Weniger Ankommende als erwartet - "Drehkreuz Cottbus" wird künftig von weniger Sonderzügen angefahren

Mi 30.03.22 | 15:01 Uhr
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Drehkreuz in Cottbus (Bild: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.03.22 | Daniel Mastow | Bild: dpa-Zentralbild

Das "Drehkreuz Cottbus" sollte dabei helfen, ukrainische Kriegsflüchtlinge in ganz Deutschland zu verteilen. Vor allem Berlin sollte entlastet werden. Bereits eine Woche nach dem Start zeigt sich nun: Das Drehkreuz wird bislang wenig genutzt.

In Cottbus werden künftig weniger Sonderzüge mit Geflüchteten aus der Ukraine ankommen. Der Bund plane, dass künftig nur noch zwei Züge pro Tag in Breslau starten, sagte der zuständige Abteilungsleiter im Brandenburger Innenministerium, Andreas Keinath, am Mittwoch im Sozialausschuss des Landtags.

Höhere Zahlen erwartet

Zunächst war am sogenannten "Drehkreuz Cottbus" mit einer deutlich größeren Zahl von Ankommenden gerechnet worden: In ersten Ankündigungen des Bundesinnenministeriums war von bis zu 3.600 Geflüchteten die Rede, die das Drehkreuz täglich passieren und anschließend bundes- und europaweit weiterverteilt werden sollten. Bis zu sechs Sonderzüge sollten dafür täglich aus dem polnischen Wroclaw nach Cottbus kommen.

Kurz vor dem Start des Drehkreuzes wurde die Prognose bereits nach unten korrigiert. Die Brandenburger Landesregierung ging am vergangenen Mittwoch dann noch von etwa 1.000 Geflüchteten aus, die mit maximal fünf Zügen täglich in die Lausitz kommen sollten.

Eine Woche nach dem Start zeigt sich nun: Das Drehkreuz wird tatsächlich noch weniger genutzt. Das teilte das Brandenburger Innenministerium auf rbb-Nachfrage mit.

Weniger als 1.000 Geflüchtete in einer Woche

Wie der Sprecher des Innenministeriums, Markus Grünewald, dem rbb sagte, kamen in der ersten Woche nur etwa 750 Flüchtlinge am Drehkreuz an. Wie erwartet seien die meisten von ihnen direkt im Anschluss weitergereist. Laut Innenministerium sei damit das Konzept des Drehkreuzes aufgegangen; auch diejenigen, die die Notunterkunft in der Cottbuser Messehalle genutzt hätten, seien nach spätestens drei Tagen weitergereist.

Die von Land und Bund zur Verfügung gestellten Angebote zur Weiterreise dabei allerdings nicht stark nachgefragt gewesen. So hätten sich viele Geflüchtete auf eigene Faust zu anderen Zielen begeben, so Grünewald weiter. Mit Bussen und Zügen seien allerdings dennoch viele Menschen beispielsweise in den Großraum München oder nach Frankreich gebracht worden.

Land steuert Züge um

Weil das Cottbuser Drehkreuz zwar seinen Zweck zwar erfüllt, aber immer weniger Geflüchtete aus dem polnischen Wroclaw ankommen, will Brandenburg die Strategie nun ändern: Nur noch zwei Züge täglich sollen Menschen aus Wroclaw nach Cottbus bringen.

Zwei Mal wöchentlich sollen zudem Züge aus dem ostpolnischen Przemysl in Cottbus ankommen. Immer am Mittwoch und Freitag sollen die Züge nach Cottbus fahren und dabei wöchentlich etwa 500 Flüchtlinge zusätzlich nach Deutschland bringen.

"Breslau scheint irgendwie nur ein Nebenstandort zu sein. Von da aus fährt man ungern über Forst Richtung Cottbus", so Grünewald. Damit werde die Notunterkunft in der Messehalle auch wieder stärker genutzt, so seine Prognose. Das Land wolle nun aber die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen, insbesondere in der Lausitz, genau beobachten und gegebenenfalls nachsteuern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.03.2022, 14:12 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    "Breslau scheint irgendwie nur ein Nebenstandort zu sein. Von da aus fährt man ungern über Forst Richtung Cottbus", so Grünewald."

    Das Elend, das man bei der kurzen Durchfahrt durch Fost sieht, spricht sich halt rum.....

  2. 2.

    Wir haben noch genug Wohnungen frei. Ich bin gestern durch Forst/ Lausitz gewandert und habe viele freie Wohnungen in sanierten Häusern gesehen.

  3. 1.

    Wenn sich die anderen europäischen Staaten nicht zur Aufnahme von Flüchtlingen bereiterklären, muss ein sofortiger Aufnahmestopp her. Deutschland kann nicht alles alleine schultern. Entweder alle europäischen Staaten gleichmäßig oder keiner.

    Vielleicht sollten erstmal die aktuellen Probleme der deutschen Bevölkerung gelöst werden

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