Christine Herntier und Kathrin Möbius bei der Pressekonferenz in Spremberg (Foto: rbb/Erler)
Bild: rbb/erler

Corona im Spree-Neiße-Kreis - Krankenhaus Spremberg kratzt an Belastungsgrenze

Das Personal am Krankenhaus in Spremberg (Spree-Neiße) arbeitet hart am Limit. Das hat Geschäftsführerin Kathrin Möbius am Freitag auf einer Pressekonferenz zusammen mit der Stadt deutlich gemacht.

Knapp ein Drittel der Belegschaft steht demnach im Moment nicht zur Verfügung, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Corona infiziert sind oder waren - oder in Quarantäne sind. Über die Feiertage musste externes Personal eingekauft werden.

Verlegung von Patienten brachte wenig

Dass vor Weihnachten Patienten in andere Bundesländer verlegt wurden, hat laut Möbius nur wenig geholfen. "Gerade über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel sind wir, was die Behandlungskapazitäten angeht, deutlich an unsere Grenzen gekommen."

Im Schnitt seien 19 Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt worden. Dazu seien rund neun Verdachtsfälle gekommen. Aktuell werden, Stand Freitagnachmittag, zwölf Covid-Patienten behandelt, einer von ihnen auf der Intensivstation. Vier der insgesamt sechs Intensivbetten sind im Moment frei.

Auch wenn die Patientenzahlen im Moment im Vergleich zu den Feiertagen etwas niedriger ist, sei das eher kleinere Krankenhaus an der Belastungsgrenze, erklärte Möbius rbb|24. Es gebe große Probleme, Dienste zu besetzen.

Alte Kühlhäuser am Friedhof reaktiviert

Rund 22.000 Einwohner hat Spremberg nach Angaben der Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos). "Fast fünf Prozent von ihnen waren inzwischen mit Corona infiziert", sagte sie rbb|24. Im Krankenhaus versorgt wurden im Jahr 2020 laut Geschäftsführerin Möbius insgesamt 135 Corona-Patienten. "Davon sind leider 31 mit oder an Covid-19 verstorben."

Die Sterbefälle sind inzwischen massiv angestiegen. "Die Zahlen sagen es sehr deutlich, dass die Lage sehr, sehr ernst ist", sagt Gerd Schmiedel, der Fachbereichsleiter Planen und Bauen, am Freitag. "Hatten wir in den Jahren 2018 und 2019 53 beziehungsweise 58 Fälle in den Monaten Dezember und Januar, waren es dann im Jahr 2020 bereits 76 Fälle und wir sind jetzt mit Stand 8. Januar schon bei 53."

Bis März gibt es in Spremberg kaum noch freie Beerdigungstermine. Die Stadt hat bereits die alten, jahrelang ungenutzten zehn Kühlzellen am Friedhof reaktiviert. "Wir sind im Januar jetzt schon fast an der Grenze des Machbaren", sagt Schmiedel. Nun werde zusätzlich auch am freien Mittwoch beerdigt.

Wenn sie die Zeitung aufschlage, sehe sie vier Seiten Todesanzeigen, sagte Bürgermeisterin Herntier am Freitag auf der Pressekonferenz. Deshalb seien die härteren Maßnahmen, die der Brandenburger Landtag am beschlossen hat, ihrer Ansicht nach genau richtig.

Strengere Corona-Regeln beschlossen

Der Landtag billigte am Freitag die schärferen Corona-Maßnahmen, die die Landesregierung umsetzen will. Privat darf man sich ab Samstag nur noch mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt treffen. In Gebieten mit sehr hohen Infektionszahlen wird der Bewegungsradius beschränkt.

Solche Landkreise und kreisfreien Städte dürfen für Ausflüge, Sport und Bewegung im Freien nur noch in einem Bereich von 15 Kilometern verlassen werden. Zum Einkaufen und Arztbesuch darf man aber auch weiter weg fahren. Neun von 14 Landkreisen in Brandenburg gelten im Moment als Corona-Hotspots.

Die AfD hatte die Sitzung beantragt. Sie fordert, alle Maßnahmen zu beenden.

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Die AfD geht mir mächtig auf den Keks!

  2. 2.

    Jeden Tag sterben allein in Deutschland hunderte Menschen an Infektionen mit dem Coronavirus, Krematorien müssen Leichen auslagern, Krankenhäuser arbeiten im Notfallbetrieb, das Gesundheitssystem ist kurz vor dem Kollaps.

    Pflegepersonal wurde vielerorts bereits zu kräftezehrenden Zwölf-Stunden- Schichten verpflichtet und muss teilweise trotz eigener Infektion weiterarbeiten, um die vielen schwerkranken Infizierten zu versorgen.
    Wir alle kennen die täglichen Horrormeldungen.

  3. 1.

    Gut, dass Brandenburg jetzt so viele Sonderwege geht und die bisherigen nächtlichen Ausgangsbeschränkung komplett aufgehoben werden. Wenn ein Landkreis alle Rekorde bricht muss das schließlich auch honoriert werden!

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