Angeblicher Promi-Bonus bei Corona-Impfung - Impf-Vorwürfe gegen Cottbuser Oberbürgermeister werden erneut geprüft

Holger Kelch (CDU), Oberbürgermeister von Cottbus, steht am 22.12.2020 bei einem Pressetermin in einer Halle auf dem Gelände des Messezentrums, in der ein Impfzentrum eingerichtet wird. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Der Cottbuser Oberbürgermeister wurde frühzeitig geimpft, so viel steht fest. Ob er sich damit strafbar gemacht hat, soll nun die Staatsanwaltschaft Neuruppin klären, die sich mit Korruption beschäftigt.

Die Vorwürfe um eine vorzeitige Corona-Impfung des Cottbuser Oberbürgermeisters Holger Kelch (CDU) und Ordnungsdezernent Thomas Bergner (CDU) kommen auf den Tisch der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Diese beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Korruption. Die Staatsanwaltschaft Cottbus gibt die Fälle ab, sagte ein Sprecher am Dienstag rbb|24. Demnach sollen die Ermittler in Neuruppin nun noch einmal ganz von vorne prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt.

Kelch und Bergner waren Anfang Januar geimpft worden, obwohl sie laut Prioritätenliste offiziell noch nicht an der Reihe waren. Beide hatten die aufgekommene Kritik zurückgewiesen. Ihre Erklärung: Sie hätten Impfdosen bekommen, die ansonsten weggeworfen worden wären.

Ein Richter im Ruhestand aus Kolkwitz (Spree-Neiße) hatte ursprünglich Anzeige wegen des Verdachts einer Straftat im Amt erstattet.

Kelch brachte Damen zum Impfen und wurde auch selbst geimpft

Kelch hatte in der vergangenen Woche noch einmal erläutert, wie er zu der Impfung gekommen war. "Ich habe drei Damen zum Impfen gebracht, und dabei ist mir in einem Pflegeheim erklärt worden, dass ich geimpft werden könne, damit die Dosis nicht weggeworfen werden muss", sagte er in der Stadtverordnetenversammlung am 24. Februar [cottbus.de, im Video circa ab Minute 16]. Das gleiche hatte Kelch bereits Anfang Februar dem rbb gesagt.

"Mir war auch nicht bewusst, dass ich mich für gut 13 Jahre ehrenamtlicher Hilfe bei den Maltesern einmal rechtfertigen muss, nämlich indem man mir unterstellt, ich würde diese Tätigkeit nur vorschieben", ergänzte Kelch gegenüber den Stadtverordneten.

Malteser: Kelch war nicht in unserem Auftrag unterwegs

Am Montag dieser Woche waren aber neue Vorwürfe gegen Kelch laut geworden. Der "Tagesspiegel" [tagesspiegel.de] berichtete, dass der Stadtchef nicht im Auftrag der Malteser unterwegs gewesen sein soll. In der Antwort der Malteser an die Zeitung heißt es, Kelch habe nach eigener Aussage als Privatperson drei ältere Damen zum Impfen gefahren und begleitet. Diese Aussage wiederholte eine Sprecherin der Hilfsorganisation auch noch einmal am Dienstag gegenüber dem rbb.

Stadtsprecher weißt neue Kritik zurück

Stadtsprecher Jan Gloßmann wies die neu aufgekommenen Vorwürfe dem rbb gegenüber zurück: "Der Oberbürgermeister hat nie erklärt, einen Auftrag von den Maltesern [für den Fahrdienst, d. Red.] gehabt zu haben oder dafür zu benötigen." Der Kontakt zu den drei Damen sei aber über das Ehrenamt bei den Maltesern zustande gekommen, sagt Gloßmann.

Auf die Nachfrage des rbb, wie genau Kelch zu dem Fahrdienst am Tag seiner Impfung gekommen war, hat der Stadtsprecher bis zum Dienstagnachmittag nicht geantwortet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.03.2021, 16:30 Uhr

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20 Kommentare

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  1. 20.

    Sie sollten sich den Kommentar 11 durchlesen. Trifft voll inhaltlich auf sie zu.

    Kelch gehört von allen Ämtern entbunden und den Rest soll die StA Neuruppin klären.

  2. 19.

    Nur, dass es sich bei den Impfberechtigten eben nicht um Militärpersonen, sondern um zivile betagte Menschen habndelt, die oftmals nicht allein in der Lage sind, innerhalb von 30 Minuten ein weit entferntes Impfzentrum zu erreichen. Und wie erklären Sie diesen menschen dann, dass eben doch nicht so viele Impfdosen übrig geblieben sind und sich ihr Impftermin nun leider verschiebt, vielleicht auf morgen, vielleicht aber auch erst nächste Woche, und man solle doch bitte auch ständig jemanden in Rufbereitschaft haben, der dann den Fahrdienst übernimmt? ich bastle bestimmt keine Entschuldigungen, ich benutze nur meinen gesunden Menschenverstand und die jahrelange Erfahrung aus dem Medizin/Pflegebereich.

  3. 18.

    Dann hat man VORHER "Nachrücker" zu organisieren!!!!!! Das sind IMPFBERECHTIGTE MIT TERMIN, die in der Woche vor ihrem Termin, eine (quasi) telefonische RUFBEREITSCHAFT haben und in 30 Minuten da sind.

    So organisiert das jeder Offizier der Reserve, der schon mal 1000 Mann geführt hat.

    Was sie hier betreiben ist Entschuldigungen zu basteln für ein nicht entschuldbares Handeln. Was zu passieren hat steht in #16.

  4. 17.

    Im Impfzentrum selbst erlebt: hervorraqgend organisierter Ablauf, und eine ältere Dame, die sich nach dem Gespräch mit dem Arzt gegen die Impfung entschieden hat. Die Gründe sind mir nicht bekannt, aber sie ging dann an der Impfkabine vorbei Richtung Ausgang. Also ist an diesem Tag mindestens eine Impfdosis übrig geblieben, Wahrscheinlich noch mehr, denn vielleicht sind nicht alle Leute mit Termin zum Impfen erschienen? Und nun? Impfdosis wegschmeißen oder jemanden impfen, der grade vor Ort, aber vielleicht nicht priorisiert ist? Aber vielleicht ist es auch besser, wenn ein OB einer 100 000-Einwohner-Stadt mal für drei Wochen ausfällt wegen Erkrankung?

  5. 16.

    Es gab mal sowas wie Ehre, Respekt, Treue, Zuverlässigkeit in unserer Gesellschaft - einen gewissen "Ehrenkodex" und der war heilig. Das ist nicht mehr so stark verbreitet. Man findet es heute teilweise nur noch beim Militär, der Polizei aber auch in einigen wenigen Wirtschaftsunternehmen. Bei Verstößen gegen diesen Ehrenkodex wird man alternativlos aus dem "engeren Kreis der Führung" (z.B. der Oberbürgermeister Brandenburgs) ausgeschlossen. Der Betreffende hat dann dort nichts mehr verloren.
    So kenne ich das und eine Alternative dazu gibt es nicht. Wie will man sonst den Menschen das Gefühl vermitteln, dass sie den Politikern oder Vorsetzten sowohl als Mensch aber auch als Führungspersönlichkeit noch vertrauen können? Unsere Gesellschaft verliert immer mehr ihren Halt, dank solcher Politiker wie Kelch.

  6. 15.

    Johannes, wenn Sie schon Herrn Nuhr zitieren, warum halten Sie sich dann nicht einfach dran?

  7. 14.

    Wo fängt bei Ihnen Egoismus an und wo ist es nur ein "Kavaliersdelikt"? Ein Mensch in dieser Position sollte sich der Verantwortung seines Amtes 24/7 bewußt sein und sein Handeln jederzeit prüfen. Immerhin hat er ja genügend "Berater".
    Es wurden schon Menschen für weniger ihr Amt los. Mit etwas mehr Sensibilität wäre dieser Faux Pax zu verhindern gewesen. Für mich ein Geschmäckle: sein Beigeordneter fährt auf der Welle gleich mit, weils so schön und einfach war, vorzeitig an den Impfstoff zu kommen. Haben Sie sich mal gefragt, wieviel "Nichtberechtigte" ihre Eltern und Großeltern zum Impfen begleiten und daneben stehen müssen und nix bekommen, was ggf. gerade "zuviel" ist? Für mich hat die Veröffentlichung dieses Fehlverhaltens nichts mit "ansche...." zu tun.

  8. 13.

    Ich verstehe nicht warum man sich so für die Leute einsetzen kann, welche sich offensichtlich über Gesetze und Festlegungen. Es gibt eine Impfreienfolge und danach wird gehandelt.
    Desweiteren ist es seit geraumer Zeit verboten sich mit mehr als einer nicht zum Haushalt gehörenden Person zu treffen, aber als OB darf man das?
    Er sollte ein Vorbild sein, genauso wie sein Kollege.
    Die über 80 jährigen durften warten, weil es solche Typen gibt, bzw denen wurden die Impfungen abgesagt, nachdem man endlich einen Termin gemacht hatte.

  9. 12.

    Ein OB einer 100.000-Einwohner-Stadt macht Taxi-Dienste für "ältere Damen" im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit.
    Stopp, ich muss mich erst mal totlachen.......Und dann geht es auch noch, wie heute in der LR steht, ins Pflegeheim Am Blechenpark. Hintereingang. Mehr geht eigentlich nicht.

  10. 11.

    Die Empörungswelle nimmt wieder Fahrt auf und das Thema wird nochmals aufgekocht.
    Den Denunzianten und Moralisten wird Tür und Tor aufgerissen.
    Ich nehme mal an, dass die, die sich hier so fürchterlich echofieren, sich im Leben immer korrekt und regelkonform bewegt haben.
    Ansonsten, da halte ich es mit dem Kabarettisten Dieter Nuhr: "Einfach mal die Fresse halten".

  11. 10.

    Nur mal für die Überschlauen Leuchttürme. Anfang Januar war AstraZeneca nicht zugelassen. Desweiteren dürfen bei einer ordentlichen Organisation des Impfablaufes keine Dosen übrig bleiben.

  12. 9.

    Nur mal eine kleine Info: AstraZeneca war Angang Januar noch gar nicht in D zugelassen. Und dann erklären Sie mir mal bitte, warum im Altenheim der Impftermin vom 12.02. abgesagt wurde und es bis heute keinen neuen Termin gibt? Und Herr Kelch und seine Partei die ganze Zeit davon reden "die älteren Bürger müssen besonders geschützt werden". Aber jeder kann und darf seinen eigenen Standpunkt vertreten!

  13. 8.

    Ein m.E. schleimiger Typ ohne jedes Ehrgefühl und ohne jeden Respekt vor moralischen und ethischen Werten.
    Auch auf die Gefahr das es nicht erscheint:
    Wenn ich ihm begegne, würde ich VOR ihm ausspucken.

  14. 7.

    ... gleichzeitig wird über das „Luxusprobleme“ diskutiert, dass Menschen mit berechtigtem Interesse sich AstraZeneca nicht logen lassen wollen....

    Deutscher bürokratismus....

    In Krefeld wird übrigens sehr unkompliziert an der bürokratischen Reihenfolge vorbei geimpft.

    UND... die Diskussion um AstraZeneca ist so daneben... er ist eh für 65+ nicht zugelassen. Es nimmt also niemanden etwas weg.

    Corona-Impfung.... Made in germany zeigt, wie kaputt es ist.

  15. 6.

    Hat die Staatsanwaltschaft nichts anderes auf dem Schreibtisch. Gibt es keine echten Verbrechen in Brandenburg die verfolgt werden können.

  16. 5.

    Sehe ich ähnlich. Den genauen Sachverhalt wird (hoffentlich) die Polizei ermitteln können. Den Impfstoff entsorgen zu müssen wäre aber mit Sicherheit das größere Übel gewesen. Zumindest rational betrachtet, aber dazu scheint nicht jeder fähig. Und komischerweise konnte ich schon mehrfach beobachten, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen (erst recht nicht mit dem bösen, bösen AstraZeneca), ganz besonders dolle über vermeintliche Impf-Vordrängler aufregen.

  17. 3.

    Willkommen in der Denunzianten-Republik Deutschland!
    Der Richter im Ruhestand scheint ja viel Zeit zu haben. Was ist denn schon groß passiert? Bevor Impfdosen
    weggeworfen werden, ist es doch sinnvoll, dass dann auch Leute geimpft werden, die gerade vor Ort sind. Im übrigen liegt das Zeug sowieso massenhaft rum, weil sich viele zu fein sind, AstraZeneca zu nehmen und lieber irgendwelche Luxusprobleme diskutieren. Meinetwegen sollen sie mir auch Sputnik verabreichen. Ich will endlich mein altes Leben wiederhaben und da hilft JEDE Impfung, egal wann und wo, denn jeder geimpfte Mensch ist ein winziger Schritt zurück zur Normalität.
    Ja ok, die Reihenfolge hat Bürgermeister Kelch nicht eingehalten. Aber irgendwie ist es beliebter Volkssport geworden, formal vielleicht zurecht, aber menschlich höchst fragwürdig, auf Entscheidungsträgern so lange herumzutrampeln, bis niemand mehr bereit ist, für das Gemeinwesen Verantwortung zu übernehmen, finde ich alles ziemlich traurig.

  18. 2.

    Herr Kelch, wenn Sie noch ein bisschen Anstand haben, dann treten Sie zurück. Ihr Verhalten und Ihre Ausreden machen es nicht besser. Respekt besitzen Sie wahrscheinlich nicht mehr in der Cottbuser Bevölkerung?

  19. 1.

    Er ist erst 53..wenn er sich unbedingt impfen lassen wollte haette er auch ja Astrazeneca nehmen koennen.. Aber nein.. Es musste wie bei den alten Leutchen unbedingt biontech sein.. Er Weiss halt was gut ist..

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