Bürgermeisterwahl am 26. September - Diese Kandidaten und Kandidatin wollen zukünftig Lauchhammer regieren

Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Lauchhammer (Bild: rbb/Jußen)
Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Lauchhammer | Bild: Ralf Jußen

Lauchhammer ist keine einfache Stadt. Die Folgen des Altbergbaus treiben einige Einwohner aus ihren Häusern, die wirtschaftliche Situation ist schlecht. Dennoch treten gleich fünf Kandidaten zur Bürgermeisterwahl an. Ralf Jußen stellt sie vor.

In Lauchhammer (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) gibt es zahlreiche Baustellen - buchstäblich. Die Folgen des Altbergbaus Anfang des 20 Jahrhunderts sind noch immer spürbar, zahlreiche Einwohner mussten ihre Häuser bereits verlassen. Zugleich gibt es einen großen Wohnungsleerstand und Sanierungsstau - eine Folge des Strukturbruchs nach der Wiedervereinigung. Tausende Menschen waren damals in der Stadt arbeitslos.

Dennoch ist von Politikmüdigkeit in Lauchhammer keine Spur. Gleich fünf Kandidaten treten zur Bürgermeisterwahl im Herbst an. Am Dienstagabend sind sie vom Wahlausschuss der Stadt bestätigt worden.

Die Bürgermeisterwahl muss früher als ursprünglich gedacht, am Tag der Bundestagswahl am 26. September, stattfinden. Der 2018 gewählte Bürgermeister Roland Pohlenz hatte zum 1. Juli seine Versetzung in den Ruhestand beantragt - fünf Jahre vor dem regulären Ende seiner Amtszeit.

Ein Wiederholungstäter, eine Verwaltungsspezialistin und ein völliger Neuling

Für die Reihenfolge der Kandidaten auf dem Stimmzettel gibt es klare Regeln. Ganz oben wird Mirko Buhr stehen. Er war bereits 2018 angetreten um Bürgermeister zu werden. Von allen fünf Kandidaten holte er bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen.

Buhr stellte sich als Erster zur Wahl. Unmittelbar nachdem die Stadtverordneten beschlossen hatten, Amtsvorgänger Pohlenz in den Ruhestand zu versetzen, gab er seine Kandidatur bekannt. Der 43-jährige Kaufmann ist Marktleiter einer großen Einzelhandelskette in der Stadt und unterlag bei der letzten Bürgermeisterwahl in der Stichwahl mit nur 227 Stimmen dem späteren Amtsinhaber Rohland Pohlenz. Er tritt für die Wählergruppe „Pro Lauchhammer“ an, der stärksten Fraktion der Stadtverordnetenversammlung.

Thomas Gürtler kandierte ebenfalls bereits 2018 für das Amt des Bürgermeisters, damals noch als Einzelbewerber. Für seinen zweiten Anlauf wurde er im Juni von der NPD offiziell nominiert. Der 32-jährige ist Unternehmer in der Stadt, sitzt für die NPD bereits in der Lauchhammeraner Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag des Landkreises Oberspreewald Lausitz. Zudem wird er auf dem Stimmzettel zur Bundestagswahl zu finden sein, dort hat ihn seine Partei auf den Listenplatz 2 gesetzt.

Frank Poensgen kandidiert für Bündnis 90/Die Grünen. Das gab der Kreisverband der Partei Anfang Juli bekannt. Seit gut zehn Jahren wohnt der 43-jährige Familienvater in der Stadt. Er wollte politisch aktiv werden, da die AfD bei der letzten Kommunalwahl so viele Stimmen holte, sagte er in einer ersten Begründung. In die Lausitz hat ihn seine Arbeit auf den Lausitzring verschlagen. Bis zum Verkauf der Rennstrecke an die Dekra arbeitete er im Management des Lausitzrings. Heute ist der gebürtige Allgäuer als IT-Projektmanager bei einem mecklenburgischen Softwareunternehmen tätig.

Dennis Hillner ist der jüngste der fünf Kandidaten - und wohl die größte Überraschung. Der 27-Jährige ist erst im letzten Jahr von Eberswalde nach Lauchhammer gezogen. Vor gut zwei Monaten hat der junge Vater geheiratet und arbeitet aktuell als Rettungssanitäter in der Rettungswache Oppelhain (Elbe-Elster). Er möchte frischen Wind nach Lauchhammer bringen, sagte er in seinem ersten Interview dem rbb und setzt dabei auf die Unterstützung seiner Familie. Kommunalpolitisch habe er keine Erfahrung, räumt er, wolle das aber durch eine enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Verwaltung und den Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung ausgleichen“.

Manuela von Schroedel-Siemau kandidiert als parteilose Einzelbewerberin. Die 49-Jährige hat 20 Jahre Berufserfahrung in der Stadtverwaltung und kennt alle Verwaltungsabläufe und auch die Schwierigkeiten der Stadt. Daher sei die Kandidatur für sie eine Herzensangelegenheit, sagte sie nach der Sitzung des Wahlausschusses in einem ersten Interview dem rbb. Im Moment leitet sie die Fachbereich Bildung, Soziales und Bürgerservice der Lauchhammeraner Stadtverwaltung.

Wirtschaftliche Entwicklung als größte Herausforderung

Alle fünf Bewerber sehen die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt als die wichtigste Aufgabe an. So sei es für Mirko Buhr nicht nachvollziehbar, dass die Gewerbegebiete in der Nachbarstadt Schwarzheide aus allen Nähten platzen und in seiner Stadt so viele Flächen frei sind.

Thomas Gürtler sieht eine bessere Unternehmensbetreuung als wichtigste Aufgabe an, um so neue Arbeitsplätze, besonders für junge Menschen, zu schaffen. Frank Poensgen will die Möglichkeiten des Strukturstärkungsgesetzes nutzen, um mehr Wirtschaftskraft in die Stadt zu bekommen. Dabei sollten aber alle Maßnahmen und Investitionen auch aus der Sicht des Klimaschutzes betrachtet werden.

Dennis Hillner liegt die Wirtschaftsentwicklung auch am Herzen, denn nur mit starken Unternehmen könnten auch mehr Gewerbesteuern eingenommen und damit auch mehr soziale Projekte für alle Altergruppen realisiert werden.

Manuela von Schroedel-Siemau will vor allem die Vermarktung der freien Gewerbeflächen ankurbeln. Nach ihrer Meinung wurden bisher die guten Stadtortfaktoren wie Autobahnnähe, vorhandene Gleisanschlüsse oder auch attraktive Preise für Gewerbeflächen zu wenig genutzt. Nach ihrer Meinung könne eine Stadt nur so stark sein, wie ihre Wirtschaft.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.07.2021, 7:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    "Er wollte politisch aktiv werden, da die AfD bei der letzten Kommunalwahl so viele Stimmen holte, sagte er in einer ersten Begründung." sagte der Grüne Kandidat. Das ist doch mal eine Ansage. Er müßte lediglich noch die Stimmen der Bürger gewinnen. Bei den Landtagswahlen 2019 blieben die Grünen in Oberspreewald-Lausitz unter der 5 % Marke.

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