Wegen Corona - Cottbuser Tafel bedient immer mehr Studenten

Mitarbeiter der Tafel Cottbus (Foto: rbb/Mastow)
Bild: rbb/Mastow

Weil vielen Studenten die Nebenjobs, beispielsweise in der Gastronomie, weggebrochen sind wenden sich immer mehr von ihnen an die Tafeln. Für den gemeinnützigen Verein ist das ein Kraftakt, denn viele Freiwillige gehören selbst zur Risikogruppe.

Seit der Corona-Pandemie sind immer mehr Studenten auf die Versorgung durch die Tafeln angewiesen. Die Cottbuser Tafel versorgt seit Beginn der Pandemie etwa 150 Studenten zusätzlich. Das hat zum einen damit zu tun, dass den Studenten Aushilfsjobs, beispielsweise in der Gastronomie weggebrochen sind. Zum anderen damit, dass einige Eltere ihre Kinder aufrgund dieses Problems nicht mehr wie zuvor unterstützen können. Vereinzelt sei der Gang zur Tafel aber auch in dem Wunsch begründet, etwas gegen die Verschwendung von Essen tun zu wollen.

"Gerade die Studenten sind mehr geworden, aber das Klientel hat sich generell verändert", sagt Kai Noack, Chef des Albert-Schweitzer Familienwerks Brandenburg und damit unter anderem für die Cottbuser Tafel zuständig. "Es sind viele Menschen, die vor einem Jahr gar nicht gedacht hätten, dass sie die Tafel in Anspruch nehmen müssen." Dazu zählen Solo-Selbstständige, Menschen, die zuvor selbst Unternehmen geführt hätten und eben Studierende.

Tafel-Chef Kai Noack (Quelle: rbb)
Kai Noack, Chef der Cottbuser Tafel | Bild: rbb

"Tafeln funktionieren wie ein Seismograph", erklärt Noack. Erschütterungen der Gesellschaft würden erst deutlich später gespürt. Deshalb rechnet er damit, dass sich die Lage beispielsweise für Studenten weiter verschärfen wird.

Das Problem für die Tafel ist dabei, dass viele der ehrenamtlichen Helfer selbst Rentner und damit Angehörige der Risikogruppe sind. Die, die jung genug sind, sind aktuell beinahe täglich im Einsatz so Noack. Er hofft daher darauf, dass sich wieder neue Freiwillige für die Arbeit melden.

Erst Hemmungen, dann Dankbarkeit

Ronny Menzer ist einer der rund 150 Studierenden, die seit einiger Zeit die Tafel aufsuchen. Seinen Nebenjob in einer Boulderhalle kann er nicht mehr ausführen. Zudem ist er bereits über 30, Unterstützung für seine Ausbildung erhält er keine mehr. "Damit fällt man komplett aus dem Raster" erzählt er. Ein Problem damit die Tafel zu besuchen, hat er nicht. "Es ist okay", sagt Menzer. "Ich habe schon mal Geld verdient, das ist eine neue Situation. Auf der anderen Seite bin ich für diese Möglichkeit dankbar."

"Natürlich ist es eine finanzielle Sache. Es macht einen Riesenunterschied, wenn man keine Nebenjobs machen kann", sagt Gordian Rau, ebenfalls seit der Pandemie Gast bei der Tafel. Er habe sich zu Beginn Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt berechtigt ist, ist nun aber ebenfalls froh über die Möglichkeit.

Studentenwerk bietet ebenfalls Hilfe an

Neben der finanziellen Notwendigkeit zur Tafel zu gehen, erzählen manche Studenten aber auch, dass sie der Aspekt reizt, mit dem Besuch Lebensmittel zu retten, die sonst möglicherweise weggeschmissen würden.

Denn obwohl Studierende bei der Tafel anspruchsberechtigt sind, gäbe es auch andere Wege der Unterstützung. So kann beispielsweise beim jeweiligen Studentenwerk eine Überbrückungshilfe beantragt werden, erklärt Andreas Gaber vom Studentenwerk Frankfurt (Oder), das auch für Cottbus zuständig ist. Pandemiebedingt in Not geratene Studierende können monatlich bis zu 500 Euro erhalten. Diese Hilfe muss nicht zurückgezahlt werden und ist für diejenigen gedacht, die kein Einkommen und keine Rücklagen haben, so Gaber.

An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg bekommen zwischen 100 und 200 Studierende die Überbrückungshilfen, so Gaber. Entscheidend dafür, dass dieser Wert nicht mehr ansteige, sei aber auch, dass sich in den letzten Monaten eine Gemeinschaft an der Uni gebildet habe, die sich gegenseitig unterstützt. Darüber werden beispielsweise Essenmarken für die Mensa gespendet und verteilt.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.05.2021, 16:40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Lieber Sven, leider bekommen nicht alle Studenten*innen BAFÖG.Es gibt bestimmte Kriterien die erfüllt werden müssen. Es gilt eine bestimmte Altersgrenze.Wenn man über 30 Jahre alt ist, bezieht man nur in Ausnahmefällen BAFÖG, für viele greifen diese Regelungen nicht. Ich habe selbst mit über 30 Jahren angefangen zu studieren und musste neben dem Studium arbeiten, da ich nichts bekommen habe. Also es hat nicht immer was mit dem Lebensstil zu tun, manchmal hat man einfach Pech.

  2. 2.

    Ich verstehe nicht, wie man als Student zur Tafel muss. Man bekommt Bafög. Ich konnte davon auch leben. Ich trinke aber nicht, rauche nicht etc. Wer natürlich sein Geld für andere Sachen verplempert, hat dann aber selber Pech...

  3. 1.

    Herr Noack hofft das sich bald wieder freiwillige Helfer melden.

    Da gehen also mittlerweile sehr viele junge Menschen oder Menschen die z. Z. nicht arbeiten können zur Tafel. Vorher Menschen ohne Job, also mit sehr viel Zeit. Mal abgesehen von den Alten und Kranken, müsste Herr Noack sich doch vor lauter Anfragen nicht retten können, wenn die Menschen wirklich so sehr auf die Tafel angewiesen wären.

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