Überfüllte Schule in Ruhland - Wenn der Unterricht auf dem Flur und auf dem Dachboden abgehalten werden muss

Fr 13.05.22 | 17:00 Uhr | Von Aline Lepsch
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Wegen Platzmangels müssen Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in Ruhland auf dem Flur lernen.
rbb/Lepsch
Audio: Inforadio | 13.05.2022 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Lepsch

Die Geschwister-Scholl-Schule in Ruhland platzt aus allen Nähten. Der Schulträger hat lange nichts gegen den Platzmangel unternommen. Nun müssen im kommenden Schuljahr möglicherweise Schüler abgewiesen werden. Von Aline Lepsch

An der Geschwister-Scholl-Schule in Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) herrscht seit Längerem Ausnahmezustand. Der Platz reicht für die Menge der Schüler nicht aus.

So ist die Biologiestunde für Victoria Hartz und ihre Mitschüler besonders anstrengend. Sie wird auf dem Dachboden abgehalten, zwischen Holzbalken und auf engem Raum. Victoria muss den Kopf schief halten, um an einem der Balken vorbei an die Tafel gucken zu können. "Das ist halt sehr schwer, wenn man immer links und recht gucken muss. Und irgendwann ist das auch anstrengend und tut auch weh", sagt die Schülerin.

Auch die Lehrer müssen unter erschwerten Bedingungen arbeiten. Schulleiterin Nora Otto beklagt die aktuelle Situation: "Wir sind in einem Raum, der viel zu eng ist für eine Klasse, mit Dachschrägen und Balken im Sichtbereich." Außerdem staut sich die Hitze im Raum, die Rollos versagen ihren Dienst und lassen sich nicht herunter fahren.

Im Keller der Geschwister-Scholl-Schule sind die Stühle hochgestellt worden. Er ist feucht.
Für den WAT-Unterricht ist der Keller gesperrt. | Bild: rbb/Lepsch

Probleme an mehreren Stellen

Die Geschwister-Scholl-Schule ist eine Oberschule und beherbergt demnach Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. Im Grundschulgebäude sollen Kinder von der Einschulung bis zur dritten Klasse lernen.

Aber der Platz wurde zu eng. Nun müssen Schüler und Lehrer mehrmals am Tag pendeln. "Die Grundschule ist auf drei Standorte verteilt", schildert Schulleiterin Otto die Situation.

Die sonderpädagogische Förderung erhalten die Kinder auf dem Flur, da es keine freien Klassenräume gibt. Der WAT-Unterricht (Wirtschaft-Arbeit-Technik) soll im Keller abgehalten werden. Aber der ist gesperrt, da es keinen zweiten Fluchtweg gibt. Die Kellerwände sind feucht.

Seit zehn Jahre spreche man die Mängel gegenüber dem Schulträger immer wieder an, doch bisher ist nichts passiert. Nora Otto weiß sich nicht mehr zu helfen. "Es gibt keinen Platz mehr, nicht mal für Ablagemöglichkeiten", beklagt sie.

Neuer Schulkomplex geplant

Die Lösung aller Probleme soll jetzt nur drei Straßen weiter entstehen - in Form eines neuen Schulkomplexes, der 27 Millionen Euro kosten soll. Den Anfang macht ein Erweiterungsbau für die Oberschule, wie Amtsdirektor Christian Konzack sagt. Die Kosten dafür belaufen sich ihm zufolge auf circa 1,5 Millionen Euro. Die Fertigstellung für diesen ersten Teil des neuen Komplexes ist für das Frühjahr 2024 geplant.

Der gesamte Neubau soll in acht Jahren zur Nutzung bereit stehen. Eltern fragen sich, was in der Zwischenzeit passieren soll. So auch Anne Bachmann, deren zwei Kinder auf die Oberschule gehen.

Sie und andere Eltern hätten eine Container-Lösung, die im Gespräch war, begrüßt. "Direkt gegenüber der Schule, was uns sehr geholfen hätte, die aktuellen Raumprobleme zu lösen", sagt Bachmann, die Vorsitzende der Schulkonferenz ist. Geld für Container werde es aber nicht geben, wenn parallel am Neubau gearbeitet wird, so hatte es der Amtsausschuss beschlossen.

Auf den müsse man nun eben warten, sagt der Amtsdirektor. "Wie es in Deutschland nun mal so ist mit Fördermittelbeantragung, Planung und der Baugenehmigung, dauert das alles seine Zeit." Dass das Problem zu lange verschleppt wurde, räumt er selbst ein. Er hoffe deshalb, dass gemeinsam mit der Schulleitung und dem Staatlichen Schulamt Alternativen für die Zeit bis Fertigstellung des Schulneubaus gefunden würden.

Sendung: Inforadio, 13.05.2022, 13:30 Uhr

Beitrag von Aline Lepsch

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ganz Interessant im Vergleich dazu die Regelung zum Telearbeitsplatz bei einer großen Bundesbehörde. Bei Telearbeitsplatz kommt der Betriebsschützer und wehe der Schreibtisch ist zu niedrig oder steht in einem falschen Winkel zum Fenster, dann wird der Antrag abgelehnt. Aber das der Arbeitsschutz bei Kindern nicht greift zeigt wie wichtig Kinder einen Stellenwert in der Politik haben.

  2. 4.

    Was für ein erbärmliches Bild. Unser wohlhabendes Land hat kein Geld in die Kinder, unsere Zukunft zu investieren, dabei ist Ruhland kein Einzelfall. Wir haben Geld für jeden Flüchtling, Geld für jeden Staat in Afrika, Unsummen für Waffenlieferungen und für die eigene Armee. Geht es um Schulen, Kitas, Krankenhäuser oder Gehälter für Pflegepersonal und Pflegebedürftige hapert es am Geld. Es ist auch weit und breit keine einzige Partei in Sicht die das ändern könnte, da meist nur versprochen wird.

  3. 3.

    Wie in Demerthin, Landkreis Prignitz. Warum muss es immer erst soweit kommen? Die Kinder sind unsere Zukunft, warum spart man daran. Gern könnte man auch über diesen Schulstandort berichte. Schimmel im Keller, müffelige Räume, zu wenige Räume, keine Räume zum Fördern, gesperrter WAT-Raum, ausgelagerte Räume, alte und kleine Stühle, zu wenige Toiletten, kein warmes Wasser, von Digitalisierung keine Spur,... wie es sich doch gleicht.
    LG

  4. 2.

    Alle Schulen in Berlin platzen auch aus allen Nähten.
    Das interessiert den Senat aber nicht sonderlich scheint mir.
    Kinder haben eben keine Lobby.

  5. 1.

    Dem Träger dieser Schule, dem Amt Ruhland, nun allein den schwarzen Peter zuzuschieben, ist einfach. Ich kann mir gut vorstellen, dass Anträge und Genehmigungen für Kosten zur Erweiterung in den übergeordnete Stellen im Bundesland und Bund nicht zeitnah bearbeitet und bewilligt werden. Eine zeitnahe Bearbeitung ist bei der Bürokratie in Deutschland fast unmöglich. Vielleicht sollte endlich mal endlich eine nachhaltige Verwaltungsreform durchgeführt werden. Die wurde von der Regierung schon lange angekündigt, jedoch bis heute nicht in die Tat umgesetzt. Die Schule in Ruhland ist nur EIN trauriges Beispiel für eine marode Verwaltung auf allen Ebenen in Deutschland.

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