Rollender Konsum in Hohenleipisch. (Quelle: rbb/Iris Wußmann)
Bild: rbb/Iris Wußmann

Rollender Supermarkt in Elbe-Elster - "Für viele Ältere ist das die Rettung"

Was Sie jetzt wissen müssen

Wer aktuell in den Supermarkt geht muss sich auf neue Bedingungen einstellen: Warteschlangen mit Abstand, eine begrenzte Kundenzahl im Laden, Wachleute. Auf dem Land läuft das häufig  anders, schließlich gibt es oft nicht mal mehr Einkaufsmöglichkeiten. Im Elbe-Elster-Kreis gibt es deshalb seit 30 Jahren einen rollenden Supermarkt - gerade jetzt ein wichtiges Versorgungsinstrument.

Einzige Einkaufmöglichkeit

Für Astrid Wiedemann und Ingrid Gentsch ist der rollende Konsum, der direkt vor der Haustür hält, ein Segen. Aus Angst davor sich anzustecken gehen die beiden über 80-Jährigen zur Zeit kaum noch raus.

Jetzt stehen sie mit Einkaufslisten und Körben ausgerüstet an der Straße in Hohenleipisch. Die beiden wissen genau was sie wollen, schließlich muss es eine Weile reichen. "Brot, Brötchen, Gemüse, Obst, wir müssen doch was essen. Wenn wir niemanden haben, die Kinder sind arbeiten", erklärt Astrid Wiedemann. "Wir wollen das sehen, was wir kaufen."

Lautstark macht sich der grün-weiße "Stop und Shop" bemerkbar. "Bei Ihnen alles in Ordnung, alle gesund?" fragt Anett Schwär, dann lässt sie ihre Kunden herein. Zur Zeit muss allerdings jeder einzeln eintreten.

"Gerade die Älteren kommen ja nicht in die Stadt"

Seit fast 30 Jahren fährt sie mit ihrem umgebauten Transporter die kleinen Dörfer an. Auf dieser Tour sind es zehn, hinzu kommen viele Extra-Stops. Dass sie auch jetzt weitermacht, ist für die fahrende Verkäuferin selbstverständlich. "Die Leute wollen ja versorgt werden, das ist ganz wichtig. Gerade die Älteren kommen ja nicht in die Stadt. Für viele ist das die Rettung", erklärt Schwär.

Rund 1.000 Artikel hat sie in ihrem Wagen - von Kartoffeln bis hin zu den heiß begehrten bunten Zeitschriften. Die Verkäuferin arbeitet mit Mundschutz, die Flasche mit Desinfektionsmittel steht griffbereit. Die Kunden fühlen sich hier sogar sicherer als in den großen Supermärkten.

Schwer beladen klettern Astrid Wiedemann und Ingrid Gentsch schließlich aus dem Transporter. Eine Woche müssen sie nun warten, bis der rollende Supermarkt wieder vorbeikommt. Das Warten, sagen sie aber, stört sie nicht.

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2 Kommentare

  1. 2.

    :-) so ein Wägelchen kam beim meiner Oma im Ruhrpott, aber entlegene Ecke, auch in den 60ern und 70ern, der sog. Milchbauer, der irgendwann von Milchflaschen auf Vollsortiment umgestiegen ist. Ich habe mich lange gefragt, ob bei der miesen Versorgungslage außerhalb des Speckgürtels nicht so Einkaufswagen der Bringer (im wörtlichsten Sinne) sind. Man braucht keine 10 verschiedenen Sorten Butter oder Küchenrolle - man kauft als Gewohnheitstier ja im Supermarkt auch immer das selbe.
    Kann man solche Kleinunternehmer nicht fördern auf dem platten Land??

  2. 1.

    Super! Davon sollte es auf dem Land mehr geben, nicht nur in der Krise. Das würde bestimmt helfen. Habe ich schon vermisst. Alle die, die jetzt nicht arbeiten können sollten jetzt kreativ sein.

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