Empfehlung von Kommission - In fünf Jahren könnte in Cottbus ein "Innovationszentrum Unimedizin" stehen

Medizinstudenten üben die Wiederbelebung eines Patienten (Symbolbild: dpa/Woitas)
Video: Brandenburg aktuell | 03.08.2021 | Stephanie Teistler | Symbolbild | Bild: dpa-Zentralbild

Ein Innovationszentrum Unimedizin soll ein großer Baustein sein, um die Folgen des Kohleausstiegs in der Lausitz abzufedern. Eine Expertenkommission hat geprüft, wie sinnvoll die Ansiedlung wäre. Das Ergebnis ist positiv. Doch es gibt noch Hürden. Von Martin Schneider

In Cottbus soll ein Innovationszentrum Universitätsmedizin (IUC) aufgebaut werden. Das empfiehlt eine Expertenkommission. Sie hat dem Land Brandenburg nach monatelanger Beratung am Dienstag konkrete Vorschläge für das Projekt vorgelegt.

Demnach bestehe das IUC aus der Universitätsmedizin Cottbus und einem Netzwerk von Akteuren der Gesundheitsversorgung in der Modellregion Gesundheit Lausitz, heißt es in einer Pressemitteilung der Landesregierung [mwfk.brandenburg.de]. An der BTU Cottbus-Senftenberg soll eine Medizinische Fakultät gegründet werden. Das kommunale Carl-Thiem-Klinikum Cottbus soll zu einem Universitätsklinikum in Landesträgerschaft und zu einem "Digitalen Leitkrankenhaus" ausgebaut werden.

Die Universitätsmedizin ist neben dem neuen Bahninstandhaltungswerk Cottbus eins der größten Strukturwandel-Projekt in der Lausitz. Regierungssprecher Florian Engels bezeichnet das IUC am Dienstag als ein Schlüsselprojekt der Strukturentwicklung.

Die Experten gehen davon aus, dass durch das Vorhaben rund 1.600 Arbeitsplätze in Cottbus entstehen.

Start in fünf Jahren

Das IUC soll in mehreren Stufen aufgebaut werden. Komplett fertig werde es voraussichtlich 2035 sein, heißt es. Die nötigen Gebäude sollen nach den Experten so nah wie möglich am CTK gebaut werden.

Bis Ende 2022 soll das Konzept konkreter werden und dann dem Wissenschaftsrat zur Bewertung vorgelegt werden. Nach aktuellem Stand könnten 2026/27 die ersten Studentinnen und Studenten starten.

Versorgung der Zukunft soll in Cottbus erforscht werden

Es soll eine Hochschule mit bundesweiter Strahlkraft werden. Nach den Plänen sollen in Cottbus nicht nur Medizinerinnen und Mediziner ausgebildet werden, die Unimedizin soll auch forschen und Impulse für das Gesundheitssystem der Zukunft geben.

"Mit seinen geplanten Schwerpunkten Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens ist das IUC ideal dafür geeignet, gänzlich neue Versorgungsmodelle zu entwickeln, unter wissenschaftlicher Begleitung in der Modellregion Gesundheit Lausitz zu erproben und daraus Best-Practice-Modelle für das ganze Land zu entwickeln", so Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Dienstag.

Die Schnittstelle zwischen Universitätsklinikum, Medizinischer Fakultät, der Universität und der Region Lausitz soll ein Kompetenzzentrum Gesundheitssystementwicklung bilden, heißt es in der Pressemitteilung des Landes. Hier sollen Forschungsvorhaben koordiniert werden.

Voraussichtliche Kosten 1,9 Milliarden Euro

Bereits im Mai 2020 hatte die Präsidentin der BTU, Christiane Hipp, angekündigt, die Universität neu aufstellen zu wollen, um der zuletzt sinkenden Zahl an Studenten entgegenzuwirken. Hipp hatte damals Hoffnungen geäußert, das medizinische Studiengänge in Cottbus angeboten werden könnten. Die BTU hat derzeit rund 6.800 Studierende. Zum Vergleich: 2019 waren es 7.000, 2018 noch 7.200.

Die Expertenkommission hat schließlich im September 2020 mit ihrer Arbeit begonnen, um dem Wissenschaftsministerium des Landes bei einem Konzept zu helfen. Werden die Empfehlungen umgesetzt, würden bis zum Jahr 2038 Investitions- und Betriebskosten von 1,9 Milliarden Euro für Forschung, Lehre und Digitalisierung entstehen, so die Experten.

In das Projekt will die Landesregierung auch Geld aus dem Strukturfonds stecken, den Brandenburg wegen des beschlossenen Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung vom Bund bekommt. Um welche Summe es dabei genau geht, steht noch nicht fest. Im Sommer 2020 war zunächst von mindestens 650 Millionen Euro die Rede.

Die Lausitz ist stark vom beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038 betroffen, an der Kohle hängen in der Region rund 16.000 Arbeitsplätze.

Zustimmung der Bundesländer nötig

Bevor das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, wird der Wissenschaftsrat das Konzept begutachten. Anschließend müssen auch noch die anderen Bundesländer Grünes Licht geben. "Vereinbarungen, die den Schwerpunkt Hochschulen betreffen, bedürfen der Zustimmung aller Länder", so Regierungssprecher Engels.

"Deshalb war es extrem wichtig, dass wir hier ein klares, neues, innovatives Konzept auflegen", sagte der Lausitzbeauftragte der Landesregierung, Klaus Freytag, am Dienstag dem rbb.

Bis zum Start einer Universitätsmedizin in Cottbus müssen also noch weitere Hürden genommen werden. "Aber das sind wir ja gewohnt, dass wir hier in der Lausitz immer dicke Bretter bohren", sagt Freytag: "Am Ende wird es gut."

Sendung: Brandenburg Aktuell, 03.08.2021, 19:30 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Bei den Strukturwandelprojekten geht es vor allem darum, der Region eine Zukunft zu geben und nicht, wegfallende Kohlearbeitsplätze 1:1 zu ersetzen. Und da hat der Bund ja nur die Möglichkeit, Behörden + Forschung anzusiedeln. Selbst als Industriearbeitergeber fungieren, kann er nicht, bestenfalls das ICE-Werk in Cottbus oder die Teststrecke in Niesky sind möglich. Rahmenbedingungen für andere Investoren und ggf. Förderungen sind da die einzige Möglichkeit, als Staat aktiv zu werden. Ich bin jedenfalls den Leuten dankbar, die die Kohlekommission durchgesetzt haben und immer wieder dafür streiten, dass hier nichts verwässert oder für andere Projekte abgezweigt wird. Denn ohne diese engagierten Menschen wäre hier alles stillschweigend abgewickelt worden. So hat Cottbus und die ganze Lausitz eine Superchance für eine spannende Zukunft.

  2. 8.

    Diese Projekt ist schon fantastisch und würde der Lausitz einen wirklichen Schub geben. Aber wir leben in Deutschland , insbesonders in Brandenburg. Neider in jeder Landesnische. Hier ist noch lange nichts wirklich entschieden und beschlossen.

  3. 7.

    Diese Projekt ist schon fantastisch und würde der Lausitz einen wirklichen Schub geben. Aber wir leben in Deutschland , insbesonders in Brandenburg. Neider in jeder Landesnische. Hier ist noch lange nichts wirklich entschieden und beschlossen.

  4. 6.

    Ausgerechnet im aussterbenden Cottbus... Sachen gibt's...

  5. 5.

    Inovationszentrum hin oder her. Es ist sicher eine gut Sache. Bisher wird nahezu ausschließlich von der Schaffung irgendwelcher Behörden oder Forschungszentren gesprochen. Ungelöst bleibt für mich aber immer noch die Frage, wo werden die Schlosser, Maschinisten aus dem Kraftwerk und den Tagebauen neue Arbeit finden??? Mir will doch niemand erklären, dass die Leute irgendwann mal in den neuen Behörden oder Forschungszentren arbeiten werden. Wo also sollen die Menschen arbeiten??? Ich glaube hier begehen unsere Politiker Augenwischerei und versuchen in ein „X“ für ein „U“ vorzumachen.

  6. 4.

    Inovationszentrum hin oder her. Es ist sicher eine gut Sache. Bisher wird nahezu ausschließlich von der Schaffung irgendwelcher Behörden oder Forschungszentren gesprochen. Ungelöst bleibt für mich aber immer noch die Frage, wo werden die Schlosser, Maschinisten aus dem Kraftwerk und den Tagebauen neue Arbeit finden??? Mir will doch niemand erklären, dass die Leute irgendwann mal in den neuen Behörden oder Forschungszentren arbeiten werden. Wo also sollen die Menschen arbeiten??? Ich glaube hier begehen unsere Politiker Augenwischerei und versuchen in ein „X“ für ein „U“ vorzumachen.

  7. 3.

    CTK soll ausgebaut werden? Es hat den schlechtesten Ruf in der ganzen Lausitz, aber man kann sich ja vieles schön Reden.....

  8. 2.

    Endlich wieder was Neues mit "bundesweiter Strahlkraft" aus Brandenburg - zum Erfolg geradezu verflucht... ;-)

  9. 1.

    In Cottbus entsteht seit 30 Jahren ein neues Stadtzentrum.
    Schaumermal...

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