Medizinische Versorgung - Hausärztemangel im Spreewald spitzt sich weiter zu

Do 17.03.22 | 16:49 Uhr
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Ein Arzt untersucht in einer Arztpraxis eine Patientin. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2022 | Daniel Friedrich | Bild: dpa/Christin Klose

Der Hausärztemangel im Spreewald bleibt ein Problem. Nach mehreren Gesprächsrunden mit Politikern und Ärztevertretern hat sich die Situation nicht verbessert. Im Gegenteil: In diesem Jahr hören weitere Ärzte auf. Von Daniel Friedrich

Der Spreewald gilt schon jetzt als von Hausärzten "drohend unterversorgt", doch konkrete Besserung ist nicht in Sicht. Das hat eine Nachfrage von rbb|24 in Lübben, Luckau und Lübbenau sowie bei der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) ergeben. "Wir führen zwar Gespräche, aber können noch keine konkreten Ergebnisse präsentieren", sagte KVBB-Sprecher Christian Wehry.

Mehrere Hörer und Zuschauer hatten sich beim rbb gemeldet und darauf aufmerksam gemacht, dass sie derzeit keinen Hausarzt finden. In den vergangenen Monaten haben eine Praxis in Luckau und drei in und um Lübben geschlossen. Nachfolger gibt es nicht. Nach Angaben der KVBB ist ein Hausarzt für mindestens 1600 Patienten zuständig.

Patienten wissen nicht, wohin

Zwar sollen Patienten dringende Medikamente von jedem Allgemeinmediziner verschrieben bekommen, auch wenn es nicht ihr Hausarzt sei. "Doch da müssen wir rechtlich aufpassen", sagt etwa der Luckauer Allgemeinmediziner Silvio Kaiser. Grundsätzlich müsse ein Arzt einen Patienten stets untersuchen, bevor Medikamente verschrieben werden.

Einige Patienten weichen für eine ärztliche Sprechstunde offenbar auf die Bereitschaftspraxis im Lübbener Krankenhaus aus. Das bestätigen Recherchen von rbb|24. Konkrete Zahlen liegen noch nicht vor. Laut KVBB sei die Praxis aber nicht für die reguläre Versorgung gedacht, sondern nur eine Ergänzung. Sie öffne zu Zeiten, wenn Hausarztpraxen normalerweise geschlossen haben.

Kurzfristige Lösung nicht in Sicht

Lübben will jetzt ein Medizinisches Versorgungszentrum gründen. Es soll Ärzten Verwaltungsarbeit abnehmen und eine Praxiseröffnung somit attraktiver machen. Die Stadtverordneten wollen dazu in der kommenden Woche einen Grundsatzbeschluss fassen. Ähnliches war auch in Golßen (Dahme-Spreewald) geplant. Die Pläne ruhen aber aus personellen Gründen gerade.

Auch in der Nachbarstadt Dahme/Mark (Teltow-Fläming) war die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums im Gespräch. Allerdings gab es dafür keine politische Mehrheit. Im Juli dieses Jahres geht nun einer von zwei Hausärzten in den Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht. In Dahme müssen auch zwei Altenpflegeheime ärztlich versorgt werden.

Unterdessen stehen die nächsten Hausarzt-Praxen vor dem Aus: Ein Luckauer Allgemeinmediziner will die Stadt dieses Jahr verlassen. Eine Ärztin in Lübben sowie ein Ärzteehepaar aus Lübbenau gehen in den Ruhestand. 6000 zusätzliche Patienten im Spreewald stehen damit bald ohne Hausarzt da.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2022, 15.12 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Als Betroffener Rentner in Luckau kann ich nur sagen, mit Ausnahme der Stadtverwaltung scheint dies keine Offiziellen gross zu interessieren. Die KV hat meine Beschwerde der Nicht Versorgung abtropfen lassen. Ich brauche regelmäßig Medikamente, die mir hier niemand verschreibt. Niemand nimmt neue Patienten auf. Die Ärzte sind selbst steinalt, bei einem Vertretung Arzt hatte ich Angst, dass ich erste Hilfe leisten muss. Rentner bleibt Weg, hier ist es lebensgefährlich!

  2. 11.

    Der Arztberuf wurde, wie andere auch, nicht nur durch Bürokratie unattraktiv gemacht. Es ist der schlechte Sachbearbeiterstundenlohn... gepaart mit unzureichender kaufmännischen Kompetenz, denn ein Arzt will lieber heilen statt schreiben oder rechnen...
    Wenn es da keine Entlastungen gibt, Med. Zentren mit Strukturen, die allen nützen, dann ist die Not noch nicht groß geneug?

  3. 9.

    Ich habe einige Jahre im Spreewald ärztlich gearbeitet. In der Klinik. Kein Allgemeinmediziner, aber In einem "Mangelfach".
    Ich habe mich immer gewundert, warum von keiner Seite etwas dafür getan wurde, jungen Kollegen eine Niederlassung dort schmackhaft zu machen. Es waren sehr, sehr viele junge Ärzte aus Berlin jeden Tag dort unten um in den Kliniken zu arbeiten und eine Facharztausbildung zu machen- das wird auch weiterhin so sein. Von denen ist keiner geblieben. Ich habe aber auch nie gehört, dass man sie bspw. seitens des Landkreises zum Bleiben motiviert hätte.

  4. 8.

    " Kein Arzt kann sich irgendwo niederlassen " als Kassenarzt nicht, privatärztlich schon.
    die Ära der Landärzte ist Geschichte aus vielerlei Gründen.
    " Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums im Gespräch. Allerdings gab es dafür keine politische Mehrheit. "
    dann eben nicht ; die Investitionen in eine Praxis sind sehr hoch ,je nach Fachgebiet auch noch höher. Das wird sich kein Arzt antun, hinzu kommt noch die frage, ob es überhaupt MF( med Fachangestellte ) gäbe in der Region . Also, wenn MVZ, dann Finanzierung des Personals und des Instrumentariums der Praxen durch das Land , aber : " dafür keine politische Mehrheit " . alles klar ?

  5. 6.

    Laut rbb ist in Lübbenau ein größeres Kontingent Flüchtlinge angekommen. Wie ist die ärztliche Versorgung dieses Personenkreises ohne Beeinträchtigung der Einheimi2

  6. 5.

    Das lohnt sich auf dem Dorf nicht. Leider wird oft vergessen, dass Ärzte auch Unternehmer sind.

    Außerdem vergibt die KV die Kassensitze. Kein Arzt kann sich irgendwo niederlassen.

    Gerade die weiten Fahrtwege auf dem Land sind total unterfinanziert

  7. 4.

    Frau Nonnemacher -übernehmen Sie! Das ist doch Ihre Zuständigkeit, oder?

  8. 3.

    Für Bafög, Stipendium, Teil des NC ist Voraussetzung eine x Jahrespflicht in unterversorgte Gebiete zu gehen. Sollte also Teil der Studienzulassung sein, die ja auf Kosten der Allgemeinheit geht. Wenn Impfpflicht geht, dann sollte auch das gehen.

  9. 2.

    Selbst wenn ein MVZ gegründet würde, sind immer noch keine Ärzte drin. Und die nicht praktizierenden Beschäftigten im MVZ wollen auch bezahlt werden. Wovon?

  10. 1.

    Man hätte die Polikliniken mit angestellten Ärzten beibehalten sollen.

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