Katholische Gemeinde Lübbenau - Warum die Kirchenbänke zu Ostern dieses Jahr leerer bleiben könnten

Mi 13.04.22 | 18:31 Uhr | Von Daniel Friedrich
Im Berliner Dom wird der Festgottesdienst am Ostersonntag gefeiert. (Quelle: imago images/Friedrich Bungert)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.04.2022 | Daniel Friedrich | Bild: imago-images/Friedrich Bungert

Es ist das erste Osterfest seit drei Jahren, an dem wieder so etwas wie Normalität zurückkehrt. Auch in den Kirchen kann wieder ohne Einschränkungen Ostern gefeiert werden. Doch finden alle den Weg zurück? Von Daniel Friedrich

Im katholischen Gemeindehaus von Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) laufen die letzten Absprachen vor Ostern. Wer liest etwas vor? Wann ist der Chor dran? Und wer ist überhaupt dabei? Es sind keine einfachen Zeiten, sagt Andreas Brendel vom Pfarreirat. "Wenn man so in den vergangenen Sonntagen in den Bänken gesessen hat, war jede zweite Bank leer." Es gebe einige, die man zwei Jahre lang nicht gesehen hat. "Ob die tatsächlich wieder den Weg zu uns zurückfinden?", fragt Brendel.

Mit ruhigem Gewissen feiern?

Durch die Pandemie war das Gemeindeleben der gut 1.200 Katholiken zwischen Lübbenau, Calau und Vetschau einschränkt. Hinzu kamen die Schlagzeilen über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Das wirkt laut Pfarrer Marko Dutzschke noch immer nach. "Wir haben in der Gemeinde Runden, wo das Thema aufkommt, man darüber spricht und merkt, dass die Leute das schon wahrnehmen und auch bedrückt sind."

Hinzu komme aktuell der Krieg in der Ukraine, der die Stimmung trübe, so Andreas Brendel vom Pfarreirat. "Manchmal fragt man sich tatsächlich: Kann man da noch mit ruhigem Gewissen hier irgendwas feiern?"

Bahnhofsmission, Rentnercafé und Flüchtlingshilfe

Aber sie wollen feiern. Denn die Kirche stehe für Hoffnung - und auch für Flüchtlingshilfe, Bahnhofsmission und Rentnercafé, so der Vorsitzende des Pfarreirates, Michael Langner. Nur werde darüber seiner Ansicht nach zu wenig gesprochen. "Es wäre schön, wenn man nicht immer nur negativ berichtet, sondern von den vielen positiven Sachen, die auch innerhalb der Kirche passieren." Man habe auch im Umgang mit möglichen Missbrauchsfällen viel gelernt, so Langner. Es gebe einen Präventionsbeauftragten, Schulungen und eine klare Meldekette, wenn etwas passiert.

Noch keine seriösen Zahlen zu Austritten

Ob und wie viele Menschen in den letzten Monaten dennoch der Kirche den Rücken gekehrt haben, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Die katholische Kirche ist gerade bei der Erfassung der offiziellen Zahlen von 2021, heißt es vom zuständigen Bistum Görlitz. Denn bis zum tatsächlichen Austritt ist ein gewisser Weg zu gehen. Er muss zunächst persönlich am Amtsgericht gemeldet werden, sagte ein Gerichtssprecher in Lübben dem rbb. Das Gericht gebe die Informationen an alle nötigen Stellen wie Kirche und Finanzamt weiter. Schließlich schreibe die Kirche noch einmal die Leute an und versuche, sie zu einem Gespräch einzuladen.

Auch Andreas Brendel vom Pfarreirat in Lübbenau fragt sich, ob die Kirchen der Region jetzt zu Ostern wieder so gut besucht sein werden, wie früher. ""Die Hoffnung ist natürlich da."

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.04.2022, 14:10 Uhr

Beitrag von Daniel Friedrich

Nächster Artikel