Hohlräume unter Pendlerstrecke B169 - Anwohner sauer über gesperrte Abkürzung während Bundesstraßen-Sanierung

Fr 03.06.22 | 15:56 Uhr
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Ein Anwohner aus Sedlitz zeigt seine Sondergenehmigung fürs Befahren der ursprünglich vorhandenen zwei Abkürzungen (Foto: rbb/Manske)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.06.2022 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Manske

Seit einem Jahr ist die Pendlerhauptstrecke B169 zwischen Sedlitz und Senftenberg gesperrt. Nach langem Warten gab es für Anwohner eine Sondergenehmigung für einen Schleichweg. Ersparnis: 20 Kilometer. Doch der ist nun in eine Richtung verschwunden. Von Sebastian Schiller

Bei Rot soll man stehen bleiben, so lernen es schon kleine Kinder. Die beiden roten Durchfahrt-Verboten-Schilder in Sedlitz (Oberspreewald-Lausitz) vor der schmalen Abkürzungsstraße werden von den Autofahrern aber konsequent ignoriert. "Es ist eigentlich verboten, wie ich gerade sehe, wie ich hier reinfahre", sagt ein Anwohner dem rbb-Reporter - und fährt weiter.

Übelnehmen kann man es ihm kaum, denn schon bei wenig Verkehr brauchen Autofahrer über die offizielle Umleitungsstrecke zur gesperrten Pendlerstrecke B169 zwischen Sedlitz und Senftenberg fast eine halbe Stunde länger. Die Bundesstraße ist seit über einem Jahr gesperrt, muss saniert werden, nachdem Hohlräume infolge des Tagebaus entdeckt und verfüllt wurden.

Die Abkürzung von Senftenberg nach Sedlitz - Befahren nur in eine Richtung erlaubt (Foto: rbb/Manske)
Die Abkürzung von Senftenberg nach Sedlitz - Befahren nur in eine Richtung erlaubt | Bild: rbb/Manske

120 Kilometer für das Kita-Kind fahren

Seit Montag ist die für Anwohner geschaffene Abkürzung von Sedlitz nach Senftenberg für die Bauarbeiten an der B169 geschlossen. Es gibt zwar eine zweite Strecke, doch die ist eine Einbahnstraße für Verkehr aus der entgegengesetzten Richtung. Nun müssen die Sedlitzer 20 Kilometer mehr einplanen.

"Das Schlimme daran ist, dass der Schulbus über Großräschen fährt", so ein anderer Sedlitzer. "Die Schulkinder müssen eine Stunde eher aufstehen." Er habe selbst ein Kind in einer Kita in Senftenberg und sei für das Bringen und Abholen 120 Kilometer gefahren.

Eine Mitarbeiterin der Caritas an ihrem Fahrzeug (Foto: rbb/Manske)
Die Caritas muss dreimal täglich die offizielle Umleitung von Senftenberg nach Sedlitz fahren, um einen einzelnen Patienten zu versorgen. | Bild: rbb/Manske

Verkehr in zwei Richtungen rechtlich nicht möglich

Eine Lösungsmöglichkeit wäre, die verbliebene provisorische Umleitung in beide Richtungen freizugeben. Doch das "würde gegen Regeln und Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) verstoßen", teilte die Stadt Senftenberg auf rbb-Anfrage mit, der die Straße gehört. Grund ist die vorgeschriebene Straßenbreite. Sie liegt aktuell bei 3,5 Meter. Für eine zweispurige Freigabe müsste es mindestens ein Meter mehr sein. Sollten Autos auch Fahrradfahrer überholen dürfen, sind fünf Meter nötig. "Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer wäre mit einer zweistreifigen Befahrung auf der Umleitungsstrecke nicht mehr gegeben."

Zwei weitere Möglichkeiten - die nicht funktionieren

Die Straße auszubauen ist keine Alternative, heißt es aus dem Rathaus. Das würde durh Ausschreibungs- und Vergabeverfahren zu lange dauern. Außerdem würde die Straße wahrscheinlich erst fertig werden, wenn die Bundesstraße 169 sowieso wieder offen ist, heißt es von der Stadt.

Sie erklärte auch, dass die Umfahrung bei Baubeginn für wahrscheinlich zwei Wochen voll gesperrt werden müsste, auch für Rettungsdienste und Feuerwehr. Dass sie aber weiter die Umfahrung nutzen können habe "aus Sicht der Stadt jedoch oberste Priorität".

Bliebe die Lösungsidee drei: Die Stadt Senftenberg selbst habe gefordert, dass die gesperrte B169 halbseitig freigegeben und der Verkehr mit einer Ampel geregelt wird. Das sei aber "aus bautechnischen Gründen vom Landesbetrieb Straßenwesen abgelehnt" worden, heißt es weiter in der Mitteilung.

Nach aktuellem Stand von Ende Mai soll die Erneuerung der Bundesstraße 169 zwischen Sedlitz und Senftenberg bis zum 8. September 2022 abgeschlossen sein, dann könne auch die Vollsperrung des Streckenabschnitts aufgehoben werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.08.2022, 15:12 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Vielleicht sackt ja bald alles ab. Dann können die Leute mit dem Boot fahren. Spart man sich die Reise auf die Kanaren. Zwischendurch mal einen kleinen Schluck schwefelhaltiges Wasser aufnehmen und man bekommt keine Osteoporose im Alter.

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