Cottbus als Drehkreuz für Ukraine-Flüchtlinge - Gekommen, um nicht zu bleiben

Mi 23.03.22 | 17:44 Uhr
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Geflüchtete aus der Ukraine erreichen Cottbus (Foto: rbb/Lepsch)
Video: rbb|24 | 23.03.2022 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb/Lepsch

Mit Cottbus steht seit Mittwoch ein drittes Drehkreuz für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zur Verfügung. Von hier aus sollen sie in Deutschland und Europa weiterreisen können. Und genau das machen die meisten auch, berichtet Aline Lepsch.

Tag eins am neuen Drehkreuz Cottbus beginnt mit einem Schockmoment. Bei Helfer Ulf* klingelt am Morgen das Telefon. "Ihr müsst zum Bahnhof kommen!" Der Zug aus Wrocław (Breslau) mit den ersten Geflüchteten aus der Ukraine komme fast zwei Stunden zeitiger als geplant an, 9:20 Uhr. An Bord sollen rund 500 Menschen sein. "Wir sind jetzt vielleicht 20 Ehrenamtler und über den Daumen gepeilt zehn Sprachmittler - das ist arg grenzwertig."

Plötzlich sprinten alle mit Gepäckwagen und Kinderwagen Richtung Gleis. Dann die Entwarnung: Der Zug kommt doch erst 10:30 Uhr. Als er schließlich eingefahren ist, steigen nur zwei Familien aus. Die große Anspannung fällt. "Wir würden mit den 500 jetzt hier schon ganz schön auf dem Zahnfleisch krauchen", sagt Ulf erschöpft.

Etwa eine halbe Stunde später erreicht der zweite Sonderzug den Hauptbahnhof - und mit ihm rund 250 Menschen. Sie werden von einem Dolmetscher per Lautsprecher begrüßt. Die Geflüchteten sollen ihre Pässe bereithalten, die Menschen in den gelben und orangen Westen würden ihnen helfen und teilweise Ukrainisch sprechen.

Kommunikation mit dem ganzen Körper

Ab dem Moment wirkt alles sehr organsiert. Relativ schnell kehrt Ruhe in das anfängliche Gewusel ein. Die Ukrainer essen, trinken und entspannen für ein paar Minuten. Die Herausforderung komme erst, wenn Helferinnen wie Doreen* von den Geflüchteten gefragt werden, wie es nun weitergehe. Zum Glück gebe es nicht nur die Sprache zur Verständigung. "Hände, Füße, Bilder, Lächeln - geht alles", sagt sie.

Sehr viele Geflüchtete hätten in Deutschland oder Europa Adressen von Freunden oder Bekannten. "Sie holen dann ihre Zettel raus und zeigen, dass sie dorthin wollen", sagt Doreen. "Wir gucken dann, wo das überhaupt ist, wo es lang geht und leiten die Leute weiter."

Eine der Geflüchteten ist Lyubov. "Mit meiner Schwester und den Kindern sind wir noch einen Monat in Kiew geblieben, aber es wurde immer schlimmer." Sie haben Freunde in Düsseldorf, zu denen sie jetzt können.

Ankommen, versorgt werden, weiterreisen

Die wenigsten, die in Cottbus ankommen, wollen auch bleiben. Ein Bus nach Karlsruhe ist bereits kurz nach Mittag voll besetzt abgefahren. Zwei weitere Busse nach Nürnberg und Bamberg stehen bereit. Darüber hinaus gibt es unter anderem zwei Sonderzüge nach Hannover.

So ist ein Drehkreuz auch gedacht, Cottbus ist das dritte in Deutschland nach Berlin und Hannover. Von den insgesamt 258 Menschen, die mit den ersten beiden Zügen in Cottbus angekommen sind, sind fast alle weitergefahren. "Es gab zehn, die das nicht konnten, weil sie dazu nicht in der Lage waren", so Ordnungsdezernent Thomas Bergner. Das entspreche genau dem, wie sich die Stadt aufstellen wolle. "Wir wollen die Möglichkeit bieten, hier anzukommen, hier aufgenommen zu werden, je nach Situation behandelt zu werden, versorgt zu werden und sich dann auf die weitere Reise zu machen."

*Nachmame auf Wunsch weggelassen

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.03.2022, 14:40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Es werden wieder 100 Gründe konstruiert, warum man dann bleiben muss. Genau, wie es jetzt auch schon passiert. Von Abi über Ausbildung bis Job.

  2. 1.

    Die Ukrainer dürfen maximal 3 Jahre bleiben. Ein längerer Aufenthalt ist nicht möglich und auch für Asyl fehlt der Grund.

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