Schuelerinnen einer 10. Klasse beim Unterricht, durch Corona bedingt mit Maske (Quelle: dpa/Stephan Goerlich)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.11.2020 | Holger Kessler | Bild: dpa/Stephan Goerlich

Corona-Hotspot in Brandenburg - Oberspreewald-Lausitz als erster Landkreis bei 7-Tage-Inzidenz über 300

Nirgendwo in der Region ist der Inzidenzwert aktuell so hoch wie in Oberspreewald-Lausitz. Landrat Siegurd Heinze kündigt daher strengere Corona-Regeln an. Auch andere Kreise in Südbrandenburg kämpfen mit hohen Fallzahlen und suchen nach Erklärungen. Von Martin Schneider

Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Südbrandenburg will schärfere Corona-Beschränkungen erlassen. Das hat Landrat Siegurd Heinze (parteilos) am Donnerstagabend im Kreistag angekündigt.

Hintergrund seien die nach wie vor hohen Infektionszahlen im Kreis. Nirgendwo sonst in Brandenburg ist der Inzidenzwert am Freitag so hoch, wie in Oberspreewald-Lausitz. Nach Angaben des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) liegt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner gerechnet bei rund 335,60 [kkm.brandenburg.de]. Damit liegt überhaupt zum ersten Mal ein Brandenburger Landkreis bei der 7-Tage-Inzidenz über einem Wert von 300.

Screenshot Inzidenzzahlen Brandenburg 27.11.2020 (Screenshot: kkm.brandenburg.de)
Screenshot am 27.11.2020: kkm.brandenburg.de | Bild: kkm.brandenburg.de

Suche nach der Ursache für Südbrandenburg-Zahlen

Es ist auffallend, dass im Süden des Landes die Corona-Zahlen besonders hoch sind. Bei der Frage nach der Ursache, haben die Landkreise unterschiedliche Vermutungen. Eine allgemeine und einheitliche Erklärung gebe es aber nicht. Eine Sprecherin des Kreises Oberspreewald-Lausitz betonte am Freitag gegenüber rbb|24, man wolle nicht spekulieren. Man könne die Situation nicht an einem einzelnen Grund festmachen.

Der Landkreis Spree-Neiße, der am Freitag einen Inzidenzwert von rund 210 hatte, sieht einen Grund für die aktuell hohe Zahl im vergleichsweise milden Verlauf der ersten Welle im Frühjahr. Damals waren die Infektionszahlen in Südbrandenburg besonders niedrig. "Die Bürgerinnen und Bürger haben sich in der langen Zeit wenig betroffenen Region in vermeintlicher Sicherheit gewiegt", erklärt eine Kreis-Sprecherin auf rbb|24-Anfrage. "Mit den ansteigenden Infektionszahlen im Herbst wurde leider nicht der persönliche Schutz in dem Maße verstärkt, den es gebraucht hätte, um der Entwicklung entgegenzusteuern." Damit spricht der Kreis die sogenannten "AHA+L-Regeln" an, Abstand halten, Hygienemaßnahmen einhalten, Alltagsmaske tragen sowie Lüften.

Der Kreis stelle "regelmäßig Verstöße" gegen das Abstandsgebot und gegen die Tragepflicht der Masken fest. Ob es einen möglichen Zusammenhang zu den ebenfalls hohen Zahlen in den benachbarten sächsischen Kreisen Görlitz und Bautzen [coronavirus.sachsen.de] gibt, könne der Kreis nicht sagen. "Für eine übermäßige Eintragung aus dem Bundesland Sachsen gibt es keine Datenlage."

Der Elbe-Elster-Kreis hat mit einer Inzidenz von 142 in Südbrandenburg nach Dahme-Spreewald den niedrigsten Wert, landesweit gesehen aber einen vergleichsweise hohen. Eine genaue Ursache dafür könne der Kreis nicht ausmachen, sagt Marten Frontzek, der persönliche Referent des Landrates, rbb|24. "Es ist aktuell ein diffuses Infektionsgeschehen." Der Kreis habe die Vermutung, dass die Infektionszahl durch Pendler nach Sachsen und Berlin hochgehalten werde. Frontzek betont aber, dass es dazu keine statistischen Erhebungen gebe.

Oberspreewald-Lausitz will Situation in Schulen überprüfen

"Wir sind ja nun leider mehr oder weniger Hotspot", hatte Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze bereits am Donnerstagabend gesagt, als der Inzidenzwert noch niedriger als am Freitag war. Wie die verschärften Corona-Regeln für seinen Kreis konkret aussehen werden, steht noch nicht fest. Laut Landrat wird "eine verschärfte Maskenpflicht wahrscheinlich ins Gespräch gebracht werden müssen." Außerdem solle die Situation in den Schulen überprüft werden, ob "das, was da ist, ausreichend ist." Wahrscheinlich sei das nicht so.

Neue Regeln könnte es nach Angaben von Heinze auch im Bereich "des täglichen Lebens" geben, also zum Beispiel für Wochenmärkte. Die Maßnahmen würden mit den Städten und Gemeinden abgestimmt werden.

Landrat will eigenes Impfzentrum nach OSL holen

Darüber hinaus hat Heinze den Kreistag über den Plan informiert, ein Corona-Impfzentrum in den Kreis Oberspreewald-Lausitz holen zu wollen. Er habe das Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) bereits in der vergangenen Woche vorgeschlagen. Zwei Standorte will der Kreis ins Rennen schicken, den Lausitzring in Klettwitz und das Kulturhaus der BASF Schwarzheide. Aus Sicht des Landrates sei es nicht nachvollziehbar, dass Menschen zum Beispiel aus Ortrand für eine Impfung bis nach Cottbus fahren sollten. "Das geht eigentlich gar nicht, weil es logistisch nicht beherrschbar sein wird."

Die Möglichkeiten für ein eigenes Impfzentrum seien vorhanden. "Wir stehen bereit, wir würden auch unterstützen, im Rahmen des uns Möglichen, mit eigenem Personal aus dem Klinikum Niederlausitz." Man brauche aber auch die niedergelassenen Ärzte, die Kassenärztliche Vereinigung - "und am Ende das 'Go' vom Land Brandenburg. Und darauf warten wir."

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie will Brandenburg in den kommenden Wochen landesweit zwölf Impfzentren einrichten. Das hat das Gesundheitsministerium am Freitag mitgeteilt. Die ersten beiden Anlaufstellen sollen noch vor Weihnachten in Cottbus und Potsdam errichtet werden.

10 Kommentare

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  1. 10.

    Das Versagen von Behörden kann ich bestätigen. Ich würde Opfer eines vorsätzlichen Verstoßes. Der Täter würde bis heute nicht zu Verantwortung gezogen. Frau Nonnemacher lehnt ab.

  2. 9.

    Es wird kaum bis gar nicht getestet.
    Wenn man zum Hausarzt geht wird einem gesagt dass es sich nur um einen Virusinfekt handelt.
    So ist es mir persönlich ergangen und so soll es wie ich mitbekommen habe auch anderen bei anderen Hausärzten ergangen sein.
    Von Kontrollen vom Ordnungsamt zur Einhaltung der Maßnahmen habe ich auch noch nie etwas mitbekommen.
    Bei einem Friseur in der Stadt wird munter ohne Maske gearbeitet wie man durch das Fenster erkennen kann. Da tragen weder der Friseur noch die Kunden eine Maske. Ordnungsamt? Fehlanzeige.
    In Geschäften egal welcher Art läuft unter Garantie mindestens einer ohne Maske herum, meist Personen um die 30. Alles Menschen mit Attest? Viele lassen die Nase unbedeckt nur der Mund ist bedeckt. Keine Ahnung was das bringt auf jeden Fall keinen 100 %igen Schutz vor der Ansteckungsreduzierung anderer Personen.

  3. 8.

    Bezüglich Tests kann ich das bestätigen. Ich habe zwei Enkelkinder
    in Quarantäne, es werden keine Tests durchgeführt, die Eltern dürfen
    theoretisch arbeiten gehen. Auslöser in beiden Fällen Lehrer!
    Wenn Kinder Virusträger ohne Erkrankung sind, wo bleibt da die Verantwortung?
    Das Landratsamt versagt meiner Meinung komplett und gefährdet
    die Gesundheit der Einwohner des Kreises.
    Keine detalierten Fallzahlen bezüglich Städten und Gemeinden.
    Begründung u.A. "und nicht zuletzt auch seitens der Infizierten begrüßt",
    Aussage der Kreisverwaltung :-( .
    Wenn man vom "mündigen" Bürgern Verantwortung verlangt,
    muss ihnen auch Fakten in die Hand geben.

  4. 7.

    Nicht Kitas und Schulen sind Treiber der Infektionen. Denen ist es egal, ob die Eltern arbeiten gehen müssen. Es ist der unumstößliche Wille der Wirtschaft, dass weiter gearbeitet werden muss, komme was wolle. Einen zweiten lockdown will man nicht. Aber genau den erhält man durchs Weitermachen! Alle zur Schule, alle arbeiten, alle in Öffis, alle einkaufen.

    Alle krank.

    Alles zu.

    Und das wird deutschlandweit so kommen!

    So sicher wie das Amen in der vollen Kirche...

  5. 6.

    So lange so mancher Politiker ein schlechtes Beispiel abgibt, wird der Bürger viele Regeln nicht akzeptieren.

    Wenn ein AfD Landtagsabgeordneter unter Verweis auf sein Attest keine Maske trägt, erst recht nicht, wenn er bei "Demos" gegen die Coronaregeln als Ordner uinterwegs ist, andererseits aber so kerngesund ist, daß er Leistungsausdauersport betreiben kann, Wundert nichts mehr. Und als Berufsfeuerwehrmann und Rettungfssanitäter wäre er, könnte er tatsächlich aus medizinischen Gründen keine tragen, laut Cottbuser Feuerwehrchef nicht berufsfähig.

  6. 5.

    Vielleicht mögen Schulen und Kitas eine der Quellen für die hohen Infektionszahlen sein, aber die alleinige sicher nicht. Eher mangelnde Disziplin beim Einhalten der AHA Regeln, Uneinsichtigkeit vieler Zeitgenossen und fehlende Kontrollen. Angeblich kontrolliert ja die Stadt Cottbus, aber weder hier, noch in SPN, wo ich auch fast täglich beruflich unterwegs bin, habe ich jemals eine gesehen, dafür reichlich Kunden ohne Maske oder mit selbiger als Kinnwärmer.
    Und wenn ich z.B. in einer Tankstelle in Forst etwas sage, daß ich der einzige Kunde mit Maske und Abstand bin, kommt vom Personal, wenn es mal nicht mit anderen Kunden am Stehtisch ohne Maske lungert, zur Antwort "der hat bestimmt ein Attest". Das Personal ist allerdings für die Einhaltung der Regeln verantwortlich, da wirken vermutlich wirklich nur noch saftige Bußgelder.

  7. 4.

    Alles sehr merkwürdig, Gastronomie zu, Fitness zu, keine Kultur, keine öffentlichen Veranstaltungen, überall Maskenpflicht und Abstände, alles runtergefahren und die Zahlen steigen und steigen....... man sollte wieder in den Schulen und Kitas aufmerksamer sein!!!!

  8. 3.

    Wenn das so wäre müssten neben den Kindern zum Teil auch die Eltern zu Hause bleiben und das will niemand.
    Was folgt daraus? Einfach nicht testen. Keine Tests, kein Corona und die Eltern können arbeiten gehen.
    Das ist ein Dilemma.

  9. 2.

    Ich glaube nicht, dass ernsthaft nach einer Erklärung gesucht wird. Es ist wohl so, dass nach Ausreden gesucht wird, um nicht zugeben zu müssen, dass Schulen und Kitas die Treiber der Pandemie sind.

  10. 1.

    "Aus Sicht des Landrates sei es nicht nachvollziehbar, dass Menschen zum Beispiel aus Ortrand für eine Impfung bis nach Cottbus fahren sollten."
    Das wird nicht der letzte Einwand sein.
    Man stellt fest, dass hier wieder offensichtlich im Alleingang entschieden wurde. So wie mit dem Bürger als Individuum wird auch mit Amtsleitern verfahren. Man fragt sie nicht und hört sie nicht an.
    Es gab mal einen uralten Spruch "Einzelleitung setzt kollektive Beratung voraus." Unternehmen der Wirtschaft, die den Markt bestimmen, machen es immer noch so. Warum keine Regierungen oder öffentliche Verwaltungen? Sie denken, dass sie es nicht brauchen.

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