Trotz Wetterkapriolen - Spreewald-Bauern starten optimistisch in die Gurkenernte

Mi 15.06.22 | 17:28 Uhr
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Erntehelfer auf einem Gurkenflieger im Spreewald (Foto: rbb/Schilka)
Video: Abendschau | 15.06.2022 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Schilka

Sie fliegen - oder besser: gleiten wieder über die Felder: Im Spreewald pflücken Helfer derzeit die berühmten Spreewaldgurken. Die Bauern erwarten in diesem Jahr eine gute Ernte, trotz erschwerter Umstände. Von Isabelle Schilka

Die Gurkenernte im Spreewald ist am Mittwoch offiziell gestartet. Trotz Wetterkapriolen in den vergangenen Wochen blicke man jedoch optimistisch auf den Ertrag, hieß es zum Auftakt vonseiten der Gemüsebauern.

Das Gemüse sei trotz heftiger Windböen gut gewachsen. Die milden Temperaturen Anfang Mai würden ungünstige Wetterbedingungen ausgleichen, hieß es am Mittwoch von Gurkenbauer Gregor Knösels in Kasel-Golzig (Dahme-Spreewald). Die Wetterprognose deute nun bei anhaltend milden Temperaturen auf einen guten Ertrag hin.

Steigende Kosten in allen Bereichen

Doch dafür würden ihm in diesem Jahr andere Dinge Sorge bereiten, sagte Knösels. "Das Umfeld drumherum ist eigentlich wie bei allen Gemüsebauern ein sehr, sehr schwieriges", sagte er mit Blick auf erhöhte Preise "in allen Bereichen".

Für das laufende Jahr wurden die Preisabsprachen bei Knösels für den Verkauf bereits im Frühjahr getroffen. Die erhöhten Dieselpreise konnten sie also nicht mehr einbringen. Mehr Kosten gebe es aber auch zum Beispiel bei der Bewässerung und beim Personal. Die zwölf Euro Mindestlohn ab Oktober seien eine "extreme Steigerung", so der Landwirt. Das schlage sich laut Knösels gerade bei der Gurkenernte nieder, "wo man mit Lohnkosten von bis zu 60 Prozent rechnet".

Gleichzeitig müsse man sich Importen aus anderen Ländern stellen, so Knösels. "Wenn wir das können und durch höhere Preise vom Handel wiederbekommen, machen wir das auch." Sollten die Landwirte aber nicht ihre Preise durchsetzen können, würden sie ausgetauscht werden, sagte Knösels. "Und dann werden wir wahrscheinlich aufgeben müssen."

Arbeitskräfte aus der Ukraine fehlen

Nach Angaben der Schutzgemeinschaft "Spreewälder Gurken" kommen zu den gestiegenen Kosten auch weitere Probleme für die Betriebe hinzu. So seien Düngemittel und Material für Bewässerungsanlagen kaum zu bekommen, heißt es. Außerdem sei es auch schwierig, die nötigen rund 3.000 Erntehelfer zu finden, so die Schutzgemeinschaft. Aufgrund des russischen Krieges fehlten Arbeitskräfte aus der Ukraine. Sie werden in den Anbau- und Verarbeitungsbetrieben gebraucht.

Im Spreewald stehen auf etwa 500 Hektar Gurken, davon auf 75 Hektar Biofläche. Insgesamt acht Betriebe bauen Gurken an, die frisch vom Feld in acht Konservenbetrieben nach traditionellen Spreewald-Rezepturen veredelt werden. Die Spreewälder Gurken sind neben dem Spreewälder Meerrettich und dem Beelitzer Spargel eines von drei Produkten mit geschützter Herkunftsangabe aus Brandenburg. Seit 1999 sind die "Spreewälder Gurken" von der EU-Kommission anerkannt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2022, 14:40 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Gott sei dank, das Leben hat wieder einen Sinn.
    Dank den engagierten Gurkenpflanzern!

  2. 6.

    Es gibt für die Landwirtschaft keine Ausnahmen mehr vom Mindestlohn, auch nicht für Saisonkräfte. Es ist auch egal, woher die AN kommen.
    Allerdings wird sich die Erhöhung des Mindestlohnes ab Oktober in diesem Jahr sicherlich nicht auf die Erntekosten der Gurken auswirken, da die Ernte bis dahin längst beendet ist. Im nächsten Jahr werden die Preise dann sowieso neu verhandelt.

  3. 5.

    Aber das ausländische Erntehelfer Kindergeld nach deutschem Recht beziehen, verschweigen Sie bewusst. Das Kindergeld wird auch gezahlt, wenn sie nicht in Deutschland arbeiten.

    Wer kann übrigens prüfen, wieviele Kinder diese Personen wirklich haben.

    Diese bösen Unternehmer sind aber auch gierig.. ohje...

  4. 4.

    Erntehelfer erhalten den branchenüblichen Mindestlohn plus einer freiwilligen Leistungsprämie. Bitte verbreiten Sie keinen Unsinn und reden Sie nicht von Menschenhandel und Ausbeutung.

    Fakt ist, dass deutsche Arbeitslose zu faul für das ernten von Gurken sind.

    Sie verbreiten linkspopulistische Parolen, die gefährliches Halbwissen enthalten

  5. 3.

    Wenn Sie Ahnung hätten, wüssten Sie, dass der Erntehelfer Saisonarbeiter ist und die Landwirtschaftslobby Sonderregelungen eingeführt hat, ein sozialpolitisches Desaster. Einfach mal informieren.
    Sie wollen doch die Ausbeutung des Menschen durch andere Menschen nicht damit begründen, dass die Gurke sonst zu teuer wäre und niemand sie kauft? Stimmt nicht, die Gurke bleibt teuer, nur die Gewinnspanne einiger vergrößert sich. Natürlich zulasten jener, denen Lohn und Arbeitsrecht, Sozialversicherung und Rentenanspruch, vorenthalten wird. Das nennt man Ausbeutung.

  6. 2.

    Wenn Sie Ahnung hatten, wüssten Sie, dass Erntehelfer den branchenüblichen Mindestlohn bekommen. Fakt ist, dass die deutschen Bürger zu faul sind diesen Job zu machen?

    Gewinne stehen immer den Aktionären zu, denn sonst investiert niemand.

    Sie vergessen, dass faire Löhne immer auch zukunftssicher sein müssen. Leider ist es so, dass immer mehr Unternehmen den Anschluss an den Weltmarkt verlieren .

    Immer höhere Löhne nutzen nichts, wenn sich die Produkte auf dem Weltmarkt nicht verkaufen lassen.

  7. 1.

    Da sind sie wieder, die Billiglöhner, die bei uns die Drecksarbeit machen müssen, weil niemand faire Löhne zahlen möchte und trotzdem verteuern sich die Lebensmittel, wer verdient auf Kosten dieser Arbeiter als Aktionär mit, bekommt das, was eigentlich diesen Arbeitern zusteht? Wir haben ein riesiges Verteilungsproblem. Das Jammern über den Mindestlohn ab Oktober gilt ja nicht für Helfer aus Osteuropa und wenn der schon eine „extreme Steigerung“ darstellt, was hat man den Festangestellten bisher bezahlt?

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