Wahl am Sonntag - Diese Probleme muss der neue Lübbener Bürgermeister angehen

So 22.05.22 | 07:37 Uhr
Das Lübbener Rathaus (Bild: imago)
Audio: Studio Cottbus | 22.05.2022 | Daniel Friedrich | Bild: imago stock&people

Lübben bekommt einen neuen Bürgermeister. Der bisherige Rathauschef wurde zum Jahresanfang abgewählt. Auf den oder die Neue kommt viel Arbeit zu - denn Kommunalpolitik ist in Lübben ein schwieriges Thema.

Eine Frau und fünf Männer stellen sich am Sonntag zur Wahl: Sie alle wollen das neue Stadtoberhaupt von Lübben (Landkreis Dahme-Spreewald) werden. Der ehemalige Bürgermeister, Lars Kolan, war zum Jahrsanfang abgewählt worden. Nun soll wieder Ruhe in die Lübbener Stadtverwaltung einkehren.

Denn ein Musterbeispiel für funktionierende Kommunalpoltik war Lübben in den vergangenen Monaten nicht. Zahlreiche Probleme in der Stadt machen den Amtseinstieg für den oder die Neue nicht einfach.

Die Stadtverodneten sind häufig zerstritten, in der Verwaltung gibt es Personalprobleme, immer wieder gab es Vorwürfe gegen den vorherigen Bürgermeister, bis hin zu dessen Abwahl.

"Lübbener Situation" muss bewältigt werden

Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Peter Rogalla, wünscht sich deshalb, dass das neue Stadtoberhaupt Organisationstalent und ausgeprägte kommunikative und vereinende Fähigkeiten hat. Außerdem solle es "ein profunder Kenner der Lübbener Situation, vollumfänglich, sein", wie Rogalla sagt.

Die "Lübbener Situation" ist ein Oberbegriff für die zahlreichen Herausforderungen auch jenseits der Konflikte innerhalb der Verwaltung und Kommunalpolitik. Der Ärztemangel in der Stadt muss angegangen werden, die kommunalen Gesellschaften wie die Stadtwerke stehen vor wichtigen Entscheidungen. Und es gibt Wachstumsschmerzen beim Tourismus, sagt beispielsweise der Gastronom Andreas Biedenweg: "Es fehlt der Wintertourismus. Wir leben gut vom Sommer, aber wir schwächeln im Winter. Wir haben wenige Hotels hier in Lübben, wir brauchen Bauland", sagt er.

Drei Stadtverodnete - und ein Amtsdirektor

Diesen Problemen wollen sich die sechs Kandidaten stellen. Drei von ihnen sind bereits Stadtverodnete.

So tritt Jens Richter, Polizeibeamter, für die CDU an. Der einzige andere Parteivorschlag kommt von der "Partei", also der Satireorganisation, mit dem Ingenieur Roy Barth.

Bei allen anderen Kandidaten handelt es sich um sogenannte Einzelwahlvorschläge ohne Parteihintergrund. Das gilt für den Kommunalarbeiter Maik Budich, Bilanzbuchhalter Mike Guttke, die Selbstständige Annett Kaiser und für Andreas Dommaschk.

Dommaschk hat wahrscheinlich die größte Erfahrung im Umgang mit Kommunalpolitik. Bereits seit zwölf Jahren ist er Amtsdirektor des Amtes Elsterland im Elbe-Elster-Kreis - seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet er in öffentlichen Verwaltungen.

Hohe Erwartungen von Einwohnern

Trotz der Probleme in der Stadt und der verhältnismäßig großen Kandidatenzahl war von einem echten Wahlkampf in der Stadt zuletzt aber nicht viel zu spüren. Zwei Kandidatenforen haben stattgefunden, es gab ein paar Aufsteller und ein Faltblatt in den Briefkästen - mehr nicht.

Dabei haben die Lübbener durchaus hohe Erwartungen, wie eine rbb-Umfrage zeigt. "Man kann sagen, ab 18 Uhr werden in Lübben die Bürgersteige hochgeklappt", sagt eine Einwohnerin. Gerade auch für die Touristen müsse mehr geboten werden. Ein anderer Einwohner fordert den Bau einer Umgehungsstraße und die Sanierung der Bürgersteige.

Vor allem aber wünschen sich viele Einwohner, dass sich die Lage in der Stadtverwaltung, das ständige Kommen und Gehen von Mitarbeitern und die schlechte Kommunikation in der Stadtverordnetenversammlung, verbessert.

Viel einfacher als der Vorgänger wird es das neue Lübbener Stadtoberhaupt nicht haben, so viel ist schon vor der Wahl klar. Sollte sich keiner der Kandidaten auf Anhieb durchsetzen, findet drei Wochen später eine Stichwahl statt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.05.2022, 14:42 Uhr

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