Ukraine-Flüchtlinge werden weiterverteilt - Cottbus zieht als Drehkreuz für Flüchtlinge erste positive Bilanz

Do 24.03.22 | 21:14 Uhr
Symbolbild: Ankommende Flüchtlinge aus dem ukrainischen Kriegsgebiet werden in einem Zelt am Cottbuser Bahnhof erstversorgt. (Quelle: dpa/F. Hammerschmidt)
Video: rbb|24 | 23.03.2022 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: dpa/F. Hammerschmidt

Der Ablauf am neu eröffneten Drehkreuz für Geflüchtete aus der Ukraine am Hauptbahnhof Cottbus läuft nach Angaben des Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU) reibungslos. "Vor Ort arbeitet ein gut eingespieltes Team", sagte er am Donnerstag.

Am Mittwoch waren laut Innenministerium die ersten vier Sonderzüge aus Wroclaw (Breslau) in Cottbus angekommen. Die meisten Menschen seien weitergefahren. Demnach gingen zwei Züge nach Hannover und rund 20 Busse bundesweit in weitere Orte.

Mehr als 1.000 Anmeldungen beim Sozialamt

Insgesamt sind bisher weniger Ukrainer in Cottbus verteilt worden, als zunächst erwartet. Es werden mögliche Kommunikations- und Informationsprobleme am Knoten Breslau vermutet, teilte Holger Kelch weiter mit. Unbefriedigend seien derzeit häufig wechselnde Ankündigungen zu Ankunftszeiten der Züge.

Bisher haben sich laut Kelch 1.050 Menschen aus der Ukraine beim Cottbuser Sozialamt angemeldet. Es handelt sich dabei um Geflüchtete, die privat oder über die Stadt untergebracht worden sind. In der Messehalle sind derzeit etwa 130 Personen für Übernachtung und Versorgung.

Nur ein Teil übernachtet in Cottbus

In der Nacht zu Donnerstag waren rund 250 der insgesamt bis zu 850 Betten in der Notunterkunft in der Messe Cottbus belegt, teilt die Stadt mit. Dort hätten sich vor allem Frauen und Kinder ausruhen können, bevor es weitergehe.

Nach Angaben des Oberbürgermeisters Kelch klappe die Zusammenarbeit aller Partner - von Bundespolizei, über DRK und Hilfsorganisationen sowie ehrenamtlichen Helfern - bei der Ankunft der Geflüchteten gut. Er denke, dass es mit der Übergabe an hauptamtliche Strukturen im April so weitergehen werde. Die Verantwortung für den Ablauf am Drehkreuz gehe dann an Bund und Land über.

Cottbus soll Berlin entlasten

Die Stadt Cottbus ist seit Mittwoch eines von deutschlandweit drei Drehkreuzen bei der Verteilung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen und soll vor allem Berlin entlasten. Laut Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sollen täglich bis zu 1.000 Menschen in maximal fünf Zügen am Hauptbahnhof ankommen. Die meisten Geflüchteten werden anschließend mit Zügen und Bussen in Deutschland und Europa weiterverteilt.

1.000 Geflüchtete pro Tag ist auch nach Ansicht von Jonas Pantzer vom Ukraine-Netzwerk Cottbus ein Maß, das in Cottbus "mit den sehr professionellen Strukturen auch gerade seitens der Stadt anfänglich" gehändelt werden könne, wie er am MIttwoch dem rbb sagte. Es gebe gute Strukturen, die Helfer würden ihr Bestes versuchen und die Hilfsbereitschaft sei groß. "Wenn es Probleme und Herausforderungen gibt, muss man, glaube ich gegensteuern. Aber das ist sicherlich die Frage des Bundes oder der Bahn."

Schulbesuch für ukrainische Kinder in Vorbereitung

Unterdessen wird für ukrainische Kinder der Schulbesuch vorbereitet. Für kommenden Montag ist ein Abstimmungstreffen mit Lehrerinnen und Lehrern geplant, die den Unterricht zunächst übernehmen wollen. Darunter sind mehrere Lehrerinnen aus der Ukraine, die in Cottbus angekommen sind, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte.

Zugleich soll es für die Kinder bis zum Sommer Deutschkurse geben. Ziel sei, dass Kinder,
die in der Stadt bleiben, zum neuen Schuljahr möglichst in reguläre Klassen wechseln. Bislang gibt es etwa 30 Anmeldungen für einen Schulbesuch.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.03.2022, 14:30 Uhr

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