Symbolbild - Eine Hand greift an einer Tanksäule zum Dieselhahn, auf dem die Frage steht: "Was ist dein Auto wert?" (Bild: dpa/Felix König)
Bild: dpa/Felix König

Landgericht Cottbus - Dieselfahrer darf wegen Abgasmanipulation Auto zurückgeben

Die Marke Skoda gehört zum VW-Konzern und ist damit auch in den Skandal um manipulierte Abgaswerte verwickelt. Ein Skoda-Fahrer wollte seinen Diesel deswegen zurückgeben. Das Landgericht Cottbus urteilte: Der Konzern muss das Auto zurücknehmen.

In Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal hat das Landgericht Cottbus zugunsten eines Autobesitzers entschieden. Wie der rbb exklusiv von den Rechtsanwälten des Klägers erfahren hat, darf der betroffene Halter seinen Wagen an den VW-Konzern zurückgeben.

Er bekommt knapp 22.000 Euro zurück. In der Summe ist eine Nutzungsentschädigung enthalten, die von dem Kaufpreis abgezogen wurde. Der Skoda hat beim Neukauf vor fast sechs Jahren rund 35.000 Euro gekostet.

Das Urteil (Az. 2 O 610/18) fiel bereits Ende Juni, wurde aber erst jetzt bekannt. Es ist noch nicht rechtskräftig, es kann Berufung eingelegt werden.

Manipulationssoftware verschwiegen

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass es eine vorsätzlich sittenwidrige Schädigung durch VW gegeben habe. Diese liege darin, dass der Dieselmotor in Verkehr gebracht und die gesetzeswidrige Softwareprogrammierung verschwiegen worden sei. Die Manipulationssoftware wurde vom Gericht als illegale Abschalteinrichtung gewertet.

Der Kläger habe damit einen "für ihn wirtschaftlich nachteiligen Kaufvertrag abgeschlossen", heißt es in einer Mitteilung der Anwälte, die dem rbb vorliegt. "Unter lebensnaher Betrachtung würde nämlich kein vernünftig denkender Verbraucher ein Fahrzeug erwerben, welches mit einer gesetzeswidrigen Software ausgestattet ist", heißt es weiter.

In den vergangenen Monaten hat es bereits ähnliche Entscheidungen gegeben. Unter anderem hat das Landgericht Potsdam zugunsten eines VW-Fahrers geurteilt.

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ehrlich gesagt wundert es mich, dass Landgerichts-Urteile bei dem Thema überhaupt noch einen Bericht wert sind. Da gibt es inzwischen so viele, dass wir z.B. gar nicht mehr mit dem aufzählen hinterherkommen: https://rechtecheck.de/vw-abgasskandal/#urteile

  2. 5.

    Genau genommen, sollten die im Labor ermittelten Verbräuche auch nie den tatsächlichen Verbrauch in der Praxis abbilden, dafür war das zu fahrende Szenario viel zu praxisfern. Die vom Hersteller anzugebenden Verbrauchswerte waren in erster Linie bestimmt, um eine Vergleichbarkeit des Verbrauchs zwischen den verschiedenen Herstellern zu schaffen. Verbrauchte ein VW im Test das Doppelte eines Renaults, so muss man auch in der Praxis davon ausgehen, dass es nicht das sparsamere Fahrzeug sein würde. Der Flottenverbrauch wurde schlussendlich anhand der in den Tests ermittelten Verbräuche politisch festgesetzt. Wäre der Testverbrauch höher gewesen, wäre über andere Flottenverbräuche diskutiert worden.
    Das Problem bei Verbrauchstests ist aber, dass die Motoren genau auf diesen Test hin optimiert werden. In der Praxis führen dann kleineste Abweichungen zu enormen Mehrverbräuchen.

  3. 4.

    Dieselautos mit Chiptuning zur Leistungssteigerung sind durch das Chiptuning dann auch, jedoch bewusst, mit einer gesetzeswidrigen Software ausgestattet ...
    Na aber sowas würde doch auch keener machen, is doch janich erlaubt, dann is in Berlin sowieso schon so viel Tempo 30 (uffer AVUS seit Jahren Tempo 100!) und dann stehen überall noch diese unkaputtbaren Blitzer zur Stadtverschönerung rum...

  4. 3.

    Sehr gut! Der Käufer wurde betrogen! Betrüger müssen für den Schaden aufkommen!
    Warum nur einer? Warum nur Skoda? Das sollte für alle Opfer des Betrugs gelten!

  5. 2.

    Das die vom Hersteller angegebenen Laborverbräuche, egal ob Diesel- oder Benzinmotor, nie stimmen, sollte eigentlich jeder wissen, der in der Schule nicht nur singen und klatschen hatte, und mal die an der Zapfe getankten Liter gegen die gefahren Kilometer gegenrechnet! Diese Laborwerte dienen nur den Flottenverbräuchen der Hersteller die sich schönrechnen damit sie in der Umweltbilanz gut dastehen.

    Und Dieselautos mit Chiptuning zur Leistungssteigerung sind durch das Chiptuning dann auch, jedoch bewusst, mit einer gesetzeswidrigen Software ausgestattet ...

  6. 1.

    Unter lebensnahen Bedingungen haben die Kunden allerdings in Kauf genommen, dass das Auto auf der Straße eine wesentlich höheren Kraftstoffverbrauch hat als im Labor. So ganz schlüssig finde ich die Begründung des Gerichts deshalb nicht. Ein sechs Jahre altes Auto war zudem schon vor dem Dieselskandal weniger als die Hälfte des Neupreis wert.

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