Archivbild: Am Ortseingang von Mühlrose ist ein Banner mit der Aufschrift «50 Jahre war Kohle unser Leben, wie haben Freunde, Wälder, Straßen hergegeben. Haltet endlich euer Wort, lasst uns zusammen zum neuen Heimatort» aufgenommen am 31.03.2017 (Quelle: dpa/Miriam Schönbach)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.02.2019 | Bild: dpa/Miriam Schönbach

Trotz Kohleausstieg - Lausitzer Dorf Mühlrose soll abgebaggert werden

Ende einer langen Hängepartie: Trotz des anvisierten Kohleausstiegs will die Leag einen weiteren Ort in der Lausitz abbaggern, um 150 Millionen Tonnen Rohbraunkohle zu gewinnen. Noch im März soll der Vertrag dazu unterzeichnet werden.

Während auf Bundesebene um den Kohleausstieg gerungen wird, will die Leag ein weiteres Lausitzer Dorf abbaggern. Für die Erweiterung des sächsischen Tagebaus Nochten soll der Trebendorfer Ortsteil Mühlrose umgesiedelt werden. Das hat das Bergbauunternehmen den 200 Einwohnern am Donnerstagabend auf einer Versammlung bekannt gegeben.

Der 138. abgebaggerte Ort in der Lausitz

Die Umsiedlung sei notwendig, um an 150 Millionen Tonnen Rohbraunkohle für das Kraftwerk Boxberg zu kommen, hieß es in einer Mitteilung der Leag. Noch im März soll der Vertrag dazu unterzeichnet werden. Die Bedingungen der Umsiedlung seien bereits verhandelt.

Mühlrose wäre der 138. Ort im Lausitzer Revier, der der Kohle geopfert wird. Um die Zukunft des Dorfs wurde lange gerungen. "Wir wissen, dass die Mühlroser und die mitbetroffenen Gemeinden Trebendorf und Schleife in den vergangenen Monaten sehr viel Geduld aufgebracht haben. Sie wollen so schnell wie möglich Planungssicherheit", sagte der Leag-Vorstandsvorsitzende Helmar Rendez in einer Mitteilung.

Kretschmer: "Entscheidung für die Menschen in dieser Region"

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Entscheidung der Leag zu Mühlrose "eine sehr wichtige Zukunftsentscheidung". Viele Menschen bekämen nun eine neue Heimat, sagte er in einem Video bei Twitter. "Seit 15 Jahren warten diese Menschen darauf, dass die Umsiedlung beginnen kann. Es ist eine Entscheidung für die Menschen in dieser Region, und es ist eine Entscheidung für Investitionssicherheit." Ihm gehe es darum, dass der Prozess nun zügig beginnen könne und "dass sich auch alle demokratisch daran halten". Die Menschen vor Ort hätten sich diese Entscheidung gewünscht. "Und ich erwarte, dass auch alle von außen diese Entscheidung respektieren."

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11 Kommentare

  1. 11.

    Leute, die ihr euch hier aufregt, habt ihr schon mal die Einwohner gefragt? Die möchten schon seit einigen Jahren Umziehen. Ihr regt euch über Dinge auf, die euch weder betreffen noch von der ihr auch nur die geringste Ahnung habt.
    Wo der Strom kostengünstig ohne Kohle herkommen soll, könntet ihr in 20Jahren ja mal beantworten, aber dann steht ihr sehr wahrscheinlich nicht mehr hinter eurem Kommentar. Elektrischer kommt ja aus der Steckdose ..... aber lauft den Grünen nur hinterher, wie dem Flötenspieler von Hameln ;-)

  2. 9.

    Da der "Kohleausstieg" erst für 2038 vorgesehen ist, ist natürlich zwungend bis dato noch für einen gesicherte Versorgung mit Energie zu sorgen. Seit 15 Jahren war das klar, dass dafür noch Ansiedlungen weg gebaggert werden. Ob das nun "unveranwortlich und profitgetrieben" ist, steht auf einem anderen Blatt. Und so überraschend kam es für die Mühlroser nun auch nicht.
    Wie @ Dr. Kawasaki schon schrieb: " .... Braunkohle ist nicht unverzichtbar ..."

  3. 8.

    Vor dem Hetzen einfach mal informieren. Es wurde ein Vertrag geschlossen. Eine Willensbekundung zweier (oder mehrerer) vertragschließender Parteien. Informieren Sie sich einfach mal vor Ort über die Gegebenheiten und die Befindlichkeiten der betroffenen Bewohner. Auch im Rheinland gibt es sehr viele Menschen, die es bevorzugen ein nagelneues Haus samt Grundstück (finanziert von der ach so bösen RWE)ihr Eigen zu nennen. Nur dazu müsste man sich halt in den dortigen lokalen Medien mal informieren anstatt hier billige Hetze zu betreiben.

  4. 6.

    Nachdem Vattenfall/LEAG den Ort über 15 Jahre durch Dreck,Staub und Lärm " Sturmreif geschossen" hat kann man die betroffenen Menschen sogar verstehen.
    Skandalös ist das ein Ministerpräsident bejubelt das in seinem Land ein 500 Jahre altes Dorf für immer von der Landkarte verschwindet. Damit zeigt er mehr als deutlich in welchem Auftrag die Landesregierung agiert.

  5. 5.

    Das hat nichts mit Verlogenheit zu tun.
    1. Geht es um erneuerbare Energien, nicht um Kohle, dass ist ein Unterschied!
    2. Ist die Fläche, die für die Kohle gebraucht wird weitaus größer, als für einen Windpark
    3. Gibt es strenge Auflagen, was für Wälder gefällt werden dürfen. Hambacher Forst: historischer Laubwald. Es durfen nur Nutz- und Wirtschaftswälder, die meist Nadelwälder sind, gefällt werden.

    Quelle: https://www.ksta.de/wirtschaft/rodungen-wenn-baeume-fuer-windraeder-fallen--gibt-es-wenig-protest-31319412

  6. 4.

    Schon gemerkt, dass die Leute da jetzt weg wollen? Und hoffentlich treten sie den Klima"aktivisten ordentlich in den H...., wenn die dort aufkreuzen. 100 km vom Hambacher Forst werden 10.000 Bäume gefällt, um Windrädern Platz zu machen. Daran sieht man die Verlogenheit auch dieser "Aktivisten.

  7. 2.

    Hoffentlich wehren sich die Opfer mit allen Mitteln dagegen! Das Verhalten der LEAG ist einfach nur unveranwortlich und profitgetrieben. Hier wird Heimat zerstört. Und zwar unnötigerweise. Dass Gerichte das überhaupt noch zulassen, ist skandalös. Braunkohle ist nicht unverzichtbar - im Gegenteil. Sie blockiert die Zukunft und schafft nur Verwüstung!

  8. 1.

    Lieber RBB, seit wann der 138. Ort, der weg gebaggert wird? Seit 1990?

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