Ehemalige KZ-Häftlinge und Angehörige in Jamlitz
Audio: Antenne Brandenburg | 23.04.2018 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Anja Kabisch

Auch Überlebende kamen zur Einweihung - Gedenkplatz erinnert an Massaker im KZ Lieberose

Nur wenige Hundert von schätzungsweise 10.000 Häftlingen im KZ Außenlager Lieberose im Landkreis Dahme-Spreewald überlebten. An die Gräueltaten des Naziregimes erinnert jetzt ein Platz des Gedenkens. Am Montag wurde er eingeweiht. Von Holger Keßler

Jamlitz ist ein kleiner Ort 30 Kilometer nördlich von Cottbus. Wo einst tausende jüdische Häftlinge qualvoll ums Leben kamen, stehen heute nur wenige hundert Meter entfernt Einfamilienhäuser. Jahrzehntelang erinnerte hier nichts an die schrecklichen Ereignisse im Zweiten Weltkrieg. Nun wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers ein Platz des Gedenkens und der Trauer geschaffen. Zur Einweihung am Montag waren auch einige Überlebende und ihre Angehörigen gekommen.

Ein befestigter Weg führt Besucher über das Gelände. Er endet, wo früher eine der Häftlingsbaracken stand. Auch die anderen Standorte der insgesamt über 20 Baracken sollen in den kommenden Monaten in den Weg eingebunden werden. Zudem sind Schautafeln mit Zitaten von ehemaligen Häftlingen und Zeitzeugen geplant.

Blick auf einen Teil des ehemaligen KZ Lieberose
| Bild: rbb/Anja Kabisch

Jamlitz verschwand aus der Geschichte

Das KZ Lieberose war ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen und kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs das größte Konzentrationslager des Deutschen Reiches. Die in Jamlitz inhaftierten Juden mussten für die Nazis Kasernen, Straßen und militärische Einrichtungen bauen. Von den bis zu 10.000 Häftlingen überlebte ein Großteil die Strapazen nicht.  

1971 wurde im knapp fünf Kilometer entfernten Staakow ein Massengrab mit den sterblichen Überresten ehemaliger KZ-Häftlinge entdeckt. Die DDR-Verantwortlichen entschieden jedoch, nicht am historischen Ort in Jamlitz, sondern einige Kilometer entfernt in der Stadt Lieberose ein Mahnmal und später ein Museum zu errichten.

In Jamlitz waren bis zur Wende auch die letzten Zeitzeugnisse, wie ein Lagerstein und ein Torpfeiler beseitigt worden.   

Erst seit 2003 erinnern Stelen und Schaukästen auf dem ehemaligen KZ-Gelände an die Opfer.

Stele mit Zitat eines ehemaligen Häftlings
| Bild: rbb/Anja Kabisch

Gedenkstätte bereits mehrfach geschändet

Im Mai 2016 wurden innerhalb weniger Tage Anschläge auf das ehemalige KZ-Lieberose verübt. Dabei wurden Informationstafeln der Freiluftausstellung mit Informationen über den Holocaust und die Geschichte des KZ-Außenlagers zerstört.

Als mutmaßlicher Täter konnte ein 76-Jähriger überführt werden. Weil die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, wurde gegen ihn bisher jedoch noch keine Anklage erhoben.

Nach den Anschlägen hatte das brandenburgische Kulturministerium bei einem Treffen mit dem Zentralrat der Juden beschlossen, die Gedenkarbeit in Jamlitz zu verstärken. Zudem wird das Gelände seitdem videoüberwacht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.04.2018, 16:40 Uhr  

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