Zum Bürgerforum in Cottbus haben sich die Teilnehmer in der Stadthalle versammelt. (Quelle: rbb/Sebastian Schiller)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.04.2018 | Phillip Manske | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Integration von Zuwanderern - "Zukunft Heimat" auf Cottbuser Bürgerforum kaum vertreten

In Cottbus soll miteinander geredet werden: Über Das Verhältnis von Einheimischen und Flüchtlingen und die Situation in der Stadt. Doch diejenigen, die sich sonst lautstark äußern, blieben beim ersten Cottbuser Bürgerforum stumm. Von Sebastian Schiller

In Cottbus hat die Stadtspitze am Samstag erstmals zu einem öffentlichen Bürgerdialog zur Situation in der Stadt geladen. Dabei sollten den verschiedenen Meinungen ein Podium geboten werden, bei dem die Einwohner der Stadt auch Befürchtungen oder Ängste offen formulieren sollten. Dazu wurde eine Sonder-Stadtverordnetenversammlung einberufen, an deren Ende eben dieser Bürgerdialog gesetzt wurde. 

Hälfte der Stühle bleibt leer

Das Stadthaus war im Vorhinein abgeriegelt worden. Weiß-rote Plastikzäune schirmten den Eingangsbereich ab, hinein ging es nur über eine Taschenkontrolle. Dabei wurde auch auf die Ausweise geschaut - denn wer nicht in Cottbus wohnt, durfte das Gebäude nicht betreten. Das Motto: Cottbuser reden über Cottbus.

Das Interesse seitens der Cottbuser hielt sich allerdings in Grenzen, die Hälfte der Stühle im Stadthaus blieb leer. Vor allem die Cottbuser Mitglieder des rechtsgerichteten Vereins "Zukunft Heimat" oder Teilnehmer der Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik waren nur in kleiner Zahl vor Ort. Noch weniger haben sich zu Wort gemeldet.

Stattdessen berichteten Vertreter von Flüchtlingsinitiativen über Fortschritte bei der Integration von Flüchtlingen. Wenn es um Probleme ging, dann erzählten sie von meist individuellen Probleme im Zusammenleben, beispielsweise die Geruchsbelästigung durch Wasserpfeifen oder Schmutzecken in der Stadt. Kontrovers wurde es nur an einer Stelle, als ein Cottbuser NPD-Vertreter vorschlug, "abschiebefähige Parallelgesellschaften" zu schaffen - die Menschen also nicht zu integrieren, sondern separat in abgeschirmten Bereichen unterzubringen.

Abgesehen davon wurden auch Probleme mit rechtsextremer Gewalt immer wieder thematisiert und gefordert, dass die Stadt mehr dagegen tun müsse.

Kelch fordert Dialog ohne Hass

Gegenstimmen verwiesen hingegen immer wieder vor allem auf die Kosten, die die Flüchtlingssituation verursache und forderten Klarheit dazu von Oberbürgermeister Holger Kelch. Der CDU-Politiker hatte zuvor in der öffentlichen Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung die Landesregierung aufgefordert, der Stadt notwendige finanzielle Mittel für die Integration der Flüchtlinge zu zahlen. 

Die Bürger der Stadt rief Kelch zum Dialog über die Integration von Zuwanderern auf. Er erwarte von allen Cottbusern eine Abkehr von politischem Extremismus jeder Art und eine Abkehr von Hass und Gewalt.

Das Cottbuser Stadthaus wurde für das erste Bürgerforum mit Absperrgittern gesichert, auch Polizei war vor Ort. (Quelle: rbb/Sebastian Schiller)
Absperrgitter wurden vor dem Stadthaus aufgestellt. | Bild: rbb/Sebastian Schiller

"Zukunft Heimat" demonstriert statt zu reden

Auch wenn die Golßener Vertreter des Vereins "Zukunft Heimat" von der Veranstaltung ausgeschlossen wurden - "Zukunft Heimat" kommt aus Golßen, hat aber inzwischen mehr Cottbuser Mitglieder - war der Verein während des Bürgerforums mehrmals Thema. Einige Diskussionsteilnehmer fühlten sich durch die andauernden Demonstrationen des Vereins in Cottbus vor den Kopf gestoßen. Sie forderten den Oberbürgermeister dazu auf, mit den Golßenern das Gespräch zu suchen und ihnen klar zu machen, dass die Cottbuser ihre Probleme selbst lösen wollen.

Auch muss sich der Verein jetzt die Frage gefallen lassen, warum er trotz im Vorfeld bekundeter Gesprächsbereitschaft keine gesprächsbereiten Vertreter in die Diskussion geschickt haben. Stattdessen hatte der Verein im Vorfeld und in Sichtweite zum Stadthaus eine Demonstration angemeldet. Auch hier war das Interesse vergleichsweise gering. Nach zuletzt rund 1.500 Menschen vor genau einer Woche folgten dieses Mal nur rund 100 dem kurzfristigen Aufruf.

Stadtteilkonferenzen geplant

Cottbus hat in den vergangenen Jahren mehr Flüchtlinge aufgenommen als andere Kommunen. Aktuell leben nach Angaben von Kelch 8.748 Ausländer in der Stadt, darunter 3.290 Flüchtlinge. Der Ausländeranteil habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf 8,4 Prozent mehr als verdoppelt.

Die Diskussionsrunde im Stadthaus war eine Auftaktveranstaltung. Noch im Mai und im Juni soll es mehrere Stadtteilkonferenzen in den größeren Stadtteilen geben - dann auch mit Nicht-Cottbusern.

Sendung: Brandenburg aktuell, 21.04.2018, 19.30 Uhr

Beitrag von Sebastian Schiller

Kommentar

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39 Kommentare

  1. 38.

    Warum soll man auch mit jemanden reden, wenn das Ergebnis schon vorher fest steht?

  2. 37.

    Man kann sich mit denen arrangieren, die das wollen und Toleranz kann man leider nicht erzwingen, aber man kann es lernen, miteinander auszukommen und zumindest friedlich in der selben Stadt zu leben. Davon bin ich fest überzeugt, ich tue alles dafür, was dazu nötig ist und erwarte das auch von denen, die hier zuwandern.

  3. 36.

    Schluss jetzt bitte mit persönlichen Plänkeleien und Anfeindungen - Beiträge, die nicht rein inhaltlich zum Thema des Artikels sind, werden nicht mehr freigeschaltet.

  4. 35.

    Das müssen sie schon die Redaktion fragen warum man ihre rechtsgesinnte Propaganda täglich durchlässt.

    Ich habe die Leute auf der letzten "Demo" dieses "Vereins" laut und deutlich "Widerstand" und "Abschieben" skandieren gehört.

    Mal abgesehen davon dass Wirmer Flaggen, schwarz-weiß-rote Banner und sonstige rechtsnationale Symbole zuhauf zu sehen waren.

    Das ist FAKT!

  5. 34.

    Das sind Diffamierungen und Hetzreden, hat gar nichts mit dem Verein zu tun.
    WARUM lässt die Moderation bei diesem auffälligen Foristen täglich Unsinn durch???

  6. 33.

    Wer bestimmt denn eigentlich, wer wie viel "zu verarbeiten" hat und wer erklärt eigentlich jemandem wie mir mal schlüssig warum? Sie sind offenbar eine intelligente Frau, versuchen Sie es doch mal. Ich hätte da zumindest massenhaft Fragen und einige Argumente, die es zu widerlegen gäbe. Bei allen Kommentaren - und das gilt nicht erst seit heute - bleiben Antworten darauf aus. Immer kommt Geschrei gegen "Rechte" und dann der Verweis auf Humanität, abzutragende Schuld, Fachkräftemangel und sogar mangelndes Genpotential wurden von verantwortlichen Politikern schon angeführt. Haben Sie eine bessere Erklärung? Und vor allem eine schlüssige?

  7. 32.

    Vereinsmaden? Das erinnert an "Schmeißfliegen", "Zecken" und "Parasiten".

    Wer sich schon mit seiner Sprache klar outet sollte sich wundern wenn man überhaupt zu Worte kommt.

    Und mit den Kosten ist das so eine Sache, demnächst sparen wir uns auch Gerichte und Schulen. Kosten ja nur.

    Oder man könnte ja mal ausrechnen was "uns" die marode DDR und der Beitritt gekostet hat.

    Und weil sie es erwähnt haben, die Kosten für die Integration der Spätaussiedler waren dagegen Peanuts, zumindest da wo die Integration geklappt hat.

    Hätte man so wie sie einen Kosten/Nutzen Faktor ausgerechnet gäbe es heute kein Deutschland wie wir es heute haben und auch keine Wolgadeutschen in der Bundesrepublik Deutschland.

  8. 31.

    Ja dumm gelaufen wenn man statt Naziparolen krakeelend durch die Stadt marschierend konkrete Lösungsvorschläge und konstruktive Kritik erwartet.

    Das erste können DIESE Cottbuser, wovon wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte Cottbuser sind, gut, beim zweiten kneift man dann. Eben weil DIESE Leute nur hetzen können.

  9. 30.

    Das wird genau so wenig passieren wie sich dieser "Verein" von Rechtsextremisten oder den Verfassungfeinden der sog. "IB" distanziert.


    http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/1251758/

  10. 29.

    @Erika(14) ... Ihre Fragen
    >>Durften denn die Heulsusen von "Zukunft Heimat" nicht teilnehmen? Wer hat denen das verboten?<<
    finden im Artikel mit der Textpassage, wie ich finde, eine angemessene Antwort
    >>Dabei wurde auch auf die Ausweise geschaut - denn wer nicht in Cottbus wohnt, durfte das Gebäude nicht betreten.<<

  11. 28.

    Nun die Tatsachen,
    ich war dort wie auch viele weitere Teilnehmer der Zukunft Heimat Demo, und habe viele Fragen, aber
    wer sich 2 h Selbstbeweihräucherung von Hrn Kelch &Co anhören möchte, bitteschön.
    Unter einem Dialog verstehe ich etwas anderes.
    Bis auf 2 oder 3 Fraktionen haben sich beispielsweise alle sehr stolz und langatmig auf den Erfolg vom FCE in ihren Redebeiträgen bezogen. Was das mit der avisierten Thematik zu tun hat, erschließt sich mir nicht.
    Bemerkenswert in den Redebeiträgen war die Offenbarung moralischer Schwäche, um zur Bewahrung des "guten Rufes" man Demonstrationen gegen Flüchtlingskriminalität ablehnt. Marktmoral auf Mittelalterniveau in Cottbus.
    Statt einfacherweise vor die Tür zu kommen und das Gespräch zu suchen, verbarrikadiert man sich hinter Absperrungen und Kontrollen. Besonders in Anbetracht des Cottbuser Schuldenstandes ist der Aufwand dem Bürger nicht zu erklären.
    Die Kosten für diese Veranstaltung sollten veröffentlicht werden.

  12. 27.

    >>"Zukunft Heimat" auf Cottbuser Bürgerforum kaum vertreten<< ... Weshalb denn auch?!
    Hieß es doch im Vorfeld (siehe mdr-Artikel "Eine Stadt kämpft um ihr Image") ...
    >>Der Verein "Zukunft Heimat" aus dem Spreewald werde kein Rederecht haben.<<
    Das ist so ähnlich, wie wenn geschwommen werden soll, man jedoch an Händen und Füßen gefesselt ist.

  13. 26.

    Alles wieder linke Propaganda! Ich war drinne, ich kam dann nach 2 Stunden Monologv "Ach was sind wir doch alle Gut, nur die bösen Rechten!" Zum Mikro! Diese, meine Frage wurde nur Bruchhaft im TV wiedergegeben. Alle Kosten auf den Tisch! Vor allem, das diese Vereinsmaden noch zusätzlich bekommen. Harz4 ist das eine, was ein Flüchtling der Gemeinschaft kostet. Aber diese Träger aus der Asylondustrie? Bei den Wolgadeutschen brauchte wir das nicht, da gab es auch keinen großen Ärger. Aber das konnte der RBB ja nicht senden?

  14. 25.

    Wenn die Stadtspitze Bier und Bockwurst ausgegeben hätte wäre der Saal voller "guter" Cottbusser Bürger. IÜ 4000 sogenannte Kriegsflüchtlige die an den Supermärkten herumlungern sind schon ne Masse...

  15. 24.

    Dieser "Verein" und ähnlich geartete Organisationen, sind ein Kloake Becken für Rechtsextremisten und ähnliche Gestallten, es geht nur um Hass gegen Menschen, die nicht in das verquere Weltbild der "besorgten Patrioten" passt.

  16. 23.

    Mich überrascht das nicht. Viele der rechtsextremen Demonstranten sind eben nicht aus Cottbus. Die werden von der AfD und anderen rwchtsextremen Gruppierungen aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland zusammwngekarrt. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, dass es in Cottbus keine rechtsextrem gesinnten Einwohner gibt. Die Wahlergebnisse der AfD aind ja keine Fatamorgana. Aber die Aufhetzer und Stimmungsmacher sind quasi Berufsprofokateure.

  17. 22.

    Wieso war denn die Opposition außen vor? Der Artikel liest sich so, dass alle Cottbusser daran teilnehmen konnten, wenn sie denn wollten. Vielleicht brüllt es sich ja in der Masse leichter und wenn man sich dann doch mal zusammenreißen muss und seine Argumente Nettiquette-konform in eine Diskussion einbringen soll, wird das eben nichts.
    Wo waren Sie denn zum besagten Zeitpunkt?

  18. 21.

    Nicht diskutieren sondern ein Taxi nehmen und sich in Berlin relativ sicher fortbewegen. Müller hat`s ja auch sinngemäß empfohlen.

  19. 20.

    Wenn so viele Stühle leer bleiben, zeigt das doch nur was die Cottbusser von der Satdtspitze erwarten....NICHTS!

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