Lutz Dombrowski in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus
Video: Brandenburg aktuell | 13.06.2018 | Jacqueline Piwon | Bild: dpa-Zentralbild

Menschenrechtszentrum Cottbus zieht Konsequenzen - Früherer Stasi-Häftling soll keine Besucher mehr führen

Siegmar Faust, einst politischer Häftling im früheren Cottbuser Stasi-Gefängnis, soll im Menschenrechtszentrum Cottbus keine Besucherführungen mehr leiten. Darauf hat sich der Vorstand der Gedenkstätte am Dienstagabend verständigt.

Verständnis für Holocaust-Leugner Horst Mahler

Faust war in die Kritik geraten, weil er in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" Ende Mai zur Flüchtlingspolitik unter anderem auch Positionen vertreten hatte, die der AfD nahestehen. "Wenn man Leute reinlässt ohne Pass und die eigenen Gesetze über den Haufen geworfen werden, dann ist Schluss", hatte der frühere DDR-Dissident der Zeitung gesagt.

Zudem hatte er Verständnis für die Haltung des früheren RAF-Anwalts und heutigen Holocaust-Leugners Horst Mahler geäußert. "Ich verstehe ja, dass die Verbrechen der Nazizeit noch weiter wirken", sagte Faust, "aber irgendwann muss das mal ein bissel aufhören. Man darf es nicht übertreiben".

"Für politische Gefangene völlig unakzeptabel"

Der Vorstand des Menschenrechtszentrums distanzierte sich aufgrund dieser Äußerungen von Faust. Sein Vorstandsvorsitzender, Dieter Dombrowski, sagte dem rbb, dass Faust durch seine Äußerungen nicht mehr befähigt sei, Schülern und Besuchern pädagogisch Lern- und Wissensinhalte über die SED-Diktatur in der DDR zu vermitteln.

"In den Raum zu stellen, dass ein so furchtbarer Neonazi wie Horst Mahler ein Meinungsgefangener in der Bundesrepublik Deutschland ist, so wie er es in der DDR war, das bedeutet, Demokratie und Diktatur in eine Reihe zu stellen", sagte Dombrowski am Mittwoch dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg aktuell. "Und das ist für alle politischen Gefangenen, die ich kenne, völlig unannehmbar und völlig unakzeptabel", ergänzte der CDU-Politiker.

Faust sei weiter Mitglied und könne auch weiter Lesungen machen. "Herr Faust ist lediglich aus der pädagogischen Arbeit herausgenommen worden und aus den Führungen", so Dombrowski weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.06.2018, 14:40 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

7 Kommentare

  1. 7.

    Hallo Dieter, da sind wir uns ja sogar einig. Ich glaube aber nicht, dass er seine private Meinung bei seiner Arbeit einfließen lässt (was tatsächlich ein nachvollziehbarer Grund für die berichtete Maßnahme wäre). Wenn private, nicht extremistische oder gar strafbare Meinungen jetzt aber (wieder) zu solchen Maßnahmen führen, dann dürfte sich so mancher DDR-Bürger an alte Zeiten erinnert fühlen. Ob das für eine Stasi-Gedenkstätte so klug war, kann man schon in Frage stellen.

  2. 6.

    Äußerungen von Siegmar Faust sind alle in der Berliner Zeitung und in der Junge Freiheit nachzulesen. Als persönliche Meinung ist das alles OK, als Bildungsvermittlung in staatlicher Verantwortung eindeutig nicht.

  3. 5.

    Dankeschön für die Ergänzungen!
    Meiner persönlichen Meinung nach sind diese Aussagen aber von der Meinungsfreiheit gedeckt, eine Verharmlosung der Naziverbrechen oder eine Forderung, über diese künftig zu schweigen, kann ich nicht erkennen. Der Schritt der Stiftung mag rechtlich korrekt sein, ob es klug war, so zu handeln, gerade in einer Gedenkstätte über eine Diktatur und Meinungsdiktatur und deren Machtapparat, ist zumindest diskutabel. Meine Einschätzung basiert dabei ausschließlich auf den beiden Zitaten des Artikels hier.

  4. 2.

    Der Artikel bezieht sich auf diesen Artikel der Berliner Zeitung: https://www.berliner-zeitung.de/politik/ddr-dissident-vom-buergerrechtler-zum-afd-anhaenger-30538334

    Wir sind gerade dabei, den Artikel mit mehr Informationen anzureichern.

  5. 1.

    Werte Moderation, was ist das denn für ein Artikel? Wären nicht mal ein paar Hintergrundinformationen angebracht? Welche Positionen der AfD soll er denn vertreten haben? Und womit hat er diesen Holocaust-Leugner in Schutz genommen? Gab es da Bezüge zu dessen Leugnungen? Nur so kann sich der geneigte Leser ein neutrales Urteil bilden. Mit solch unrecherchierten Kurzmeldungen nähren Sie doch nur Vorbehalte, dass jetzt nicht mal mehr ehemalige Bürgerrechtler eine eigene Meinung vertreten dürfen. Daher wäre ich für ein entsprechendes Update des Artikels sehr dankbar! Mit freundlichen Grüßen, Steffen

Das könnte Sie auch interessieren