Cottbus Stadtteilgespräch (Quelle: rbb/Sebastian Schiller)
Audio: Inforadio | 16.05.2018 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Erstes Stadtteilgespräch in der Oberkirche - Cottbus gesprächsbereit

Nach diversen Auseinandersetzungen zwischen flüchtlingsfeindlichen Deutschen und gewalttätigen Migranten fand am Dienstagabend die erste von insgesamt sechs Dialogveranstaltungen in Cottbus statt. Der Anfang gelang vielversprechend. Von Sebastian Schiller

Jeder darf kommen und jeder darf auch reden. So hatte es die Stadt Cottbus im Vorfeld zu diesem ersten offenen Bürgerdialog formuliert. Rund 200 Menschen sind der Einladung gefolgt, über zwei Stunden lang wurde in der Oberkirche diskutiert. Und tatsächlich gab es keine Redeverbote, wer eine Frage hatte oder ein Statement abgeben wollte, bekam dazu auch die Gelegenheit.

Das kam bei vielen gut an. "Die Zeit ist sehr effektiv genutzt worden", sagte eine Besucherin. Ein anderer Besucher resümierte: "Es konnten alle reden und es wurde auch niemand abgewürgt. Man musste auch Meinungen aushalten, die nicht unbedingt seiner eigenen entsprachen."

Politiker im direkten Bürgerkontakt

Gesprochen wurde über vieles. Etwa über den noch immer ausstehenden Baustart auf der Brachfläche in der Innenstadt, auf der in Zukunft die Erweiterung des Einkaufscenters Blechen-Carré entstehen soll. Oder über die vielen maroden Straßen und Gehwege in der Stadt. Allerdings wurden solche Fragen nur vereinzelt gestellt und mussten meist schnell wieder dem eigentlich bestimmenden Thema des Abends weichen: Migration und welchen Einfluss die gestiegene Zahl an Ausländern auf das Leben der Menschen in Cottbus hat.

Hier zeigte sich die eigentliche Stärke der Veranstaltung: Nahezu die gesamte Rathausspitze war vor Ort. Hinzu kamen Vertreter von untergeordneten Fachbereichen oder Wohnungsbauunternehmen, zudem waren zahlreiche Mitglieder der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung anwesend. Die Fragenden hatten damit in vielen Fällen die Möglichkeit, sich direkt an die zuständigen Politiker zu wenden. Was nicht im Plenum geklärt werden konnte, wurde nach dem eigentlichen Dialog in kleineren Gesprächskreisen noch einmal zur Sprache gebracht.

GWC spricht Probleme mit langjährigen Mietern an

"Man musste Toleranz beweisen im Zuhören und Verstehen. Ich finde das ist ein gutes Mittel, um sich den Bürgern und ihren Fragen zu stellen", so das Fazit von Oberbürgermeister Holger Kelch zu der Veranstaltung. Was er damit meint: Auch an diesem Abend gab es Wortmeldungen, die sich mit einfachen Fakten widerlegen ließen – aber nicht jeder hatte daran auch Interesse.

Beispielsweise als Torsten Kunze, Chef des Wohnungsbauunternehmens GWC, anmerkte, dass er mit ausländischen Mitbürgern lediglich wenige Probleme habe. Viel öfter gebe es Schwierigkeiten mit Leuten, die teilweise schon seit Jahrzehnten in den Häusern des Unternehmens zu Hause seien und dennoch im betrunkenen Zustand randalierten oder in Fahrstühle urinierten.

Aufruf zu offenem Umgang

Wieder andere Gesprächsteilnehmer warben dafür, jetzt weiter im Dialog zu bleiben und dabei auch weiterhin niemanden auszuschließen. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen war immer wieder Thema. Oberbürgermeister Kelch rief zur Offenheit gegenüber Migranten auf: "Gehen Sie auch mal auf diese Menschen zu, nicht jeder ist ein Straftäter".

Der Dialog am Dienstagabend war die erste von insgesamt sechs Veranstaltungen dieser Art. "Dialog hat was mit Sprechen zu tun", so Ordnungsdezernent Thomas Bergner. "Und damit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn das so weiter geht, werden sicherlich Meinungen ausgetauscht und Lösungen gefunden werden. Nicht alle werden wir überzeugen können, aber ich denke, wir sind auf dem richten Weg."

Beitrag von Sebastian Schiller

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.


    Stimmt, aber es geht um viel, sehr viel Geld und Macht, und darum wird sich auch nichts ändern, egal wen man wählt und was diese versprechen, leider.

  2. 5.

    Die eigentlichen Verantwortlichen sind die Bürger jeden Staates die Kriegsparteien und Diktatoren zu stürzen und nicht sich was Neues zu suchen.

  3. 4.

    Diktatoren z.B. in den Maghreb-Staaten? Ich dachte, das Thema wäre erledigt, hat man doch die Diktatoren dort beseitigt? Es gibt viele Gründe, nach Europa zu wollen. Rein persönlich ist jeder einzelne davon durchaus nachvollziehbar. Jeder möchte ein gutes, sorgenfreies Leben führen. Aber das Thema auf Flucht vor Gewalt oder Krieg zu reduzieren, ist nun mal falsch und erhöht nicht gerade die Akzeptanz in der Bevölkerung. Die wenigsten werden etwas gegen Kriegsflüchtlinge haben, fast jeder ist bereit, denen zumindest befristet zu helfen. Wenn aber ganz nebenbei eine Menge Wirtschaftsmigranten einreisen, in der falschen Hoffnung hier Arbeit und ein gutes Leben zu finden, aufgrund ihres Bildungsstandes aber in großen Teilen nur für ohnehin immer mehr wegfallende Hilfstätigkeiten in Frage kommen, dann muss das auch thematisiert werden. Gerade unter den Ärmsten birgt das nämlich die Gefahr von Verteilungskämpfen (geringere Löhne, höhere Mieten, schwierigere Jobsuche).

  4. 3.

    Warum wird endlos weiter herumgeeiert? Derartige betreute Dialoge hat es schon etliche gegeben.
    Bei einer der letzten dieser Art hatten etliche Bürger Redeverbot. So wird das nichts.

  5. 2.

    Naja - die "wirklichen" Verursacher der Migrantenthematik sind die Kriegsparteien und Diktatoren der Herkunftsländer, die ihre Bevölkerung unterdrücken. Davor kann man nicht Augen und Grenzen verschließen. Erst recht nicht, wenn man durch Waffenexporte noch von den Verhältnissen profitiert.

  6. 1.

    Ich finde diese Art "Veranstaltung" uneingeschränkt gut, nimmt sie doch "Druck aus dem Kessel".
    Leider waren die "wirklichen" Verursacher der Migranten-Thematik, nämlich die des Bundes,
    nicht anwesend. So mussten die kommunalen Vertreter alles "aushalten" obwohl sie wenig machen
    oder gar ändern können. Ich kann jedoch die Bürger verstehen, sind doch "Die vom Bund" i.d.R.
    nur bei Wahlen "greifbar".

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