Symbolbild: Flüchtlinge in einer Gemeinschaftsunterkunft (Quelle: imago/Michael Schick)
Bild: imago-Symbolbild/Michael Schick

Offener Brief über desolate Zustände - Die Angst geht um bei den Flüchtlingen in Hohenleipisch

Die Bewohner des Flüchtlingsheims in Hohenleipisch wollen nur noch weg. In einem offenen Brief machen sie ihrem Ärger über desolate Zustände Luft - aber auch ihrer Angst. Denn eine Frau aus ihrem Heim wurde tot aufgefunden, und der Fall ist bisher nicht aufgeklärt.

Der Flüchtlingsrat Brandenburg und die Organisation "Women in Exile" haben die Schließung des Flüchtlingsheimes im Brandenburgischen Hohenleipisch (Elbe-Elster) gefordert. Die Situation dort sei desolat, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung [externer Link]. Unter anderem war im April dieses Jahres eine junge Mutter aus der Unterkunft verschwunden. Bei Ermittlungen stießen die Behörden fast zwei Monate später auf die sterblichen Überreste der Kenianerin. Die Todesumstände sind noch immer ungeklärt.

Seit dem Vorfall haben viele der insgesamt 120 Heimbewohner Angst. "Ihre Kinder lassen sie längst nicht mehr allein zum Spielen nach draußen", heißt es in dem Schreiben. Die Organisationen fordern nun "eine menschenwürdige Unterbringung" für die Geflüchteten in Hohenleipisch und stützen sich dabei auf einen offenen Brief der Bewohner [externer Link].

Diese kritisieren darin zudem, die Gebäude seien alt und befänden sich in einem schlechten Zustand. In dem Heim rieche es unangenehm und es sei äußerst eng. Zudem gebe es Kakerlaken. Insgesamt erinnert das Leben im Heim dem Brief zufolge an ein Gefängnis. "Wir wollen einfach nur hier weg", schreiben die Bewohner.

"Von der Zivilisation abgeschnitten"

Die Flüchtlinge beklagen auch die extrem isolierte Lage der Sammelunterkunft und beschreiben die Waldlage als "von der Zivilisation abgeschnitten". So gebe es keine Freizeitmöglichkeiten und die Anbindung an den Busverkehr sei schlecht. Laut der Mitteilung der Organisationen fahre der letzte Bus zum Heim bereits um 17:30 Uhr, am Wochenende gebe es gar keine Anbindung. Integration sei so nicht möglich.

Dazu komme die Angst, dass der mutmaßliche Mörder der zweifachen Mutter möglicherweise noch im Heim lebe, heißt es.  "Abends haben wir Angst, alleine ins Bad oder auf die Toilette zu gehen."

Die Ermittlungen der Polizei zu dem ungeklärten Todesfall laufen noch, zuständig ist inzwischen die Staatsanwaltschaft. Die Geflüchteten verlangen, Hohenleipisch verlassen zu können und an einem anderen Ort unter besseren Bedingungen untergebracht zu werden.

Landkreis lehnt Schließung ab

Auf Nachfrage von rbb|24 teilte der Landkreis Elbe-Elster in einer schriftlichen Stellungnahme mit, er könne die Forderung nicht nachvollziehen und lehne die Schließung des Heims ab. "Der Landkreis betrachtet den Standort grundsätzlich für geeignet, Asylbewerber unterzubringen." Für die Bewohner der Unterkunft stünden drei Sozialarbeiter und ein Einrichtungsleiter zur Verfügung. Der Tod einer Heimbewohnerin sei zwar tragisch aber kein Grund, das Heim zu schließen.  

Die Kreisverwaltung habe sich in den vergangenen Jahren um die Herrichtung von zwei Gebäuden zur Unterbringung der Flüchtlinge gekümmert und entsprechend investiert, heißt es in der Stellungnahme.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.07.2019, 16:30 Uhr

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50 Kommentare

  1. 50.

    Mir scheint, dass Sie die individuellen Eigenschaften der betroffenen Migranten auf den Besuch eines 600 m entfernten Lebensmittelhändlers reduzieren wollen. Artikel 2 (1) des Grundgesetzes: Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. - Ohne ausreichende Geldmittel und fehlende Möglichkeiten, wird dieses Grundrecht in unzulässiger Weise eingeschränkt. Vielleicht könnten Sie erkennen, dass Ihre Sichtweise zu stark eingeengt ist.

  2. 49.

    Welche angeblichen "haltlosen Unterstellungen." werfen sie mir denn vor? Ich warte nur darauf meine Unterstellungen mit Belegen zu untermauern, nur zu!

  3. 48.

    Sie sind hart an der Grenze der üblen Nachrede. Lassen Sie bitte jegliche Art von solchen haltlosen Unterstellungen.

  4. 47.

    Wer so unserös wie die Heimleitung auftritt, dem glaube ich kein Wort. Sie betreten (unerlaubt?) ein Zimmer um den Bewohner vorzuführen, EIN Zimmer wohlgemerkt! Dazu gibt es dann rassistische Sprüche aus der Retorte "kulturelle Unterschiede" und ein paar Merkwürdigkeiten was die Betreiberfirma aber auch den Landrat angeht.

    Die Betreiberfirma ist schon des öfteren mit ihren Geschäftspraktiken aufgefallen, überspitzt formuliert "Geld machen um jeden Preis", was in der Branche leider nicht unüblich ist. Die Ehefrau des Landrats war in der selben Branche tätig und ist Mitglied der "Werteunion" und deren Verhältnis zu Asylbewerbern und Integration dürfte bekannt sein.

  5. 46.

    Wird von der Heimleitung bei Strafe verboten, die Unterkunft sauber und aufgeräumt zu halten oder wie kommen Sie zu Ihrer Unterstellung? Offensichtlich ist an den angeblich unwürdigen Zuständen nichts dran, was die Bewohner nicht selbst beheben könnten. Der nächste Lebensmittelhändler in Hohenleipisch ist übrigens zwei Kilometer entfernt, der Ortsrand gute 600 Meter. Von Isolation oder gefängnisähnlichen Zuständen kann überhaupt keine Rede sein.

  6. 45.

    Wenn ich tausende Kilometer Flucht ums nackte Überleben hinter mir hätte und schließlich im sichereren Deutschland angekommen bin, wäre es sicher das geringste Problem für mich, dass es bis zum nächsten Supermarkt 8km sind. Die gleiche Entfernung und die gleichen Busanbindungszeiten hat übrigens auch ein in Hohenleipisch lebender Rentner zur Verfügung.
    Bin selbst 1989 in die damalige BRD geflüchtet und wurde in einer ehemaligen Bundeswehrkaserne mitten im Wald in einem 8 Personen - Zimmer untergebracht. Einmal pro Woche ging es mit dem Bus zum einkaufen nach Paderborn und drei Stunden später wieder zurück. Ich könnte mich nicht erinnern, dass auch nur einer der 600 Bewohner dies als "unmenschlich " empfand!

  7. 44.

    Sie haben noch vergessen dass der Betreiber dann noch alles auf die Bewohner schiebt "die sind halt so", wortwörtlich "kulturelle Unterschiede", womit er bei vielen Brandenburger punktet.

  8. 43.

    Die Strategie ist klar: Erst die Unterkunft verranzen lassen und die Flüchtlinge vernachlässigen, dann nach Protesten schnelle Aufräum- und Reinigungsarbeiten, anschließend die Presse und die Behörde einladen, abschließend mit Unschuldsmine Abwehr und größtmögliche Verharmlosung betreiben.

  9. 42.

    So lange Ausgrenzung und Diskriminierung die Leitlinien der Politik gegen Geflüchtete sind werden solche Zustände leider traurige Realität bleiben.

  10. 40.

    Egal. Sie sind nunmal so. Da die Diskussion damit Dank Ihnen voll vom eigentlichen Anliegen abdriftet ist es wohl sinnlos, hier zum Thema. Ich weiter zu kommentieren.

    Mich hätte mal die Meinung der Bewohner des Ortes interessiert. Ist der Ort wirklich so isoliert? Was denken die Hohenloipischer über die Sache?

  11. 39.

    Fehlende Empathie und kein Bewusstsein für die Menschenwürde von Flüchtlingen, behinderten Menschen, Bezieher*innen von Sozialleistungen, Opfern von Straftaten, u.a. geht meilenweit am Thema vorbei? - Mir ist klar, dass Ihnen die Wahrheit nicht schmeckt, weil Sie sich ignorant äußern und keine Ambitionen zeigen, die Fakten im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und im Geiste der Verfassung des Bundeslandes Brandenburg zu beleuchten. Laufen bei Ihnen Kakerlaken durch die Wohnung und stinkt es bei Ihnen wie in der Flüchtlingsunterkunft? Meine Probleme haben Millionen anderer Menschen auch in Deutschland, womit sich die Inkompetenz von zu vielen Grundrechtsverpflichteten offenbart.

  12. 38.

    Ich finde es geschmacklos, jedwedes Thema mit Ihren persönlichen Problemen vollzuladen. Sie wollen jede Diskussion für Ihre persönlichen Dinge missbrauchen. Ihr Kommentar geht wieder mal meilenweit am Thema vorbei.

  13. 37.

    "Nehmen Sie doch bitte Flüchtlinge zu Hause auf, dann sind Sie glaubhafter."

    Sie haben mir gestern meine Nachtschicht versüßt, danke dafür. Keinen Dank bekommen sie für ihren äußerst plumpen Versuch anderen vorzuwerfen, was sie selbst tun.

    Leute wie sie sollten beim besten Willen nicht von "Diskussionskultur" faseln. Der ging nach hinten los...

  14. 36.

    Mein Problem besteht darin, dass sich das Bundesland Brandenburg nach den geschilderten Einzelheiten als unfähig erweist, die Menschenwürde der betroffenen Menschen zu achten, was sämtliche Details einschließt. Ich bin als deutscher Staatsbürger mit ständigen Wohnsitz in Berlin von seltsamen Grundrechtsauffassungen in Brandenburg persönlich betroffen, weil ich als schwerbehinderter Bezieher von Grundsicherungsleistungen im erweiterten Klagefall vor das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg ziehen muss. Und dort wurde mir in einer öffentlichen Verhandlung mitgeteilt, dass es Nigeria auch keine UN-Behinderrechtskonvention gibt und es keine Rolle spielt, ob wir hier in Deutschland sind. Wir reden hier über reichlich fehlende Empathie!

  15. 35.

    Anscheinend werden hier Chancen verpasst. Laut Brief wollen sich viele Bewohner integrieren, die Sprache lernen und den Austausch suchen. Wie steht denn die lokale Bevölkerung dem gegenüber? Gibt es denn ehrenamtliches Engagement, das in der Berichterstattung leider nicht erwähnt wird?

  16. 34.

    Das Asylbewerberheim Hohenleipisch ist durch kriminelle Attacken bekannt geworden. Ein Inder sagte, er wurde von einem Mitbewohner mit einem Messer angegriffen, ein Kameruner schlug eine Landsfrau, um ihr Handy zu stehlen. Bei der Festnahme randalierte der Kameruner und griff die Beamten unvermittelt an. Dann die tote Asylbewerberin aus Kenia.

    RBB berichtete, in dem Asylbewerberheim sind Migranten aus Afghanistan, Eritrea, Ghana, Indien, Irak, Iran, Kamerun, Kenia und Libyen untergebracht. Alles keine klassischen Asylländer und daher gilt für die Bewohner nur eine geringe Bleibeperspektive.
    Im Interesse auch der Bewohner sollte man die Asylprüfung beschleunigen, damit hier nicht jahrelange Aufenthalte entstehen. Seehofer hatte das mit seinen Zentren geplant, nur durchgesetzt hat er sie nicht, es gab hinhaltenden Widerstand von Grünen und Roten.

  17. 33.

    Hallo, gibt es jemand, der den Ort aus eigener Anschauung kennt? Ich habe jetzt mal gegoogelt und musste feststellen, der Ort hat knapp 2000 Einwohner. Leben die alle so isoliert und am Wald? Ist der Ort flächenmässig so gross, dass die Unterkunft weit ab vom restlichen Ort ist? Es erscheint mir relativ unwahrscheinlich, dass nicht alles fussläufig oder per Rad erreichbar sein soll. Was machen denn die Einwohner des Ortes in ihrer Freizeit? Für mich klingt dies einfach nach Dorf und Landleben. Dort ist naturgemäß weniger Action, aber dennoch gibt es immer ein Dorfleben.

  18. 32.

    Sie meinen sicherlich mit "noch`n paar andere" die Beiträge 1., 6., 8., 15., 19. (24-26). Ganz ihrer Meinung - dieses Keulengeschwinge langweilt total. Passt zum Thema "Wir müssen den Menschen zuhören", usw. Letztlich wird doch nur wieder angefeindet und mit exklusiv gepachteter Wahrheit inkl. Moralmonopol oberlehrerhaft salbadert.

    Obwohl schwer vorstellbar wie es sich real anfühlen mag, gehe ich trotzdem mal davon aus, dass es mir persönlich wohl ziemlich egal wäre, wie ich untergebracht bin, solange ich nicht mehr jeden Tag um mein Leben fürchten muss (elementare Grundversorgung in der BRD steht wohl außer Zweifel), was doch zumindest gemäß der medialen Dauerbeschallung die Ausgangssituation der - neutral formuliert - "hier angekommenen" Menschen ausmacht (& mal so nebenbei: die kriminellen Mitbewohner*innen können auch im nobelsten Quartier lauern).

    Ohnehin komisch, dass nicht ein einziges halbwegs sicheres Land zwischen den Herkunftsländern und der BRD zu liegen scheint..

  19. 31.

    "Nehmen Sie doch bitte Flüchtlinge zu Hause auf, dann sind Sie glaubhafter."

    Sie haben mir gerade meine Nachtschicht versüßt, danke dafür. Keinen Dank bekommen sie für ihren äußerst plumpen Versuch anderen vorzuwerfen, was sie selbst tun.

    Leute wie sie sollten beim besten Willen nicht von "Diskussionskultur" faseln. Der ging nach hinten los...

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