Übergangsangebot für Geflüchtete - Ukrainische Kinder starten ersten Unterricht in Cottbus

Mo 11.04.22 | 13:24 Uhr
Kinder aus der Ukraine sitzen am ersten Schultag im Piccolo Cottbus an ihren Tischen (Foto: rbb/Schomber)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.04.2022 | Jasmin Schomber | Bild: rbb/Schomber

Rund 300 Schulkinder aus der Ukraine sind inzwischen in Cottbus angekommen, für viele von ihnen kehrt nun ein kleines Stück Normalität zurück: Während in Brandenburg die Ferien starten, beginnt für sie der Unterricht. Von Jasmin Schomber

Die kleine Diana strahlt. Mit ihrer Zuckertüte in der Hand kuschelt sie sich an Mama Tatiana, die genauso überglücklich ist. Seit einem Monat sind sie in Cottbus, nachdem sie aus der Region Kiew in der Ukraine geflüchtet sind. Dass sie am Montagmorgen in einer Art Klassenraum im Piccolo Theater Cottbus sein dürfen, ist für sie das Größte.

"Sie vermisst die Schule, weil sie sie seit langem nicht besucht hat", übersetzt Lehrerin Marina, was das Mädchen sagt. "Sie vermisst die Gesellschaft. Und ihre Mutter ist sehr, sehr glücklich, weil sie sieht, wie ihr Kind auch glücklich ist."

Die Zehnjährige ist eine von 19 Mädchen und Jungs aus der Ukraine, die am Montag in Cottbus mit erstem Unterricht begonnen haben. Auf diese Gruppe sollen in den nächsten Tagen fünf weitere in anderen Einrichtungen der Stadt folgen, wie zum Beispiel dem Jugendkulturzentrum Gladhouse. Es ist ein Übergangsangebot, bevor sie an reguläre Schulen können. Rund 300 schulpflichtige Kinder und Jugendliche aus der Ukraine leben aktuell in Cottbus.

"Heute versuchen wir, alles super zu machen"

Auf dem Stundenplan im Piccolo-Theater stehen unter anderem ein bisschen Mathe und Deutsch. Zehn ukrainische Lehrerinnen mit guten Deutschkenntnissen und einer entsprechenden Zertifizierung stehen für den Unterricht zunächst zur Verfügung. Lehrerin Marina gehört zur Startmannschaft. "Ich habe die ganze Nacht überhaupt nicht geschlafen", sagt sie. Zu viel sei ihr noch durch den Kopf gegangen. "Was machen wir, welchen Plan?" Am Wochenende habe sie mit ihrer Kollegin einen Plan erstellt, trotzdem sei sie nervös. "Heute versuchen wir alles super zu machen."

Erfahrungen im Unterrichten hat sie schon. In einer Sprachschule in Charkiw hatte sie Deutschkurse gegeben, allerdings für Erwachsene. "Deshalb ist es für mich ein bisschen ungewöhnlich, [für Kinder, d. Red.] Deutsch zu unterrichten."

Noch freie Plätze in den Grundschulen

Als am Montag um neun Uhr die erste Stunde für die Mädchen und Jungs im Cottbuser Piccolo-Theater begonnen hat, war auch Stefanie Kaygusuz-Schurmann vom Fachbereich Bildung und Integration der Stadt dabei. "Das hat mich unglaublich berührt, wie glücklich die Kinder waren, wie sie ihre Zuckertüte in die Hand genommen haben und auch, wie glücklich die Mütter waren, wieder ein bisschen Normalität für ihre Kinder herzustellen."

Das Angebot können die ukrainischen Kinder und Jugendlichen nutzen, bis sie an einer der Schulen in Cottbus aufgenommen werden. "Wir haben vor, dass jedes Kind, dass sich beschulen lassen möchte, das auch in Anspruch nehmen kann", sagt Kaygusuz-Schurmann. Dabei können ukrainische Mütter selbst entscheiden, an welche Schule sie ihr Kind schicken wollen. Sie müssen sich dazu direkt an die Einrichtung wenden, so die Fachbereichsleiterin. Sollte dort kein Platz sein, werde das Kind an eine andere Schule verwiesen.

In den weiterführenden Schulen gebe es "eigentlich " keine Kapazitäten mehr, so Kaygusuz-Schurmann, in einigen Grundschulklassen dagegen schon. Es könne aber passieren, dass "eine Mutter mit einem Drittklässler und einem Fünftklässler nicht beide Kinder in einer Schule unterbringen kann." Vorrausetzung für den Schulunterricht ist eine nachgewiesene Masern-Impfung und eine Erstuntersuchung im Carl-Thiem-Klinikum Cottbus.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.04.2022, 14:10 Uhr

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