Bürgermeisterwahl am 26.September - Wie weiter in der Braunkohlestadt Spremberg?

Blick vom Brunnen auf eine Häuserzeile (Quelle: rbb/Lepsch)
Bild: rbb/Lepsch

Die nächsten acht Jahre werden spannend für die Stadt mitten im Lausitzer Revier. Sie lebt mit und von der Kohle, der Strukturwandel ist greifbar. Bürgermeisterin Christine Herntier will ihn mitgestalten, sie hat zwei Herausforderer. Von Aline Lepsch

Spremberg (Spree-Neiße) ist die selbsternannte "Perle der Lausitz" mit verwinkelten Gassen und einer schönen Innenstadt. Doch die Stadt hat ein unübersehbares Problem: Die Spree ist hier zur schmutzig-braunen Brühe geworden - eine Spätfolge des Tagebaus und damit geradezu ein Sinnbild. Spremberg lebt mit und von der Braunkohle, sie sorgt für Arbeitsplätze, aber auch für Konflikte unterschiedlichster Art.

Bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag wird Amtsinhaberin Christine Herntier von Dirk Süßmilch (SPD) und Michael Hanko (AfD) herausgefordert. Für viele Spremberger ist der derzeit für 2038 geplante Ausstieg aus der Braunkohle das drängendste Thema: Neue Arbeitsplätze sollen her, die Stadt soll attraktiv bleiben, auch für die Jugend, und die Einwohnerzahl von jetzt gut 22.000 soll nicht weiter schrumpfen.

Angst vor der Zukunft

Daniel Fechner vom Jugendbeirat der Stadt wünscht sich mehr Angebote für die Jugend, der Nahverkehr sollte ausgebaut werden. Seine Befürchtung: Wenn die Arbeitsplätze in der Kohle wegfallen und es keinen Ersatz dafür gibt, gehen die Jugendlichen. Wolfgang Söhnel und Werner Hesse im Ortsteil Schwarze Pumpe haben das mit ihren Kindern schon erlebt. Die seien weg und würden auch nicht zurückkommen. Die beiden Männer haben Angst. Wenn das Kraftwerk Schwarze Pumpe zumache, was dann? Es müsse eine Industrie da sein, die das alles auffängt. Sie kämpfen für Schule und Freibad, ohne die der Zuzug junger Menschen gefährdet wäre.

Wahlplakat von Christine Herntier in der Innenstadt (Quelle: rbb/Lepsch)

Strukturwandel treibt alle Kandidierenden um

Christine Herntier (parteilos) ist seit 2014 Bürgermeisterin in Spremberg und will mit "Herz und Verstand" weiter für ihre Stadt eintreten. Die 64-Jährige will mit ihren Netzwerken die Chancen, die Spremberg im Strukturwandel bekommt, nutzen. Die Stadt soll attraktiver werden, gute Lebensbedingungen bieten und sich verjüngen. Herntier hat dabei vor allem den Zuzug junger Familien aus Cottbus im Blick.

Die Diplom-Ingenieurökonomin hat sich in den letzten Jahren als Sprecherin der Lausitzrunde, das Bündnis der vom Kohleausstieg betroffenen Kommunen, profiliert. Außerdem hat sie in der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission) Empfehlungen zum Kohleausstieg und zum Strukturwandel mit ausgearbeitet hat.

Wajlplakate an einem Laternenmast in der Innenstadt (Quelle: rbb/Lepsch)
Bild: rbb/Lepsch

Auch für den 55-jährigen Dirk Süßmilch (SPD) ist die entscheidene Frage: Wie bringen wir Spremberg durch den Strakturwandel? Damit stehe und falle alles. Wenn es nicht gelinge, die mit der Kohle wegfallende Wertschöpfung zu ersetzen, dann könnte sich die Stadt einiges an Wohlstand nicht mehr leisten. Gebraucht würden werthaltige Arbeitsplätze, nicht Behörden. Nur so bleibe die Stadt lebens- und liebenswert.

Dirk Süßmilch ist gelernter Fahrzeugschlosser und Dipl.-Ing. Pädagoge. Nach der Wiedervereinigung arbeitete er unter anderem als Referatsleiter bei der Arbeiterwohlfahrt und als Leiter regionaler Arbeitsmarktprojekte. Derzeit leitet er das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Freese in Spremberg. Süßmilch ist seit 2014 Stadtverordneter und Fraktionsvositzender der SPD.

Für die AfD tritt Michael Hanko (56) an. Er wirbt mit dem Slogan"Kompromisslos für Spremberg". Besonders wichtig sei ihm, allen Einwohnern Perspektiven für eine lebenswerte Stadt zu schaffen. Die Verwaltung müsse bürgernäher und lösungsorientierter arbeiten und dabei die gesetzlichen Spielräume ausnutzen, um den mittelständischen Unternehmen und Vereinen das Leben leichter zu machen.

Hanko war viele Jahre selbstständiger Fliesenlegermeister und arbeitet jetzt als öffentlich bestellter Sachverständiger. In der Kommunalpolitik ist er seit über 13 Jahren aktiv, anfangs als parteiloser Stadtverordneter, seit 2019 als Mitglied der AfD-Fraktion. Außerdem sitzt er im Kreistag Spree-Neiße und seit der letzten Wahl per Direktmandat im Landtag.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.09.2021, 16.40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Sohne wie Sie gab auch bestimmt in der DDR reichlich, welche über alles meckerten, aber nichts selber einbrachten. Einfach dann selber in Politik gehen. Die halbe Region sind Schlaftabletten bei ihnen. Viele sind selbst zu bequem wählen zu gehen. Die Grünen kann diese nur recht sein. Wenigstes in der Bürgermeister einer aus der Region und nicht wie viel andere auch in der Verwaltung aus dem Westen. Wenn es nach den Grünen hat Spremberg schon sehr bald ausgespielt, da kann auch der Bürgermeisterin nichts mehr machen.

  2. 1.

    Die Bürgermeisterin ist leider ne Schlaftablette.
    Meine Firma verlegt ihren Hauptsitz von Spremberg im nächsten Jahr.
    Grund fehlende Unterstützung im Industriepark Schwarze Pumpe. Es wird viel erzählt aber passieren tut nichts, zumindest im Interesse von Firmen die nicht zu den Großen zählen. Schade im Industriepark waren wir ganz paar Jahre.Jetzt baut meine Firma an einem anderen Standort ein neue Halle.

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