Rund 15 Fälle in Cottbus - Sorbisch-wendische Straßennamen beschmiert und überklebt

Mi 09.02.22 | 17:17 Uhr
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Uferstraße - Straßenschild. (Quelle: Kerstin Leonhardt)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.02.2022 | Iris Wussmann | Bild: Torsten Mack

In Cottbus sind in den vergangenen Wochen in rund 15 Fällen die sorbisch-wendischen Bezeichnungen auf den Straßenschildern beschmiert, ganz oder teilweise überklebt worden. Das hat Torsten Mack, Mitglied des Regionalvorstandes der Domowina, des sorbischen Dachverbandes, öffentlich gemacht.

Er gehe von einer gezielten Aktion gegen die Zweisprachigkeit in Cottbus aus, sagte Mack dem rbb. Auch Domowina-Pressesprecher Marcel Braumann sprach von einer vorsätzlichen Tat.

Ostrower Damm Staßenschild. (Quelle: Kerstin Leonhardt)
Verunstaltetes Strassenschild | Bild: Torsten Mack

Schmierereien sollen schnell beseitigt werden

Bisher seien diese Angriffe auf die Oberlausitz begrenzt gewesen, wo in den Vergangenheit auch Ortsschilder betroffen waren, hieß es. Es sei wichtig, dass die Schmierereien und Aufkleber schnell beseitigt würden.

Dafür hat sich die Beauftragte für sorbische-wendische Angelegenheiten, Anna Kossatz-Kosel, bereits eingesetzt. Sie sei betroffen und erschüttert, sagte sie. Die Taten rührten an den Grundstock der sorbischen-wendischen Kultur. Die Zweisprachigkeit müsse so schnell wie möglich wieder hergestellt werden.

Eine Anzeige bei der Polizei ist noch nicht eingegangen. In der nächsten Woche will sich aber der Hauptausschuss mit dem Thema beschäftigen.

Die zweisprachige Beschriftung im öffentlichen Raum ist in der Satzung der Stadt Cottbus geregelt, die im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden liegt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.02.2022, 16.10 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Die Sticker seines Fussballvereins überall zu hinterlassen - je höher, desto besser - gehört zu den üblichen Praktiken der Fußball-Szene, besonders der Ultras, die ihre Duftmarken setzen. Man findet diese Aufkleber auch auf Verkehrsschildern, Lichtmasten, Stromkästen etc. Vermutlich sind die Verursacher gegen alles und jeden.

  2. 3.

    Sind da wieder "besorgte Bürger" unterwegs und geben ihrem Unmut gegen "undeutsche Anwandlungen" zum "Besten", indem man "Undeutsches" (hier: Straßennamen) überklebt und damit Deutschland vor dem Untergang bewahrt, Pardon: der Überfremdung rettet?
    Vielleicht sollten diese Personen mal ein Geschichtsbuch aufschlagen und ein bisschen historische Ortskunde der Lausitz betreiben - könnte in dem einen oder anderen scheinbar zappendusteren Raum zwischen den Ohren für Erhellung sorgen.

  3. 2.

    Ich halte das Überkleben und Beschmieren von zweisprachigen Straßenschildern für unerträglich. Die sorbische Sprache und die sorbische Kultur sind wie das sorbische Volk in der Lausitz seit Jahrhunderten beheimatet. Dies soll auch so bleiben. Ich weiß nicht, welcher dumme und gefährliche Ungeist in den Gehirnen mancher Leute spukt.

  4. 1.

    Schon viele, viele Jahrhunderte bevor es auch nur die Idee des Konzepts eines wie auch immer gearteten vereinten „Deutschlands“ gegeben hat, ist die Lausitz von Sorben bewohnt und überhaupt erst urbar gemacht worden; sie ist also seit langer Zeit deren angestammtes Siedlungsgebiet. So weit scheinen einige Energie-Cottbus-Fans aber wohl leider nicht zu denken, bzw. nicht darüber informiert zu sein. Ist aber ja nun auch nicht unbedingt eine Stärke der Rechten …

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