Bau eines festen Zaun gegen Wildschweine in Pusack (Foto: rbb/Jahn)
Video: Brandenburg Aktuell | 24.09.2020 | Sebastian Schiller / Fred Pilarski / Mona Ruzicka | Bild: rbb/Jahn

Spree-Neiße-Kreis - Bau eines festen Zauns gegen Schweinepest hat begonnen

Vor zwei Wochen wurde der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest im Spree-Neiße-Kreis gemeldet. Inzwischen sind über 30 Fälle bekannt. Nun wird ein fester Zaun an der Grenze gebaut, der Tiere aus Polen fernhalten soll. Von Josefine Jahn

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat der Landesbetrieb Forst am Donnerstag damit begonnen, im Spree-Neiße-Kreis einen festen Zaun gegen Wildschweine zu bauen - zwei Wochen nach dem ersten Fund eines infizierten Kadavers bei Sembten (Spree-Neiße).

Der Zaun entsteht entlang der deutsch-polnischen Grenze und soll den bisherigen Elektrozaun ersetzen. Dieser war Anfang des Jahres fertig gestellt worden, um das Einschleppen der ASP aus Polen nach Deutschland zu verhindern.

Bau eines festen Zauns gegen Schweinepest ASP in Pusack (Foto: rbb/Jahn)
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"Spaghetti für Wildschweine"

Nachdem am Mittwoch das Baumaterial angeliefert worden war, haben am Donnerstagnachmittag die Arbeiten in Pusack (Spree-Neiße) begonnen, dem südlichsten Ort des Kreises an der Grenze zu Sachsen. Gut zwei Meter hoch ist der Knotengeflechtzaun, den Mitarbeiter des Landesforsts erst ausrollen, dann aufstellen und mit Pfeilern verbinden, die in den Boden gerammt werden. Am unteren Ende überlappt das Geflecht. Hier wird es mit Erdankern befestigt, die rund 70 Zentimeter tief in den Boden gehen, damit sich die Wildschweine nicht unter dem Zaun hindurchgraben können.

Denn dahinter lauern Leckerbissen, sagt Carsten Leßner von der Obersten Jagdbehörde im Landwirtschaftsministerium. "Die haben natürlich den Drang, von drüben über den Zaun zu ihrem Fressen zu kommen." Leßner zeigt auf herumliegende Eicheln. "Sowas hier, das ist Spaghetti Bolognese für Wildschweine. Da wollen die hin."

Munitionssuche verzögerte den Zaunbau

Die ersten 60 Kilometer entlang der deutsch-polnischen Grenze sollen voraussichtlich in einer Woche fertig gebaut sein. 900.000 Euro wird der Zaun kosten, der in der Forstarbeit bereits erprobt ist. Für die Kosten kommt das Land Brandenburg auf, sagt die Staatssekretärin für Verbraucherschutz und Leiterin des Landeskrisenstabs Tierseuchenbekämpfung, Anna Heyer-Stuffer.

Der Bau eines festen Zauns war bereits im Juli angekündigt worden. Für einen früheren Baubeginn in diesem Ausmaß habe aber die rechtliche Grundlage gefehlt, sagt Heyer-Stuffer. Gespräche über eine "Zone Blanche", jeweils einen Zaun auf polnischer und deutscher Seite als Präventionsmaßnahme zu errichten, waren im Juli dieses Jahres via Bundesratsbeschluss gescheitert.

Hinzu kamen Hindernisse im Boden, erklärte am Donnerstag Brandenburg Innenminister Michael Stübgen (CDU). "Eine gewisse Verzögerung hat sich ergeben, weil es sich sowohl an der Neiße als auch an der Oder durchweg um ehemalige Frontlinien handelt." Deshalb musste zunächst nach Munition gesucht werden, bevor ein fester Zaun "in den Boden gerammt" wird, sagt Stübgen. Ansonsten seien die Arbeiter gefährdet.

Bau eines festen Zauns gegen Schweinepest ASP in Pusack (Foto: rbb/Jahn)

Zahl der infizierten Wildschweine steigt

Geplant ist, dass der feste Zaun noch weitergehen soll, als der jetzt geplante Abschnitt. "Das langfristige Ziel ist es, nicht nur im Landkreis komplett zu schließen, sondern wir wollen an der gesamten deutsch-polnischen Grenze hinauf diesen Zaun schließen", sagt Carsten Leßner. Weitere Maßnahmen, wie die die Fallwildsuche mit Menschen und Hundestaffeln laufen weiter.

Im Laufe des Donnerstags sind erneut infizierte Wildschweine gefunden worden. "Wir haben inzwischen die Bestätigung für 32 Fälle", sagte Anna Heyer-Stuffer während des Vor-Ort-Termins in Pusack. Sie alle wurden in den Kreisen in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree festgestellt. Und: "Alle Kadaver sind im ausgewiesenen Kerngebiet gefunden worden." Das sei eine "gute Nachricht in diesen schwierigen Zeiten", so Heyer-Stuffer.

Landeskrisenstabsleiterin Anna Heyer-Stuffer und Landrat Harald Altekrüger im Interview beim Bau eines festgen Zauns (Foto: rbb/Jahn)
Landeskrisenstabsleiterin Anna Heyer-Stuffer und Landrat Harald Altekrüger | Bild: rbb/Jahn

Forschen nach der Herkunft der Schweinepest

Unklar ist nach wie vor, wie die Afrikanische Schweinepest in den Spree-Neiße-Kreis gelangt ist. Carsten Leßner von der Obersten Jagdbehörde im Landwirtschaftsministerium dementiert gegenüber dem rbb ein Gerücht, dass Bauern aus Schenkendöbern die Tierseuche durch importierten Mais aus Polen eingeschleppt hätten, der an Tiere verfüttert wurde. "Wir wissen, worum's geht, wir kennen den Betrieb und die Menge." Demnach lagere der Mais noch in einem Silo und werde auch nicht als Tierfutter verwendet. "Nach meinem Kenntnisstand geht es um Mais für eine Biogasanlage. Und darum liegt es auch erstmal nur im Silo, das muss ja angären."

Auch Anna Heyer-Stuffer betont, dass bisher nicht auszumachen ist, wie die Tierseuche nach Deutschland gekommen ist. Bei der Klärung dieser Frage arbeite man mit dem Nachbarland zusammen. "Für uns ist die Zusammenarbeit mit Polen enorm wichtig, weil wir das für die epidemiologische Untersuchung brauchen", sagt die Leiterin des Krisenstabs. "Wir wissen ja nicht, woher die infizierten Wildschweine eigentlich gekommen sind. Ist es durch den menschlichen Faktor eingeschleppt worden oder ist es tatsächlich durch infizierte Tiere aus Polen passiert."

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