Zertifikate gekauft, was auch nicht besser ist? Greenwashing vom Allerfeinsten.

  15. 2.

    Ich kann diese Maßnahme und das Vorhaben nur begrüßen . So beginnt für mich ein sinnvoller und erfolgversprechender Strukturwandel.

  16. 1.

    Herzlichen Glückwunsch! Schön zu lesen, dass Straßenbahnbau unweit zumindest geplant schneller gehen kann. Hier in Berlin dauert das planmäßig leider immer noch Jahrzehnte.

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