Bürger bei dem Stadtteilgespräch in der Oberkirche Cottbus. (Quelle: rbb/Schiller)
Video: Brandenburg Aktuell | 15.05.2018 | Bild: rbb/Schiller

Erstes Stadtteilgespräch in der Oberkirche - Cottbus will das Sicherheitsgefühl verbessern

Anfang des Jahres haben Übergriffe von flüchtlingsfeindlichen Deutschen auf Ausländer und von gewalttätigen Migranten auf Deutsche für Unruhen in Cottbus gesorgt. Es folgten mehr Polizei, mehr Sozialarbeiter - und Demos. Nun sucht die Stadt den Dialog mit den Bürgern. Von Sebastian Schiller

Zugegeben: Nach den Angriffen durch und auf Flüchtlinge in Cottbus gab es Ende April einen ersten Dialogversuch der Stadt: eine Sondersitzung der Stadtverordneten. Allerdings gab es damals Einlasskontrollen. Teilnehmen durften nur Cottbuser. Dadurch waren unter anderem Mitglieder des aus Golßen stammenden Vereins "Zukunft Heimat" ausgeschlossen. Dieser hatte in Cottbus immer wieder gegen die Flüchtlingspolitik protestiert.

Zu den insgesamt sechs Stadtteilgesprächen sind nun alle eingeladen. Wer mitreden oder einfach nur zuhören will, ist willkommen. Am Dienstagabend hat nun das erste dieser Gespräche in der Oberkirche Cottbus begonnen.

Reinhard Drogla (vorn) und OB Holger Kelch informieren diem Presse (Quelle: rbb/Thomas Krüger)
Reinhard Drogla und OB Holger Kelch informierten im April über Stadtteilgespräche | Bild: rbb/Thomas Krüger

Verdächtig ruhig?

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) will bei den Veranstaltungen in einen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern treten und mit ihnen über die aktuelle Situation in der Stadt sprechen. Kelch sagte dem rbb vorab, man lade alle ein, die sich sachlich an einer Diskussion beteiligen wollen. Er sei auch bereit, Kritik einzustecken – es sei schließlich ein Meinungsaustausch gewünscht. Kelch selbst bezeichnet die momentane Lage in Cottbus als ruhig, fragt aber: "Ist es verdächtig ruhig oder ist es positiv ruhig?"

Von offizieller Seite nimmt neben Kelch auch Reinhard Drogla, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, teil. Für konkrete Fragen sind zudem Vertreter aller Geschäftsbereiche des Rathauses und der beiden großen Wohnungsunternehmen GWC und eG Wohnen vor Ort. Die Diskussion wird von zwei Moderatoren geleitet: Uwe Weise, dem Pfarrer der Oberkirche, und Holger Thomas, einem ehemaligen Pfarrer, der jetzt als Mediator arbeitet.

Insgesamt sechs Stadtteilgespräche geplant

Auch wenn an den Gesprächen jeder teilnehmen kann: Inhaltlich soll es ausschließlich um Cottbuser Themen gehen, so die Vorstellung der Stadt. Im besten Fall könnten die Probleme, die die Bürger bewegen, auch direkt vor Ort gelöst werden.

Praktisch könnte das schwierig werden. Denn beim Thema Asyl hat die Stadt nur wenig eigenen Spielraum, weil das meiste vom Bund und Land geregelt wird. Es soll aber auch um stadtteilspezifische Themen gehen. Sprich: Wo sind Dreckecken, wo fehlt es an Bänken oder Parkplätzen?

In den kommenden Wochen finden die Dialoge immer dienstags in jeweils anderen Stadtteilen statt - in Ströbitz, der Spremberger Vorstadt, Schmellwitz, Sandow und Sachsendorf.

Erstes Stadtteilgespräch am Dienstag, 15. Mai

Veranstaltungsort:  Oberkirche Cottbus, Oberkirchplatz 12

Beginn: 18.30 Uhr

Beitrag von Sebastian Schiller

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

10 Kommentare

  1. 9.

    Liebe EjtschPie,

    natürlich ist eine Nachfrage legitim. Wir haben auch nachgefragt. Leider mit dem gleichen Ergebnis wie am 5.4.18 veröffentlicht: Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss. Vorher bekommen wir leider keine neuen Informationen. Sobald die Ergebnisse bekannt gegeben werden, berichten wir darüber.

    LG, die rbb24-Redaktion

  2. 8.

    Liebe Redaktion,

    das ist der Stand vom 05.04.2018 !!!

    https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2018/04/Cottbus_Fluechtlinge_Angriff_Silvester.html

    Wenn die Ermittlungen damals schon "kurz vor dem Abschluss" standen, sollte eine Nachfrage 6 Wochen später doch mehr als legitim sein.

  3. 6.

    Liebe EjtschPie,

    wir sind dran an den Ermittlungen! Hier der aktuelle Stand:

    Einen Fahndungserfolg können Polizei und Staatsanwaltschaft vermelden: Im Fall der in der Silvesternacht in Cottbus verprügelten Afghanen konnten die Behörden mehrere Tatverdächtige ermitteln. Mit Bildern einer Überwachungskamera hatten die Behörden seit Anfang Februar nach mehreren Männern gefahndet. Sie sollen in der Silvernacht im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf mehrere Flüchtlinge verfolgt und in ihrer Unterkunft verprügelt haben. Zwei Afghanen wurden dabei verletzt, einer von ihnen schwer. Nach Zeugenhinweisen und eigenen Ermittlungen der Polizei wurde nun eine bisher unbekannte Anzahl an Tatverdächtigen identifiziert. Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen kurz vor dem Abschluss.

    Selbstverständlich werden wir bei neuen Ermittlungsergebnissen auf unserer Seite darüber informieren.

    Liebe Grüße,
    die rbb24-Redaktion

  4. 5.

    @Karl Kraus(2) ... Gehen Sie davon aus, dass "Zuzug-Befürworter" und deren "Gegner" sich gegenseitig ideologisch nicht verändern werden, es evtl. auch nicht vorhaben.
    Aber da gibt es noch eine dritte Gruppe, nämlich die der "noch Suchenden" bzw. der "noch Unentschlossenen". Diese gilt es bei ihrer Standpunktsuche zu unterstützen, z.B. mit so einer Veranstaltung.
    @konstanze(4) ... Sie stellen die GENAU richtige Frage, nämlich "Kosmetik" oder "Substanz".

  5. 4.

    nur das gefühl oder auch die sicherheit ?

  6. 3.

    Es wäre recht sinnvoll gewesen, aufzuführen, wer denn dort konkret Fragen beantworten wird.

    Dass in Cottbus sehr unangemessen mit rechtspopulistischen bis -extremen Vertreter*innen umgegangen wird, hat ja nicht zuletzt die vom rbb initiierte Podiumsdiskussion dargelegt. Nun soll alse der OB, der während der Phasen der rechtsextremen Aufmärsche nicht zu sehen war, aufklären, jemand also, der diese Umtriebe mit seinem politischen handeln bagatellisierte und jemand, der Teile von ausgrenzenden, illegitimen und -legalen Haltungen übernahm: Asyl zu gewährleisten.

    Sundermeyer allein reicht nicht bei der Thematik. Wieso sucht man nicht die Nähe zu empirischen Daten über rassistische o. rechtsextreme Vorfälle in und um Cottbus? Diese Daten werden u.a. von der Opferperspektive aufgestellt. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat ihren Sitz in Brandenburg wie auch das Moses Mendelssohn Zentrum. Nazis darf man keine Bühne bieten.

  7. 2.

    Da bleibt doch nur zu hoffen, dass jeder die Meinung des Anderen akzeptiert und nicht niederschreit, sondern mit Argumenten kontert.
    Das jetzt auch Zukunft Heimat eingeladen wurde, scheint ein erster Schritt, sich den Problemen anzunähern. Ich werde auch dabei sein und wünsche mir eine kontroverse, aber zielführende Diskussion.

  8. 1.

    Gut, dass mal wieder daran erinnert wird:
    "Anfang des Jahres haben Übergriffe von flüchtlingsfeindlichen Deutschen auf Ausländer und von gewalttätigen Migranten auf Deutsche für Unruhen in Cottbus gesorgt."
    Was bitte ist denn aus den Ermittlungen zu den Silvester-Übergriffen im Flüchtlingsheim geworden?
    Vor Wochen hieß es schon, die Täter wären ermittelt, nur die Staatsanwaltschaft möchte sich noch nicht äußern.
    Der rbb sollte doch bitte investigativ nachforschen, was da los ist und sich nicht durch Floskeln abwimmeln lasen.

Das könnte Sie auch interessieren

Angeklagter mit seinem Anwalt im Gerichtssaal (Quelle: rbb/Daniel Jorewitz)
rbb/Daniel Jorewitz

Urteil im Familiendrama von Werben - Drei Jahre Haft nach Messerangriff

Die Tat hat in der Lausitz für Bestürzung gesorgt: Ein junger Mann greift Mutter, Stiefvater und Halbbruder mit einem Messer an und verletzt sie zum Teil schwer. Danach will er sich selbst töten. Jetzt wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Von Daniel Jorewitz