Archivbild 2019 | Ausgetrocknete Schwarze Elster (Foto: rbb/Jorewitz)
Video: Brandenburg aktuell | 12.08.2020 | A. Hewel & S. Schiller | Bild: rbb/Daniel Jorewitz

Trockenheit in Brandenburg - Umweltminister stuft Lage in Gewässern als "super-ernst" ein

Brandenburg erlebt den dritten Dürresommer in Folge. Flussteile liegen trocken, Seepegel sinken, die Durchflussmenge der Spree ist auf einen Bruchteil gesunken. Umweltminister Vogel setzt nun auf ein Niedrigwasserkonzept. Es geht vor allem um eins: Wasser sparen.

Auch dieses Jahr scheint ein sehr trockenes zu werden, nach den Dürrejahren 2018 und 2019. Das stellt die Gewässer in Brandenburg vor gravierende Probleme. Die Lage sei "super-ernst", sagte Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) am Mittwoch in "Brandenburg aktuell" vom rbb: "Es müsste sieben Monate lang doppelt so viel regnen wie üblicherweise in einem Jahr, damit wir allein den Rückstand der letzten zweieinhalb Jahre aufholen. Das ist völlig illusorisch."

Das Umweltministerium erarbeite gerade ein Konzept für den Umgang mit Niedrigwasser. "Selbstverständlich müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, Wasser zu sparen", so Vogel. Nach den Vorstellungen der Fraktionen im Umweltausschuss am Mittwoch könnte das mehrere Lebensbereiche treffen.

Auch Speicherbecken sind schon leer

Die Trinkwasserförderung aus dem Grundwasser sei im Moment noch im sicheren Bereich und kein Problem, sagte Vogel. Anders sehe das bei den Flüssen in ganz Brandenburg aus. Die Schwarze Elster sei das extremste Beispiel. Sie sei bereits seit Monaten trockengefallen. Die Welse und die Ucker würden nur ein Zehntel ihrer üblichen Wassermenge um diese Jahreszeit beinhalten. In mehreren Landkreisen gibt es ein Entnahmeverbot aus Oberflächengewässern.

Auch die Durchflussmenge der Spree sei teilweise auf zehn Prozent gesunken. Die Flutung des Ostsees bei Cottbus stockt und könne praktisch nur bei einer Hochwasserlage fortgesetzt werden - aber die sei in weiter Ferne. Seit dem 26. März ist die Flutung des künftigen Sees eingestellt, weil die Spree zu wenig Wasser führt. Sie ist er Hauptlieferant für den Ostsee. Der Fluss hat über 500 Fließgewässer. Viele werden trocken gelegt, um den Hauptstrom zu erhalten. Die Durchflussmengen sind entlang der Spree von Spremberg bis Große Tränke im Keller, liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel.

Grafik Durchflussmengen Spree (Foto: rbb)

Problematisch sei laut Vogel auch, dass die Speicherbecken, die eigentlich bei Wassermangel geleert werden sollen, schon leer sind. Nun setzt der Umweltminister auf ein Niedrigwasserkonzept für das Land, das gerade erarbeitet wird. Dabei geht es um die Frage, wie eingegriffen werden kann, wenn die Pegel in den Gewässern weiter sinken.

Mögliche Maßnahmen sind laut Vogel zum Beispiel Stilllegungen so genannter Umfluter oder Fließe. Und man müsse auch das Grundwasser im Blick behalten. "Das heißt, dass wir darauf achten müssen, dass weniger entnommen wird, als Neubildungsraten stattfinden."

Wassersparende Systeme für alle Lebensbereiche

"Möglicherweise muss darüber nachgedacht werden, in welchen Bereichen man zu gewissen Zeiten nicht bewässern darf", sagt Thomas Domres, parlamentarischer Geschäftsführer der Brandenburger Linken, im rbb mit Blick auf das Konzept. "Oder man muss gucken, wie man die Situation hinbekommt, dass Wassereinsparungsmöglichkeiten stärker genutzt werden."

Aus Sicht der Grünen-Landtagsabgeordneten Isabell Hiekel müssen die Grundwasserentnahmen auf den Prüfstand. "Wir müssen sehen, ob wir uns das leisten können, große landwirtschaftliche Flächen mit großen Beregnern mit Wasser zu versorgen oder es nicht besser wäre zu schauen, ob wir Kulturen zur Anwendung bringen, die nicht so viel Wasser brauchen", sagte Hiekel dem rbb.

Ingo Paeschke, CDU-Landtagsabgeordneter, blickt auf alle Lebensbereiche. Es brauche langfristig überall wassersparende Systeme. "Das gilt für die Landwirtschaft, das gilt für den heimischen Duschbereich und das gilt für die Industrie."

Das Niedrigwasserkonzept für Brandenburg soll im kommenden Jahr stehen.

Mit Informationen von Oliver Soos

Beitrag von Mit Informationen von Oliver Soos

36 Kommentare

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  1. 36.

    So wird es kommen. Es sei denn niemand kauft sich einen Tesla. Gibt ja noch andere Hersteller, die nicht in Problemzonen Autos fertigen. Auch e-mobie. In 2 Jahren sind die besser als Teslablech.

  2. 34.

    Und was wird passieren? Wasserentnahmeverbot für private Zwecke wie Kleingärten wie in Potsdam und der Rest macht so weiter wie bisher. Und bitte giessen sie Strassenbäume, natürlich mit Trinkwasser, was anderes gibt es ja nicht mehr. WEr kann sich das noch leisten ausser Funktionsträger der Grünen und der Landesregierung?

  3. 33.

    Auf Betreiben der Grünen wurde das Verrieseln von gereinigten Abwasser komplett eingestellt. Es wird Grundwasser gefördert und das gereinigte Abwasser wird dann in Flüsse und Kanäle eingeleitet. Somit ist der Wasserkreislauf unterbrochen. Das nennt man ganz einfach Raubbau. Und nun wundern sich die selben Grünen, dass das Wasser knapp wird.

  4. 32.

    Die Versiegelung ist verdunstungstechnisch eher optimal, wenn man den Niederschlager ordentlich versickern lässt/lassen kann, dann verdunstet deutlich weniger Wasser, als in natürlichen Umgebungen. Aber dadurch, dass weniger verdunstet ensteht leider auch weniger Kühlung durch https://de.wikipedia.org/wiki/Verdampfungsw%C3%A4rme (siehe auch meine Bemerkungen 27.-29.) .

    Aber ich schrieb eben "versickern lassen kann", weil da ja oft z.B, auf dem Asphalt viel Chemikalien, Reifenabrieb u.s.w. mit dabei ist.
    Bei der Teslafabrik sind beim Thema Abwassern aber eher die direkten Chemieabwässer krass. Ich habe heute den Tag damit verbracht mich mal ein bisschen durch den Antrag zu wühlen. Dh. da wird eine ganz andere Art von "Versiegeler" direkt aufs Auto aufgebracht, wie zb betamate 1489 Störfall CAS Nr. E2 Wassergefährdungsklasse (WGK) 2. Und das bleibt nicht alles nur auf den Autos sondern alleine bei der Schneidflüssigkeit (auch CAS E2 und WGK2) entstehen zb 18800 l Abfall im Jahr.

  5. 31.

    ... Der wird Tesla gar nicht kennen. Aber, nicht nur Tesla. Jede Bodenversieglung und mutwilliges Freischlagen/ - Roden von Bäumen. Aber soweit scheint er und die Landesregierung noch nicht zu sein, um dies zu erkennen...

  6. 30.

    Wir haben vor 3 Jahren ein Haus gebaut mit 35.000 Liter Betonzisterne für Regenwasser. Direkt unter der Terasse. Nicht nur der Garten, sondern auch WC und Waschmaschine werden versorgt.
    Wir leben sehr gut damit, war noch nie leer.
    Sollte vielleicht pflicht werden wie dämmen oder Tiefharagen.

  7. 29.

    Noch ein Nachtrag um das noch ien bisschen genauer zu machen: Die Konstante c ist nur in erster Näherung konstant, denn die Verdampfungswärme hängt auch von der Temperatur ab.

  8. 28.

    Noch ein Nachtrag zu meinem Kommentar eben, der noch erläutert warum so ein paar Grad mehr Hitze soviel ausmachen können. Der Anteil der Moleküle, die davonschweben (also Verdunsten) ist quasi proportional zu exp(-c/T), wobei c eine Konstante ist, T die Temperatur und exp die natürliche Exponentialfunktion (https://de.wikipedia.org/wiki/Exponentialfunktion) ist, siehe auch:

    https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4ttigungsdampfdruck

  9. 27.

    Die Dürre wurde hier schon ganz gut erklärt: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2020/07/duerre-niederschlag-brandenburg-regen-klimawandel.html
    Da ist zwar so einiges zu beachten wie zb
    "Im langjährigen Mittel regnet es in Brandenburg jedes Jahr etwa gleich viel. Allerdings fehlt der Schnee im Winter. Der Schnee hält den Boden aufnahmefähig und sorgt dafür, dass der Regen im Frühjahr normal versickern kann", sagt Carsten Linke vom Landesumweltamt Brandenburg."
    letztendlich ist es aber die Hitze die wohl die größte Rolle spielt. Siehe auch Kommentar 37 .

  10. 26.

    Tesla stoppen!!! Schäden noch nicht absehbar.

  11. 25.

    Da denkt die Abgeordnete der Grünen darüber nach, ob die Beregner weiter sinnvoll sind. Spät aufgewacht. Bereits seit Jahrzehnten kann man in deutschen Medien immer wieder Berichte lesen, wie man in Israel mit sog. Tröpfchen Bewässerung mit wenig Wasser sogar Wüsten in ertragreiche Produktionsflächen verwandelt hat.
    Liebe Landesregierung, nehmt euch doch daran ein Beispiel, und ohne wie in Deutschland üblich erstmal zehn Jahre Studien durchzuführen, und führt das hier ein. Macht es bekannt, fördert es, und dann hat unsere Landwirtschaft ganz schnell deutlich weniger Probleme.

  12. 23.

    Woher kommt die Bezeichnung "Dürresommer"? Es ist ja nicht so dass es nicht regnen würde; Schwankungen um den Mittelwert sind normal und berechtigen solche Bezeichnungen nicht. Hier eine aufschlussreiche statistische Analyse:

    https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/niederschlagsentwicklung-in-deutschland-seit-1881/

  13. 22.

    Weder noch. Das übliche, wenn auch nicht von jedem anerkannte, Problem beim Bergbau liegt bzg. Wasser an 1. Stelle darin, dass durch Abpumpung des Grundwassers erstmal Defizit entstand (welches über die Jahre nicht geringe Menge), mit dazu noch "Absenkungstrichter". Spezifisch, dass vom Bergbau abgepumpte Wasser floß üblicherweise in Richtung Meer, und dafür "rutschte" dann Wasser von Oberfläche runter (welches ggf. nochmal abgepumpt wurde). Und da den Bergbau zu preisen, dass vielleicht schon das letzte Grundwasser wegpumpt, sowas scheint absurd.

    Der Bergbau ist diesbezüglich jedoch sicherlich nicht das einzige Problem. Weiter geht es mit Dingen wie relativ breite Felder (und Bodenerosion) sowie insb. in DDR viele Trockenlegungen mit dann auch z.B. monokulturellen Kiefernwäldern (welche nicht unbedingt das idealste um den Boden feucht zu bekommen und zu halten). Also halt Dinge wo ich selber mehr ansetzen würde als nur mit "also Autowaschen nur noch 2x wöchentlich ab 2022".

  14. 21.

    Meine lieben Politiker, jetzt verwirrt Ihr mich ganz und gar. Wasserknappheit, gerade beim Grundwasser, und wir bauen eine "Gigafactury" teilweise in einem Trinkwasserschutzgebiet und in der Nähe des Löcknitztal- Landschaftsschutzgebiet! Wer soll das verstehen? Bitte erklären Sie mir das Mal verständlich.

  15. 20.

    Das Wasserwerk Frankfurt ist direkt abhängig von dem Zufluss aus der Lausitz.
    Das durch Bergbau verursachte Sulfat ist schon jetzt ein Problem, nicht umsonst klagen die auf Einhaltung der Grenzwerte gegen die Leag.

  16. 19.

    Diese Frage stelle ich mir auch. Bereits vor Tesla-Ansiedlung war der Wassermangel in Brandenburg bekannt. Wie konnte man dieses Projekt genehmigen? Industrie geht vor Natur...wie meist. Es ist unerträglich. Mit E-Autos haben wir vielleicht bessere Luft. Nur die ist nicht trinkbar. Nachts die Blunen gießen , damit Tesla tagsüber produzieren kann? Das Teslaprojekt wird sich als Irrweg herausstellen. Nur dann ist es vielleicht zu spät.

  17. 18.

    Was sind schon die paar hundert Mio Kubikmeter Grubenwasser p.a., wenn man nicht weiss wie hoch das ist!

  18. 17.

    Das fürchten viele hier in der Region. Wasser soll allerdings aus Frankfurt / O kommen. !.Waldbrände unbedingt verhindern durch Mehrkontrolle. Nicht so viele Abwanderungen in den "Speckgürtel" zulassen. Deutschland hatte mal 80 000 000 Einwohner.Nicht noch mehr Zuwanderung; Berlinzuzug auch eindämmen. Kleine Dörfer mit Handwerk u. Mittelstand wieder beleben. Nicht so viel Unsinn bauen; zuvor wird oft abgerissen. Eisbergtransportschiffe entwickeln.

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