Das Foto soll Anhänger des FC Energie Cottbus nach dem Aufstieg am 27.05.2018 mit einem Banner in Cottbus zeigen (Quelle: Screenshot Twitter Jüdisches Forum)
Bild: Screenshot Twitter Jüdisches Forum

Mutmaßliche Energie-Cottbus-Fans - Vorfall mit Ku-Klux-Klan-Kapuzen beschäftigt den Landtag

Energie Cottbus feiert den Wiederaufstieg in den Profifußball - und dann wird die Freude überschattet: Vermummte hatten in Cottbus mit Ku-Klux-Klan-Mützen und einem Banner mit Klan-Symbol posiert. Das Thema erreicht nun auch den Landtag. Von Sebastian Schiller

Eine kleine Gruppe steht am vergangenen Sonntag auf dem Altmarkt. Sie halten ein Banner, auf dem das Symbol des rassistischen Ku-Klux-Klans zu sehen ist und tragen dazu die typischen weißen Hauben des Geheimbundes. Auf dem Banner steht "Aufstieg des Bösen", eine mindestens doppelte Anspielung: darauf, dass Energie Cottbus an diesem Tag in die 3. Fußballliga aufgestiegen ist - und darauf, dass der Verein immer wieder wegen rechtsextremer Fans in den Schlagzeilen war. Gleichzeitig wird damit vermutlich auf einen gleichnamigen Film verwiesen, der den Aufstieg Adolf Hitlers thematisiert. Es ist ein geschmackloses Spiel mit Klischees.

Was wollten die Maskierten damit bezwecken? Als Provokation hat es wunderbar funktioniert - der erneute Imageschaden für die Stadt und den Verein ist aber wesentlich größer. Auch innerhalb der Fanszene brodelt es, in den sozialen Medien und den Kommentarspalten sammeln sich die Reaktionen auf das Bild mittlerweile zu Hunderten. Viele Nutzer sind fassungslos, andere tun den Vorfall als harmlosen Streich ab oder zeigen sich genervt von der "Hysterie", die dadurch ausgebrochen sei. Auch kursiert das Gerücht, Fans anderer Vereine hätten das Foto inszeniert. Davon geht die Polizei auf Nachfrage nicht aus, ohne weitere Details zu nennen.

Polizei steht ebenfalls in der Kritik

Auch die Polizei selbst steht in der Kritik. Wie Ines Filohn von der Pressestelle sagt, waren Beamte in unmittelbarer Nähe. Sie hätten die Mützen auch registriert, allerdings als Maskierung fehlinterpretiert, damit man die Träger beim Abbrennen von Bengalos nicht erkenne. Zudem stellt sich die Frage nach der Grundlage, auf der Polizei und Staatsschutz jetzt ermitteln. Denn weder das Tragen der Mützen noch die Verwendung des Zeichens des Ku-Klux-Klans ist in Deutschland strafbar.

Deswegen wird der Vorfall am Donnerstag auch Thema im Landtag sein. Wie die Pressestelle des Innenministeriums mitteilte, will Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) ausführlich Stellung nehmen. Die Fraktionen Linke und Grüne hatten jeweils eine dringliche Anfrage dazu eingebracht.

Darin wird auch ein anderer Vorfall thematisiert. So wurde zum zweiten Mal in Folge eine Zaunfahne der Gruppe "FC Energie Cottbus - Fans gegen Nazis" abgerissen, auf der der Name der Gruppe und der Zusatz "Schon immer die Mehrheit" zu lesen war. Auf der Facebook-Seite "Fanszene Energie Cottbus" heißt es dazu: "Ebenfalls nicht zu tolerieren ist es, wenn Transparente an den Zaun der Nordwand angebracht werden, die nur dem Zweck einer politischen Distanzierung und Spaltung dienen."

Energie über die Maskenträger: "menschenverachtend, abstoßend"

Dass in der Fanszene von Energie Cottbus längst radikale Kräfte am Werk sind, hatte eine Recherche des rbb und der "Potsdamer Neusten Nachrichten" im Mai 2017 gezeigt. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Fangruppen "Inferno" und "Unbequeme Jugend" hatten inner- und außerhalb des Stadions ein kriminelles Netzwerk aufgebaut und andere Fangruppen systematisch unter Druck gesetzt. Ein Fanbeauftragter des Vereins schrieb damals in einem internen Fanforum: "Eine Gruppe verbietet allen anderen, ihr Fandasein auszuleben und droht mit Konsequenzen. Die Drohungen sind derartig kriminell und ernst zu nehmen, dass es kein Wunder ist, dass es keine Fahnen und keinen organisierten Support gibt."

Nach Einschätzung der Polizei mischten sich in den beiden Gruppen mehr als 100 Anhänger, darunter Neonazis, Kampfsportler, Rocker und Hooligans. "Inferno" hatte sich kurz danach aufgelöst um einem Vereinsverbot zuvor zu kommen. Der Verein hat damals reagiert und unter anderem eine Stelle für Vielfalt und Toleranz angekündigt – die bisher aber noch nicht besetzt wurde. Außerdem wurde ein "Runder Tisch für Vielfalt" einberufen und ein Maßnahmenpaket verabschiedet.

Dem Verein sind im Fall des Bildes vom Cottbuser Altmarkt die Hände gebunden. Zum einen ist fraglich, ob die Leute überhaupt jemals identifiziert werden. Alle Beteiligten hatten Masken auf. Energie hat sich in einer Stellungnahme von den Maskenträgern distanziert, es handle sich um eine "Darstellungsform die menschenverachtend, abstoßend und in keiner Weise tolerierbar ist", heißt es darin. Außerdem erwarten die Maskierten "bundesweite Stadionverbote und lebenslange Hausverbote" im Stadion der Freundschaft.

Viel mehr Möglichkeiten gibt es da nicht. Das wird auch klar mit einem Blick auf das Skandalspiel im April 2017: Hitlergrüße waren zu sehen, Vermummte aus dem Cottbuser Block hatten den Platz gestürmt, zwei Mal wurde das Spiel fast abgebrochen. Trotz zahlreicher Identitätsfeststellungen wurde nur ein Cottbuser im Nachgang tatsächlich verurteilt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 30.05.2018, 19.30 Uhr

Kommentarfunktion am 31.05.2018, um 17.55 Uhr geschlossen. Zu diesem Thema gibt es einen aktuelleren Beitrag.  

Beitrag von Sebastian Schiller

18 Kommentare

  1. 18.

    Es überrascht nicht, dass Ihnen Symbolische Gewalt nach Bourdieu so wenig sagt, dass Sie sich darüber lustigmachen. Wer in der Gesellschaft als weniger wichtig und dessen Anliegen, Bedürfnisse entgegen Gleichwertigkeit abgewertert werden, erfährt Symbolische Gewalt. Das ist bei Rassismus immer gegeben.

    Was auch immer Sie pauschal unter "linkem Weltbild" verstehen, interessiert niemanden. Es interessiert aber sehr wohl, ob jemand Sprache dazu nutzt, Ungleichwertigkeitsideologien zu legitimieren oder zu verbreiten. Das haben Sie nun auch dieses Mal wiederholt. Es spielt keine Rolle, ob eine Beabsichtigung bei rassistischer Sprache vorliegt, sie ist davon unabhängig wirkmächtig - erst recht, wenn sie jemand als unbedeutend verharmlost.

    Warum das gesellschaftliche Problem Rassismus auf Nazis begrenzen? Individueller, struktureller und institutioneller Rassismus gehen weit über Alte o. Neue Rechte hinaus. Sie aber entkommen Ihrer eigenen Rechtfertigung und Verantwortung nicht.

  2. 17.

    Wer Zigeunerschnitzel isst, Negerküsse verdrückt und Zensur ablehnt, muss natürlich ein unbelehrbarer Rassist sein. Wie einfach doch das linke Weltbild ist... *seufz*
    Aber "Symbolische Gewalt"? Hm... das ist neu. Ich bin also eine Art substantivischer Schläger (man beachte, wie sich das abkürzen ließe), ein Pronomenprügler und ein Nominativnazi? Also DAS gibt mir jetzt echt zu denken...
    Aus dem zweiten Absatz werde ich aber zugegebenermaßen nicht so recht schlau... Ich gehe ab und zu an Streifenwagen vorüber und verwende öffentliche Verkehrsmittel. Sagt das etwas über mich aus?
    (Nebenbei fiele es mir im Traum nicht ein, Süßspeisen oder Fleischerzeugnisse abzuwerten. Personen werte ich übrigens auch nicht ab, da ich sie nicht mit den genannten Dingen verwechsle.
    Klar bin ich für meine Kommentare ebenso verantwortlich wie Sie für die Ihren.
    Und ich bin ebensowenig ein Rassist wie Sie jemand sind, der mit anderen Meinungen umgehen kann.
    Jeder Nichtlinke muss ein Nazi sein, hm?

  3. 16.

    Ja, ist ja gut. Wir haben jetzt alle verstanden, dass Sie ein unbelehrbarer, überzeugter Rassist sind, der jede Möglichkeit nutzt, um rassistische Sprache - und damit Symbolische Gewalt - zu verharmlosen, legitimieren oder sogar zu verbreiten. Abzuwerten, um Ausgrenzungen zu legitimieren, IST Rassismus.

    Rassismus im Alltag ist etwas, dem sich die "weiße Mehrheitsgesellschaft" eben nicht jeden Tag ausgesetzt sieht. Ob ein gewöhnliches Vorbeilaufen an einem Streifenwagen oder das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel oder aber diskriminierende Sprache - gerade weil es nicht der Alltag einiger Menschen ist, muss dieser von Ausgrenzungen und Abwertungen geprägte Alltag aber thematisiert werden, um so Solidarität noch stärker zu ermöglichen.

    Herr Wollitz ist für seine Reproduktion von Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*zza verantwortlich, so wie die KKK-Anhänger*innen für den Verstoß gegen §86a StGB, so wie die Polizei für Strafvereitelung im Amt, so wie Sie für Ihre Kommentare.

  4. 15.

    Da "Neger" letztlich nur "Schwarzer" bedeutet, sehe ich da kein Problem.
    Ist es wirklich so schwer, nicht hinter jeder Bezeichnung eine Beleidigung/Benachteiligung/Herabsetzung zu sehen?
    Ich versichere Ihnen: Egal was vor -küssen und -schnitzeln steht, wird weder zur Wiedereinführung von Rassengesetzen noch zu einem Revival der Sklaverei führen.
    Es gibt nun wirklich wichtigere Probleme als solche, für die es eine Sprachpolizei bräuchte.

    @ Schau ins Land:
    Ich habe mit der Benennung der Wahrheit niemals ein Problem. Allerdings macht es einen Unterschied ob man längst etablierte Objektbezeichnungen verwendet oder (worauf Sie vermutlich abzielen) Personen beschimpft, die das eigene Weltbild nicht teilen.

  5. 14.

    Die brandenburgische Polizei 'tickt' ähnlich wie die berliner Kollegen!
    Während mir bei einer Anti-Pogida-Demo in Potsdam vor ein paar Jahren von den mich abführenden Polisisten "Beleidigung" vorgeworfen des ach so armen Pogida-Müller wurde, was aber in keiner Weise zutraf, wurde ich nun in Berlin am 27.5. in Handschellen gelegt und sollte dem Haftrichter vorgeführt werden. 5 Stunden Freiheitsberaubung - ohne Grund!
    Das ist erwiesen!
    Dieser Vorfall ist einer von vielen, dass Polizisten nach wie vor bei 'rechts' weggucken, aber bei 'links', bzw. Zeigen von Zivilcourage am liebsten zuschlagen!

  6. 13.

    Ich verstehe die Aktion inhaltlich nicht. Wenn das Energie-Fans sind, wieso feiern sie dann den Aufstieg des "Bösen"?
    Die Polizei hätte auf den Verstoß des Vermummungsverbots reagieren müssen. Es ist schade, wenn durch solche Ereignisse all die berechtigte Kritik an der aktuellen Asylpolitik unterlaufen wird.

  7. 12.

    Lassen Sie einfach mal das Wort Negerkuß auf englisch über Ihre Lippen gehen oder besser noch amerikanisches Englisch. Vielleicht kommen Sie dann der Bedeutung des Wortes etwas näher. Aber es soll ja viele Sturköppe im Land geben.

  8. 11.

    Also wenn schon dann „ umherziehendes Volk“. Auch sind nicht alle „Roma“ damit gemeint und schon gar nicht gleich alle Gauner. Andere Volksgruppen wurden früher auch als Zigeuner bezeichnet ( Slowaken z.B.).

  9. 10.

    Dann dürfen Sie und Ihre Freunde sich auch nicht wundern und ärgern, wenn man Sie als das bezeichnet was Sie sind.

  10. 9.

    Das scheint im Osten des Landes leider üblich, und "normal zu sein.

  11. 8.

    Ich benutze nach wie vor das Wort "Zigeuner" - was zugegebenermaßen sowohl an meiner Unfähigkeit liegt, Sinti und Roma auseinanderzuhalten, wie auch daran, dass ich es schlichtweg so gewöhnt bin.
    Auch den "Negerkuss" lasse ich mir nicht abgewöhnen und das "bereinigen" von Kinderbüchern lehne ich rundweg ab.
    Der Verfasser dieses Artikels hat aber durchaus Recht, wenn er diesen Mummenschanz als geschmacklos bezeichnet (auch wenn eine derartige Äußerung in einem Bericht nichts zu suchen hat), schießt aber bei der gedankenlosen Mitaufzählung von Rockern und Kampfsportlern über's Ziel hinaus. Auch wenn diese Information von der Polizei stammt, scheint es mir schlichtweg irrelevant zu sein.


  12. 7.

    Es ist beschämend wie in Cottbus Polizei, Trainer, Mannschaft, Fans und "besorgte Bürger" in Eintracht den Ruf des ganzen Bundeslandes versauen.

  13. 6.

    Soweit ich weiß, stammt die Bezeichnung "Zigeuner" aus dem Mittelhochdeutsch, und bedeutet soviel wie ziehende oder umherziehende Gauner.

  14. 5.

    Faschistisches, rassistisches Sprachgut gehört einfach nicht zum Sport. Begreift das endlich einmal. Schönfärberei und Verharmlosung sind völlig unangebracht, helfen auch nicht weiter. Das Wort Zigeuner ist „ negativ“ behaftet,Punkt

  15. 4.

    Der Sorachgebrauch des Wortes "Zigeuner" hat sich in drn letzten Jahren sensibilisiert und verändert. Sprache folgt dem gegenwärtigen Zustand der politischen Gesellschaft. Der Moderator hat Recht, nicht der Kommentator vor mir: Zigeuner ist gleich wie das Wort Neger nicht mehr wertfrei zu betrachten, sondern ein rassistisches Schimpfwort. Es muss Sinti oder Roma heisse , sonst outet man sich entweder als nicht up to date oder als rechter Rassist.

  16. 3.

    Die Polizeibeamten vor Ort "hätten die Mützen auch registriert, allerdings als Maskierung fehlinterpretiert, damit man die Träger beim Abbrennen von Bengalos nicht erkenne."
    Warum sind sie dann nicht gegen das Abbrennen von Bengalos eingeschritten, wenn das so verboten ist, dass sich die Täter nach Meinung der Polizei deswegen sogar maskieren müssen, um dabei nicht erkannt zu werden?
    Aus der Aussage der Polizei werde ich nicht schlau.

  17. 2.

    "Aufstieg des Bösen" war der Untertitel eines Films: "Hitler - Der Aufstieg des Bösen"

    Mehr fällt mir dazu jetzt auch nicht ein.

  18. 1.

    Lieber Herr Wollitz,
    "Zigeuner" ist nicht per se ein Schimpfwort sondern bezeichnet voll tolerabel die Volksgruppe der Sinti und Roma,die z.B. in der Kunst eine hohe Wertschätzung erfährt.
    Sie fristet aber auch ein Clan-Dasein unter Schikane durch ihre Häuptlinge,die ihr auch das Nomadenleben aufzwingen was auch diese Volksgruppe nicht als erstrebenswertes Lebensziel betrachtet.
    Selbstredend darf man diese Halunkenhaftigkeit auch auf andere Halunken übertragen !
    Nicht Sie sind unwissend,sondern der Herr Moderator Mickan von Antenne Brandenburg wenn er tönt man müsste eigentlich wissen,dass "Zigeuner" komplett ein Schimpfwort ist !
    ...

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