Eine Straßenbahn der Linie 1 in Cottbus (Foto: rbb/Herkner)
Video: Brandenburg aktuell | 23.10.18 | Rico Herkner | Bild: rbb/Herkner

Sparmaßnahme - Cottbus will Straßenbahn durch Diesel-Busse ersetzen

Cottbus sucht nach Sparmöglichkeiten. Der städtische Finanzchef hat aus seiner Sicht ein goßes Sparpotential entdeckt: die Straßenbahn. Er will die Linie 1 Richtung Norden durch Diesel-Busse ersetzen. Damit macht er sich bei vielen unbeliebt. Von Rico Herkner

Der Cottbuser Finanzchef Markus Niggemann (CDU) will umzu sparen die Straßenbahnlinie 1 Richtung Norden durch Busse zu ersetzen. Nach Informationen von rbb|24 hält die Stadt auch erst einmal an der Idee fest, nach der Inbetriebnahme des Cottbuser Hauptbahnhofs müsse darüber nachgedacht werden.

Gegen die Pläne formiert sich Widerstand. Ganz vorn dabei ist die Bergbaugewerkschaft IG BCE. Sie kritisiert, dass im Kraftwerk Jänschwalde versucht werde, jedes Gramm CO2 einzusparen, doch die Stadt wolle mit Dieselbussen die Luft verpesten.

Deutlich wird auch die Deutsche Umwelthilfe, die in deutschen Städten gerade reihenweise Fahrverbote durchsetzt. Die Organisation beobachtet Cottbus genau. In einer Stellungnahme hieß es am Dienstag, dass in der Stadt trotz Ausbau der Bahnhofstraße die Feinstaub- und Ozonwerte steigen. Darum bestehe Handlungsbedarf, die Straßenbahn zu erhalten und auszubauen.

Protestschreiben Cottbus Straßenbahn (Foto: rbb/Herkner)
Bild: rbb/Rico Herkner

An einigen Cottbuser Straßenbahnhaltestellen klebten am Montag Zettel mit Kritik an den Sparplänen. Der Verfasser ist unbekannt. Bemängelt wird vor allem die Aussage "von einigen Stadtverordneten", dass der Streckenast nach Alt-Schmellwitz von niemanden genutzt werde. Das entspreche nicht den Tatsachen. Vielmehr verfüge Alt-Schmellwitz über ein nicht unerhebliches Fahrgastpotenzial. "Zwischen Bonnaskenplatz und Nordfriedhof befinden sich Mietwohnungen mit geringem Leerstand im Einzugsbereich, und auch der restliche Streckenabschnitt ist durchgehend teils mit Zweigeschossern bebaut." Es fehle einzig der politische Wille, schreiben die Verfasser.

Die Sparmaßnahme, eine Milchmädchenrechnung?

Die Stadt will nach internen Plänen 40.000 Euro pro Jahr sparen. Doch der Betriebsrat von Cottbusverkehr bezeichnet das als Milchmädchenrechnung. Zum einen werde ein Ersatzbus gebraucht. Außerdem werde die Strecke aus fahrplantechnologischen Gründen als Ausweichstrecke gebraucht. Sie kann also nicht zurückgebaut werden und muss auch ohne Verkehr weiter erhalten werden.

Neuer Protest geplant

Am Mittwoch will die Gewerkschaft Verdi vor dem Stadtparlament gegen die mögliche Einstellung der Straßenbahnlinie 1 protestieren.

Viele Stadtverordnete werden unruhig und sehen Beratungsbedarf. Denn im Frühjahr sind Kommunalwahlen. Da kommen schlechte Nachrichten bei den Wählern meist nicht gut an.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

15 Kommentare

  1. 15.

    Es werden auch in vielen Städten wieder Straßenbahnen gebaut und ausgebaut wo sie schon mal gefahren ist und in sachen Dieselfahrverbot in Deutschland wohl ein schuss ins Knie außerdem kommt die Straßenbahn wesentlich billiger davon wie der Bus.

  2. 14.

    Von wem hat Herr Niggemann das demokratische Mandat einfach aus Spargründen eine Straßenbahnlinie einzustellen und durch Busse zu ersetzen?!
    Seine Aufgabe ist es, daß alle - alle sozialen und öffentlichen Leistungen, die in der Verantwortung des Staates und den Städten und Gemeinden liegen, und über die Steuereinnahmen finanziert werden, für diese Zwecke eingesetzt werden! Sollten die Mittel nicht ausreichen, muß überlegt werden, wie kann ich meiner staatlichen Verantwortung gerecht werden? Einsparungen sind so an erster Stelle bei den Posten vorzunehmen, die nicht unbedingt lebensnotwendig sind. An erster Stelle sind so Einsparungen bei den "Diäten" der Abegordneten, die sich gerne "Volksvertreter" nennen, in Erwägung zu ziehen. Kürzer treten, eine Diät bei den Abgeordneten-Bezügen, tut dem Staats- und dem Stadthaushalt sehr gut.
    Einsparpotenzial bieten auch die hirnrissigen Ampelschaltungen in der Stadt, sie sind ein Hindernis und Bremse im Verkehrsfluss!!!

  3. 12.

    Ich muss ein klein wenig widersprechen: Sicherlich ist es hypothetisch sich vorzustellen, wäre die Stadt nicht geteilt gewesen. Die Begründung zur Einstellung der Straßenbahn im Westen Berlins war jedoch nicht vorrangig die Teilung, es war schlicht der Umstand, den auch "Wunderlich" in fast schon bewundernswerter Offenheit bekanntgibt: Sie galt dem Autoverkehr als im Wege. Und alles, was der "einzig vorstellbaren Verkehrsart" im Wege war, musste natürlich beiseite geräumt werden. Das galt auch für Radfahrer und für Fußgänger. Oftmals wurden sie in Tunnel verbannt, ebenerdige Überwege wurden geschlossen, damit keiner wegen ihnen anhalten musste und bei der Kreuzung nahe des ICC mussten die Radfahrer ihr Gefährt treppab, treppauf tragen, um von einer Straßenseite zur anderen zu kommen. Weil sie ja ebenerdig "DEN" Verkehr gestört hätten.

    Für uns heute ist so eine Geistesverengung unvorstellbar. Doch es gab sie.

  4. 11.

    Wo haben Sie Ihre geschichtlichen Kenntnisse her? Aus der gleichen Quelle wie das "Gescheute", das sie "gehöhrt" haben?
    In Berlin wurden die Straßenbahnen (nicht Strassenbahnen) wegen der Teilung der Stadt stillgelegt. Nach der Wiedervereinigung hat man einige Strecken wieder in Betrieb genommen.

    Straßenbahnen können für Autofahrer nur dann ein "Ärgernis" sein, wenn der Autofahrer die Verkehrsregeln nicht beherrscht. Im übrigen sind Autofahrer nicht der Nabel der Welt.

    "Erste gescheute was ich höhre nach langer Zeit." Dann liegt das wohl an Ihren Informationsquellen.

  5. 10.

    Da gilt es, Einträger Wunderlich, sich in der Welt umzuschauen. "Kraftfahrer", also Kfz-Nutzende, sind nur ein TEIL des Verkehrsgeschehens, nicht aber DAS Verkehrsgeschehen. Gleichauf ist eben der öffentliche Nahverkehr, will sagen: Straßenbahn und Bus, dann das Rad und das zu Fuß Gehen. Jede Verkehrsart hat ihre speziellen Vorzüge und Nachteile. Alles andere ist eine verengte Sicht und ein Egoismus zu Lasten anderer.

    Eine Straßenbahn, dort wo sie bspw. im dichten Takt fährt, bewegt mit ihren zwei Gleisen so viel wie eine vierspurige Straße, bei sehr dichtem Takt sogar sechs. Die meisten Straße gerade in den westlichen Teilen Berlins sähen tausendmal besser aus, gäbe es statt sechs Spuren nur zwei und dazu zwei begrünte Gleise der Straßenbahn. Von der Kapazität her käme das gleich.

  6. 9.

    Dass ein vglw. etwas geringer in Anspruch genommener Straßenbahnast aus dem Betrieb genommen werden müsse, ist in der Tat zu kurz gedacht. Wichtig ist das Gesamtsystem der Straßenbahn. Durch die Herausnahme eines Linienastes erhöht sich der Fixkostenanteil der anderen Äste, weil die Grundstruktur ja gleich bleibt.

    Mit dem gleichen Argument wie jetzt in Cottbus wurde schon in den 1970er Jahren in Kassel versucht, zwei etwas geringer frequentiertere Äste stillzulegen - die zur Hessenschanze und zum Wolfsanger. Doch das hat sich - wegen des vorgetragenen Argumentes - nicht durchsetzen lassen. Inzwischen hat Kassel seine Straßenbahn sogar hervorragend ausgebaut, bis weit in das Umland hinein.

    Cottbus ist zwar wesentlich kleiner, doch zweifellos ist die Straßenbahn sichtbares Rückgrat des Nahverkehrs. Kein Bus kann einer Bahn das Wasser reichen.

  7. 8.

    Man will den Struckturwandel in Stadt und Region und schießt sich mit solchen Plänen selbst in das Knie. Da wird ein Riesen Knotenpunkt gebaut und denkt über die Einstellung einer Linie nach, wer bitte soll das begreifen. Es scheint einfacher zu sein einfach zu streichen als sich Gedanken zu machen wie es anders geht. Sperrt endlich den Schwerlast Verkehre durch die Stadt, macht Parken und Reisen so attraktiv das man es annehmen kann. Macht endlich Euern Job.

  8. 7.

    Das nenne ich mal "Kunde ist König", es ist ja auch egal Hauptsache der Fahrgast kommt von A nach B, er hat bezahlt.

  9. 6.

    ... und dadurch haben jetzt Kraftfahrer in West Berlin und ändere autogerechte Städte keinerleie Ärgernisse. Keine Riesenstaus auf dem A100, Brückensanierungen sorgen nicht für wochenlange Jammern, nichts...

  10. 5.

    Erste gescheute was ich höhre nach langer Zeit. Strassenbahnen sind schon immer ein Ärgernis für Kraftfahrer,darum wurde sie in Westberlin und anderf Städte abgeschafft.

  11. 4.

    Es wurden in vielen Städten die Straßenbahnen zurückgebaut. Dass dies ein Fehler ist und war, kann man in der einschlägigen Literatur nachlesen.

  12. 3.

    Wer soll das denn bezahlen? "Ein Elektrobus kostet mit etwa 700.000 Euro mehr als das Doppelte eines Dieselbusses der neuesten Euro-VI-Norm" (https://www.heise.de/newsticker/meldung/NRW-Kommunen-setzen-auf-Elektrobusse-3952676.html). Es geht darum die Strecken besser zu beplanen. Man hat in der Vergangenheit Wohnungen an Straßenbahnlinien weggerissen, bekommt es nicht hin der Straßenbahn an Ampeln Vorrang zu gewähren etc.

    Die Straßenbahn einzustellen ist die dümmste aller Ideen.

  13. 2.

    .. schon seit Jahren fahren in Saarbrücken Erdgasbusse...

  14. 1.

    Ach, nach Cottbus hat die Umwelt"hilfe" auch schon die Fühler ausgestreckt. Die Linie 1 kann wegen geringer Auslastung von Schmellwitz Anger bis zum Bonnaskenplatz wegfallen. Da würden sich sicher E-Busse eingesetzt werden können.

Das könnte Sie auch interessieren