Flucht aus der Ukraine - Innenministerium plant mehrere Sonderzüge zum Drehkreuz Cottbus

Sa 19.03.22 | 17:57 Uhr
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Helfer stehen auf dem Cottbuser Hauptbahnhof und erwarten Flüchtlinge aus dem Ukrainischen Kriegsgebiet. Hinter ihnen stehen Busse bereit, mit denen die Menschen in ihre Unterkünfte gefahren werden. Nachdem ein Sonderzug in der vergangenen Nacht 18 Flüchtlinge aus der Ukraine nach Cottbus gebracht hatte, stiegen heute etwa 200 Personen aus dem Zug. (Quelle: dpa/Frank Hammerschmidt)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2022 | Margarethe Neubauer, Thomas Bittner | Studiogast Dietmar Woidke | Bild: dpa/Frank Hammerschmidt

Flüchtlinge aus der Ukraine sollen künftig auch von Cottbus aus in Deutschland verteilt werden. Die Stadt wird nächste Woche das dritte Drehkreuz neben Berlin und Hannover. Das Innenministerium plant mehrere Sonderzüge aus Polen in die Stadt.

Ab Mittwoch soll Cottbus neben Hannover und Berlin das dritte Drehkreuz zur Verteilung von Flüchtlingen aus der Ukraine werden. Damit soll auch Berlin entlastet werden, wo zuletzt täglich Tausende Geflüchtete ankamen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums vom Donnerstag sind bis zu sechs Züge aus Polen nach Cottbus geplant, um täglich 2.500 weitere Menschen direkt nach Deutschland zu bringen.

Wenige Tage vor dem geplanten Start ist jedoch noch unklar, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine die Bundesregierung über das neue Drehkreuz Cottbus führen möchte. Derzeit sei eine kleine Zahl an Sonderzügen von Breslau in Polen nach Cottbus vorgesehen, die in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn und der Polnischen Staatsbahn koordiniert würden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Cottbus soll Berlin entlasten

Von Cottbus aus würden Angebote zur Weiterreise für die ankommenden Flüchtlinge an zahlreiche Ziele innerhalb Deutschlands und darüber hinaus zur Verfügung stehen. Wegen der Reisefreiheit für ukrainische Staatsangehörige sei unklar, ob dieses Angebot auch in Anspruch genommen werde.

Aus Cottbus hieß es am Donnerstag, täglich sollten sechs Sonderzüge mit maximal 600 Geflüchteten pro Zug ankommen, das wären bis zu 3.600 Menschen. Nach Angaben des Innenministeriums Brandenburg liegt das Limit momentan in Cottbus bei 800 Flüchtlingen am Tag. "Es ist vorgesehen, dass nahtlos eine Weiterverteilung in das Bundesgebiet und darüber hinaus auch in die europäischen Nachbarländer aus Cottbus erfolgen soll", informiert Oberbürgermeister Holger Kelch. Die Koordination übernimmt das Deutsche Rote Kreuz. Busse sollen Cottbus mit Aufnahme-Einrichtungen in der Region und allen weiteren Bundesländern verbinden.

Damit werde auch Berlin weiter entlastet. Dort kamen zuletzt täglich tausende Flüchtlinge an. Der Berliner Senat fordert mehr Unterstützung vom Bund und anderen Bundesländern.

Stübgen zeigt sich irritiert über Drehkreuz-Pläne

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) zeigte sich irritiert über die Zielsetzung des Bundes, Cottbus binnen einer Woche zu einem Drehkreuz für die Verteilung von bis zu 3.000 Flüchtlingen am Tag zu machen.

Man sei momentan in der Lage, in Abstimmung mit dem Bund maximal rund 800 Flüchtlinge am Tag zu versorgen, sagte er am Freitag. Grund sei, dass viele Menschen, nach Wochen des Krieges und der Flucht, in Cottbus zunächst versorgt werden müssten. Nur aufgrund ehrenamtlicher und kommunaler Hilfe könne man dies momentan leisten, so der Minister. Sollte der Bund weitergehende Pläne verfolgen, müsse er sich mit dem Land zunächst abstimmen. Auch forderte er mehr finanzielle Hilfe vom Bund.

Geflüchtete kommen mit Zügen, Bussen, in Taxis oder zu Fuß

Das Brandenburger Innenministeriums hatte zuvor bereits erklärt, maximal 750 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine pro Tag in Cottbus zu betreuen. Dort kämen derzeit täglich zwei Sonderzüge und etwa fünf bis zehn Reisebusse an, dazu ließen sich Flüchtlinge von Taxis oder privaten Helfern an die Grenze bringen und überquerten sie zu Fuß oder reisten mit dem eigenen Auto ein.

Das Innenministerium forderte, dass die Frage einer vollständigen Kostenübernahme durch den Bund geklärt werden müsse. Außerdem müssten noch die bisher maximale Kapazität der Betreuung in Cottbus und die vom Bund geplante Zahl täglicher Ankünfte abgeglichen werden.

Cottbuser Messehallen vorbereitet

Verkehrsminister Volker Wissing appellierte an alle Bundesländer, sich dem Beispiel anzuschließen. "In diesen Tagen kommt es darauf an, dass wir alle an einem Strang ziehen", mahnte der FDP-Politiker. "Wir stehen mit der DB bereit, weitere Hubs in ganz Deutschland aufzubauen, um unsere Metropolen aber auch unsere Nachbarn in Polen
zu entlasten, die derzeit Enormes leisten."

In Cottbus leben nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit etwa 1.000 Flüchtlinge aus der Ukraine. Sie sind sowohl in privaten Wohnungen untergebracht als auch in zentralen Einrichtungen. Die kommunale Gebäudewirtschaft (GWC), größter Vermieter in der Stadt, hat bereits die ersten zehn Wohnungen mit Flüchtlingen aus der Ukraine belegt. Weitere 70 Wohnungen werden nach Angaben der Stadt derzeit vorbereitet. In den Messehallen, die als Übergangsunterkunft fungieren, sind derzeit 300 Menschen untergebracht. Insgesamt bieten die Hallen Platz für bis zu 1.000 Menschen. Unklar ist, ob ankommende Flüchtlinge in der Stadt bleiben oder weiterreisen wollen, nachdem sie eventuell eine Nacht in Cottbus verbracht haben, sagte Stadtsprecher Jan Glossmann dem rbb.

Plätze in Schulen und Kindertagesstätten werden vorbereitet

Wie die Stadtverwaltung in ihrer aktuellen Pressemitteilung informiert, werden zur Zeit Regelungen für den Schulbesuch und die Aufnahme in Kindertagesstätten vorbereitet. Aktuell geht es um Plätze für 120 Grundschüler und 75 Kita-Kinder. In Kürze sollen dafür mehrsprachige Anmeldeformulare auf www.cottbus.de/ukraine zur Verfügung stehen. Einbezogen werden dabei fünf aus der Ukraine geflüchtete Lehrerinnen, die jetzt in Cottbus sind.

Unterstützung vor allem bei der Unterbringung haben die umliegenden Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster angekündigt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2022, 11.30 Uhr

34 Kommentare

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  1. 34.

    Ich würde hier jetzt am liebsten einfach "Lenis" Antwort an "Elisabeth" hineinkopieren...

  2. 33.

    Bei Ihnen tickt es wohl nicht mehr richtig? Polen hat ca. 2 Mio. Ukrainer aufgenommen.
    Wenn ich solch rechte Schei....wie von Ihnen lese kommt mir das ko.....

  3. 32.

    Wenn Polen nicht das sichere Drittland wäre, würde ich Ihnen Recht geben.

    Die EU Minister haben eine Richtlinie erarbeitet, die oft gegen deutsches Recht verstößt

    Sicherlich ist es Ihnen egal, dass viele Flüchtlinge keine Pässe haben, dass viele Ukrainer mit einreisesperre und Einreiseverbot einreisen? Das unter den Flüchtlingen viele Russen sind, die kein Recht auf Aufenthalt haben, ist Ihnen egal?
    Von COVID Test und Maskenpflicht reden wir erst gar nicht


  4. 31.

    Natürlich ist die Frage der Kosten sehr wichtig und das gerade in der Demokratie

    Die Flüchtlinge kommen aus Polen und sind daher bei Einreise in Deutschland nicht in Not.

    Sie werden doch wohl nicht die Interessen und Probleme der deutschen Bevölkerung hinten anstellen?

  5. 30.

    Welche Wahrheit? Dass Sie und auch "Nena" zu Empathie und Nächstenliebe scheinbar nicht imstande sind? Dass die Frage nach den Kosten aktuell vollkommen nebensächlich ist?

  6. 29.

    Konrad, sicherlich hat Frau Merkel Fehler gemacht. Aber die jetzige Bundesregierung ist gerade dabei, wieder massive Fehler zu machen und deutsches Recht zu beugen.

    Damit meine ich nicht die Lieferung von Gas und Öl.

  7. 27.

    Tja, das sind die Kosten die uns Merkel mit Ihrer falschen (zumindest nach der Krim) Russlandpolitik hinterlassen hat.
    Die beinhalten noch nicht mal die Kosten die das Versagen beim Ausbau der EE betreffen. Das hängt alles zusammen.
    Der Massenmörder hätte diesen Krieg nie angefangen, nie anfangen können, wenn wir ihn nicht finanziert hätten.

  8. 26.

    Tim, Sie halten ja die Kosten für zweitrangig. Hier ein kurzes Beispiel aus meiner Berufspraxis: Wenn ein Ukrainer einen Amtstermin hat, darf nur ein ö.b.u.v. Übersetzer tätig sein. Kosten laut Gesetz ca 85 Eur pro Stunde zzgl Auslagen

    Kosten für Eingangsuntersuchung ca 190 Eur

    Preis pro Nacht in Gemeinschaftsunterkunft ca 395 Eur ohne Verpflegung und Betreuung.

    Der Zugang zum Berliner Wohnungsmarkt steht den Flüchtlingen ja nur begrenzt zu Verfügung.

  9. 25.

    "Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) zeigte sich irritiert". Da scheint es wohl Anstimmungsprobleme zu geben zwischen der SPD Innenministerin Faeser und dem Brandenburger Innenminister Stübgen. Ich bin ja nur ein kleiner Beobachter, aber was Faeser bisher anpackte, war nicht von großem Erfolg gekrönt. Gleich zu Anfang ihrer Dienstzeit warb Faeser für die „Koalition der Willigen“ in der EU-Asylpolitik , doch sind derzeit in Europa kaum welche in Sicht; nach jetzigem Stand ist es eine ganz kleine Koalition. Sie besteht im Wesentlichen aus Faeser und ihren Hoffnungen sowie der EU-Kommission. Doch die kann keine Flüchtlinge aufnehmen.
    Dass sich Faeser mit dem Brandeburger Innenminister für das "Drehkreuz" nicht abstimmt, ist schon ein starkes Stück von Faeser.
    Dann wollte Faeser nicht, dass Bürger demonstrieren. BILD empfahl Faeser, das Grundgeetz ernst zu nehmen. Eine merkwürdige Empfehlung, eigentlich ist ja Faeser als Inneministerin auch die Grundgesetz-Ministerin.

  10. 24.

    Die Frage, WER DAS BEZAHLT, muss in einer Demokratie erlaubt sein.
    Sowohl aus HAUSHALTSPOLITISCHEN GRÜNDEN als auch aus Gründen der TRANSPARENZ.
    Die Regierung hat alle parlamentarischen Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass die REICHEN die Kosten übernehmen und dafür GERINGVERDIENER nicht die Lasten tragen (Wohnungsmarkt, Energiepreise usw.)
    Nur tut sie dies nicht.

  11. 23.

    Tim, wenn Sie sich so sehr für Ukrainer einsetzen - finden Sie es also gut, dass die Regierung nichts unternimmt um die Bezieher von Sozialleistungen bei den steigenden Kosten zu entlasten?

    Ihnen geht das Wohl der Ukrainer vor? Erkennen Sie die zunehmende Not und Unterversorgung vieler deutscher Bürger nicht? Aber bin den massiv steigenden Kosten haben Sie was mitbekommen?

    Außerdem könnte Ihnen etwas mehr Kenntnis in Fragen des Asylrechts nicht schaden.

  12. 22.

    Auch Ihr Kommentar ist in der jetzigen Situation lediglich menschenverachtend...

  13. 21.

    "So Sie Gutmensch......"
    Ihr Kommentar ist einfach nur ekelhaft !!!

  14. 20.

    Tim, wachen Sie auf. Selbst Sie sollten erkannt haben, dass Polen sicher ist. Natürlich muss man auch an die Kosten denken. Sie sollten wissen, dass sich Deutschland in einer wirtschaftlichen Krise befindet.

    Vielleicht haben Sie einen Goldesel im Keller, der Geld schei....?

  15. 19.

    „So Sie Gutmensch - wer bezahlt das alles?“

    Sie persönlich, ganz allein!

    Einen Kommentar wie Ihren zu lesen, bereitet mir wirklich körperliches Unwohlsein; es ekelt mich an. Was müssen Sie bloß für ein selbstsüchtiger Mensch sein, um in der derzeitigen Situation einzig und allein daran zu denken, dass Ihnen selbst etwas weggenommen werden könnte? Diese Menschen sind gerade der Hölle ent- und zum Glück mit dem Leben davongekommen und befinden sich in einer absoluten existenziellen Notsituation … und alles, woran Sie allen Ernstes denken, sind die KOSTEN?? Einfach nur widerlich … Ich möchte wetten, Sie wählen die Blau-Braunen; etwas anderes ist bei so einem Kommentar eigentlich kaum möglich und würde mich wirklich ganz stark wundern.

  16. 18.

    " Ich hoffe, unsere Verantwortlichen dämmert langsam, wohinein sie manövriert wurden. In eine Fehde zwischen USA und Russland "

    Das hoffe ich auch das es unseren Verantwortlichen endlich dämmert denn eine Fehde zwischen USA und Russland ist dieser verbrecherische Angriffskrieg ganz sicher nicht und genauso wenig ist hier die immer wieder durch Russland und China heraufbeschworene angebliche Bedrohung der Nato Schuld .

  17. 17.

    Ein guter Kommentar. Gefällt mir.
    Trifft die Hetzer hoffentlich mitten "auf die Birne" und verursacht Nachdenken.
    Zudem ist es weder sinnvoll noch machbar ist, die Flüchtenden aus den Bussen oder Privatautos zu zwingen, um sie in die Bahn zu setzen. Je mehr Transportmöglichkeiten es gibt, desto mehr Menschen können dem Krieg entkommen.

  18. 16.

    "Sie können sich den Chauvinismus, den Nationalismus, den Militarismus, den Hegemonialanspruch des nordatlantischen Bündnisses gerne schönreden und faktisch zu eigen machen. "

    Warum sollte ich das? Trotzdem bleibt der Auslöser ein Regime, welches ein faschistoides Sytem im eigenen Land errichtet hat. Der FSB hat sich ein ganzes Land zu eigen gemacht. Und will mehr...

    Putins Schergen träumen von einem großrussichen Reich oder wie sie sich ausdrücken den Chauvinismus, den Nationalismus, den Militarismus, den Hegemonialanspruch dieses Regimes lehne ich entschieden ab.

  19. 15.

    2015 kam sogar ein ICE aus München in Eisenhüttenstadt an - fast feierlich langsam wurde der dann bei uns vorbei Richtung Frankfurt abgefahren. Selbst gesehen, damals gab es in Finkenheerd noch nicht alle Schallschutzwände....

    Ich komm mit der dem Namen "Drehkreuz" nicht so recht klar. Eigentlich ist das doch vom Begriff her eine so eine Art Zähleinrichtung, auch bekannt von den Sanifer-Toiletten.

    Wozu brauchen Geflüchtete sowas?

    Sollt man nicht versuchen, treffendere Begriffe, wie zum Beispiel Aufnahmezentrum, Erstaufnahme, Registreistelle oder Ähnilches finden?

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