Christiane Hipp, amtierende Präsidentin der BTU Cottbus Senftenberg (Foto: rbb/Schneider)
Video: Brandenburg Aktuell | 25.04.2019 | Jana Wochnik-Sachtleben | Bild: rbb/Dirk Schneider

Land hat Fördermittel beim Bund beantragt - In Cottbus könnten künftig Mediziner ausgebildet werden

Cottbus soll einen Medizinstudiengang bekommen. Er könnte dabei helfen, den Ärztemangel zu lindern und auch neue Jobs schaffen, um den geplanten Kohleausstieg abzufedern. Die amtierende BTU-Präsidentin freut sich, aber es gibt auch Kritik.

An der BTU Cottbus-Senftenberg könnte es in Zukunft eine medizinische Fakultät geben. Wie der Pressesprecher der Staatskanzlei in Potsdam, Florian Engels, dem rbb bestätigte, hat das Land Brandenburg dafür Fördermittel beim Bund beantragt. "Wir arbeiten seit einiger Zeit an dieser Idee. Eine solche Medizinerausbildung wäre ein weiterer starker Impuls für die Lausitz. Wir sind dazu jedoch noch in verschiedenen Abstimmungsgesprächen", sagte Engels.

Die Ausbildung soll laut Ministerpräsident Dietmar Woidke eingebettet sein in das Konzept Gesundheitscampus Brandenburg mit der Universität Potsdam, der BTU Cottbus-Senftenberg und der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) - und in Cottbus stattfinden.

Ärztemangel in Ostdeutschland bekämpfen

Geplant sei demnach, den Aufbau der medizinischen Fakultät in das Stärkungsgesetz für Kohleregionen zu integrieren. Eine Anlauffinanzierung des Bundes in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro sei nötig, weil Brandenburg allein das Projekt nicht finanzieren könne, so Engels weiter. Experten schätzen, dass allein der Aufbau der in Cottbus fehlenden Chemie-, Physik- und Anatomie-Sparte knapp eine Milliarde Euro kosten würde.

Das Land sieht in dem Projekt auch eine Chance, den Ärztemangel in den ostdeutschen Bundesländern zu bekämpfen.

Positive Reaktionen aus Cottbus

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch bezeichnet die Entscheidung der Landesregierung als "klares politisches Signal zur Stärkung des Standortes Cottbus im Strukturwandel." Sie sei seiner Ansicht nach außerdem wegweisend für zukünftige wissenschaftliche, technische und weitere unternehmerische Ansiedlungen in Cottbus und der Region.

Die amtierende Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, Christiane Hipp, begrüßt die Pläne ebenfalls. Ein Studiengang Medizin könnte ihrer Ansicht nach der Cottbuser Uni nicht nur neue Studenten bescheren, sondern auch das Profil der Hochschule stärken. "Wir sind als technische Uni im Bereich Medizintechnologie schon sehr aktiv", betont sie. So gebe es mit der Uni Potsdam und der Medizinischen Hochschule Brandenburg eine gemeinsame Fakultät Gesundheitswissenschaften.

CTK-Geschäftsführer Dr. Götz Brodermann (Quelle: rbb/Thomas Krüger)
Götz Brodermann | Bild: rbb/Thomas Krüger

Auch der Chef des Carl-Thiem-Klinikums in Cottbus, Götz Brodermann, reagierte am Donnerstag positiv auf die Idee der Medizinerausbildung. Er sei froh, dass das Land sich "dazu bekennt, dass man das möchte und dass man es in Cottbus möchte und natürlich dann auch mit uns als Partner im CTK."

Laut Brodermann hätte die Etablierung einer medizinischen Fakultät mehrere Effekte. Sie würde die Region stärken, der Klinik beim Thema Fachkräftemangel helfen und Arbeitsplätze schaffen. "Man geht davon aus, das es mindestens 1.000 zusätzliche direkte Arbeitsplätze und zirka 1.500 bis 2.000 indirekte Arbeitsplätze sind." Bis an so einer Fakltät tatsächlich gearbeitet werden kann, könne es aber dauern. "Von der endgültigen Entscheidung bis zum Start müssen sie fünf bis acht Jahre rechnen", so Brodermann.

Träger der Medizinischen Hochschule sehen Gesprächsbedarf

Als Reaktion auf die Pläne der Landesregierung haben der Landkreis Ostprignitz-Ruppin sowie die kreisfreie Stadt Brandenburg an der Havel und die Fontanestadt Neuruppin gemeinsam eine Pressemitteilung veröffentlicht. Sie sehen dringenden Gesprächsbedarf.

Einerseits würden sie sich als Träger der Medizinischen Hochschule Theodor Fontane (MHB) freuen, "dass das Land Brandenburg die Notwendigkeit einer eigenen Ausbildung von Ärzten anerkennt und hierzu auch Beiträge leisten will," schreibt der Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin, Ralf Reinhardt. Allerdings müsse dann auch an die MHB gedacht werden.

Konkret heißt es in dem Schreiben: "Die vorgesehene Einbindung einer neu aufzubauenden Medizinischen Fakultät an der BTU Cottbus in das Lausitzpaket des Bundes [...] verlangt, dass die bisher nur ideelle Landesunterstützung der kommunal getragenen MHB [...] in eine mindestens gleichartig nachhaltige und verlässliche Förderung und Finanzierung wie im Süden des Landes weiterentwickelt wird." Er erwähnt dabei, dass der Nordwesten Brandenburgs ebenfalls strukturschwach sei.

"Frankfurt hat auch einiges zu bieten"

Einer, der immer versucht hat, eine medizinische Fakultät nach Frankfurt/Oder zu holen, ist der ehemalige Oberbürgermeister, Martin Wilke. Er findet es prinzipiell gut, dass das Thema für Brandenburg überhaupt erstmal wieder geöffnet wurde. Wilke könne sich so eine Fakultät auch in Frankfurt vorstellen. "Hier müssen eben die Standorte ihre Potenziale in die Waage werfen und sich auch mal beim Land vorstellen." Da müsse aktiv etwas passieren, so Wilke. "Frankfurt hat da auch einiges zu bieten. Ich glaube die Viadrina muss wachsen, es müssen weitere Fakultäten dazu kommen und die Medizin war historisch immer ein Thema für die Viadrina."

Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) René Wilke spricht am 15.06.2018 mit Brandenburg aktuell (Bild: rbb-Fernsehen/Brandenburg aktuell)
René Wilke | Bild: rbb-Fernsehen/Brandenburg aktuell

Frankfurts OB fordert landesweite Diskussion

Frankfurts amtierender Oberbürgermeister René Wilke mahnt in der Diskussion um mögliche neue Standorte von Landesbehörden außerhalb Potsdams mehr Sachlichkeit an. Er fordert zunächst eine landesweite Diskussion. "Das ist eigenlich meine Kernforderung, dass man jetzt nicht ad hoc solche wichtigen Entscheidungen aus dem Bauch heraus fällt." Es müssten auch vernünftige Maßstäbe angelegt werden, so Wilke.

Für Frankfurt/Oder sei aus seiner Sicht vieles denkbar. "Ich hätte mir auch vorstellen können, dass das Energieministerium in die Lausitz geht, und dass wir hier als Hochschul- und Kulturstandort gestärkt werden. Das wäre aus meiner Sicht plausibler gewesen."

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