Cheftrainer Claus-Dieter (Pele) Wollitz (Energie Cottbus) (Quelle: imago/Beyer)
Audio: Interview mit Claus-Dieter Wollitz | 29.05.2018 | Bild: imago/Beyer

Interview | Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz - "Wir wussten nicht, dass das so eine Beleidigung ist"

Ku-Klux-Klan-Kapuzen und "Zigeuner"-Gesänge: Gleich mehrere Vorfälle überschatten den Wiederaufstieg von Energie Cottbus in die 3. Liga. "Unglaublich und schade", kommentiert Trainer Wollitz im rbb-Interview. Und versucht nach vorn zu blicken.

rbb|24: Pele Wollitz, die Jungs sind auf Mallorca im Kurz-Feierurlaub, haben Sie schon etwas von der Mannschaft gehört?

Claus-Dieter Wollitz: Einige Fotos wurden gepostet. Es gibt ja heutzutage immer WhatsApp-Gruppen. In einer bin ich auch drin, die heißt "Peles-Boy-Group", die habe ich aber nicht selbst so genannt. Ich denke, dass die Jungs sich das mehr als verdient haben. Sie sollen richtig feiern und Spaß haben. Der Ernst kommt bald wieder zurück.

Jetzt sind zwei Tage vorbei. Ist Ihnen schon klar, was Sie mit der Mannschaft, mit dem Trainerteam geschafft haben?

Ich habe es schon gesagt und sage es gern jetzt noch einmal: So einen Druck wie seit Samstag habe ich noch nie für ein Fußballspiel empfunden. Anspannung hat man immer und man hat auch Verantwortungsbewusstsein, aber beim Abschlusstraining hatte ich das Gefühl, dass alles, was wir uns erarbeitet haben, weg ist.

Wir sind in so einen Nachdenklichkeitsmodus gekommen und hatten auf einmal Angst, etwas zu verlieren. Das konnte man dann auch am Sonntag sehen. Wir haben nicht diese Risikobereitschaft, diesen Spielfluss gehabt, weil keiner den Fehler machen wollte. Ich bin heilfroh, dass es dann so ausgegangen ist. Es war kein sportliches Spektakel, aber wir haben den Aufstieg geschafft. Wenn man 89 Punkte holt und dann im Hinspiel eines Relegationsspiels 3:0 führt zur Halbzeit, das dann am Ende 3:2 ausgeht, dann weißt du, was auf dem Spiel steht. Von daher bin ich glücklich und es geht nicht darum, zu sagen, was wir da geschaffen haben.

Wir sind einfach wirklich dankbar, stolz und ich bin stolz, ein Teil davon zu sein. Ich hatte in den vergangenen Wochen das Gefühl, dass das nur auf meine Position gemünzt ist. Da haben sehr viele Menschen ihren Anteil daran. Wichtig wird auch sein, diesen eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.  Nicht zu spinnen, sich realistische Ziele zu stecken. Die Fans haben etwas Außergewöhnliches geleistet. Man sieht, welche Substanz in Cottbus herrscht, wenn in wenigen Minuten das Spiel ausverkauft und so eine phantastische Stimmung wie am Sonntag im Stadion ist.

Nun gab es diesen enormen Erfolg für Sie, für die Mannschaft, die Region - und dann auf der anderen Seite Schlagzeilen um Gesänge, das Foto auf dem Altmarkt. Wie haben Sie das empfunden?

Das Foto auf dem Altmarkt habe ich gestern mitbekommen und finde es abscheulich. Ich finde es auch schade, dass gerade in dieser Phase das wieder benutzt worden ist, um negative Schlagzeilen zu produzieren. Da distanzieren wir uns klar davon. Ich habe mich gestern erst einmal belesen, dass das aus den USA kommt. So etwas finde ich unglaublich und schade. Aber da müssen wir ganz klar unsere Linie weiter beibehalten, uns klar positionieren und klar dagegen angehen.

Für das andere habe ich mich entschuldigt. Ich bin einmal auf einer Pressekonferenz bei meinem damaligen Verein Victoria Köln als Zigeuner beschimpft worden. Auf der Rückfahrt im Bus von Luckenwalde, wo rein rechnerisch klar war, dass wir die Meisterschaft gewonnen hatten, haben die Spieler unter Alkohol gesungen: "Trainer, du Zigeuner". Da habe ich dann zurück gesungen: "Mannschaft, ihr Zigeuner". Am Sonntag ist das dann irgendwie in die Öffentlichkeit gekommen. Wir wussten nicht, dass das so eine Beleidigung ist. Wir möchten keinen beleidigen, wir haben nicht das Recht, irgendwelche Menschen zu beleidigen, im Gegenteil. Wir können uns nur entschuldigen und uns klar distanzieren. 

Inwieweit nervt Sie das aber trotzdem, gerade was dieses Foto auf dem Altmarkt betrifft? 

Wir sind seit gestern wieder nur in den negativen Schlagzeilen. Der Aufstieg ist im Moment zweitrangig. Das finde ich schade. In den letzten Monaten ist so viel Falsches über diese Stadt und diese Region kommuniziert worden, aus wenig wird viel gemacht. Ich möchte es nicht kleinreden, was da am Sonntag passiert ist. Ich hoffe, dass man herausfinden kann, wer sich hinter den Masken verbirgt und dass man diese zur Rechenschaft zieht, dass das nie wieder passieren kann. Es ist schade und traurig für die Region und wird den Menschen hier nicht gerecht.

Nun also spielt Energie in der 3. Liga: Mit einem Trainer Claus-Dieter Wollitz?  

Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich diese Mannschaft und diesen Verein im Stich lasse. Mein Wort ist mir dann schon sehr wichtig, ich finde, dass wir am Anfang sind. Natürlich strebe ich auch immer nach dem Höchsten. Aber in so einer Situation verbietet es sich, sich darüber Gedanken zu machen und das, was gerade aufgebaut wurde, zu verlassen.  

Wie gut sind Sie aufgestellt für die 3. Liga? 

Der Kern der Mannschaft bleibt ja. Die Mannschaft hat in den letzten zwei Jahren eine Entwicklung genommen, die so auch nicht zu erwarten war. Wir sind gut aufgestellt, weil das Team im Vordergrund steht. Ich habe selten eine Mannschaft begleiten dürfen, die so ein Sozialverhalten hat, was Auftreten und Respekt betrifft. Wir müssen kluge Entscheidungen treffen, um die Mannschaft zu stabilisieren und in der Liga zu etablieren. Ich glaube auch, dass Energie nicht in die 3. Liga gehört. Energie Cottbus hat die Substanz, wieder in der 2. Liga anzukommen. Aber wir dürfen nicht wieder den siebten Schritt vor dem ersten machen. Wir müssen mit Bescheidenheit und Kontinuität die nächsten Schritte einleiten. Das möchte ich gern weiterhin begleiten, weil diese Mannschaft vom Alter her top aufgestellt ist und im Nachwuchs Riesenmöglichkeiten hat.

Auf welchen Positionen wollen Sie sich verstärken?     

Es geht nicht unbedingt um Positionen. Es geht darum, zwei oder drei Spieler zu bekommen. Die müssen uns nicht erklären, wie Fußball geht und das Gebilde kaputt machen. Sie sollen bereit sein, dieses Projekt weiter zu stabilisieren, frisches Blut, frischen Wind herein bringen.  Wenn möglich, sollen sie Entwicklungspotential haben.

Welche Bedingungen brauchen Sie für die 3. Liga?

Für uns ist wichtig, dass die Infrastruktur erhalten bleiben kann. Trainingsplätze und Krafträume sind wichtig, auch ein starkes Funktionsteam. Da bräuchten wir vielleicht noch jemanden. Es ist schön, dass der Verein jetzt bessere Möglichkeiten als in der 4. Liga hat. Aber die sind nicht so rosig, dass wir jetzt losgehen und Spieler kaufen können, um als Favorit in der Liga zu starten. Wenn man nur die ganzen Namen liest: Eintracht Braunschweig, Kaiserslautern, Karlsruhe, Hansa Rostock - das wird eine knüppelharte Saison. Bodenhaftung behalten, Demut behalten und vor allem bescheiden und dankbar sein, dass wir wieder in der 3. Liga sind.

Was wünschen Sie sich von den Fans für die 3. Liga?

Einfach weiterhin diese geile Unterstützung, diese Rückendeckung, dieses Gefühl, ins Stadion hereinzukommen und als Mensch akzeptiert zu werden. Wenn wir das weiter schaffen, dann werden sich die Spieler weiter wohl fühlen und können Top-Leistung bringen. Wenn wir die Fans nicht nur benutzen, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnen, dann werden wir das auch bekommen.

Wann geht es für Sie in den Urlaub?

Ich habe diese Woche noch einiges zu erledigen: Freundschaftsspiele, Spielertransfers. Dann hoffe ich, dass ich am Wochenende ein paar Tage abschalten darf.

Das Interview führte Christian Matthée.

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12 Kommentare

  1. 12.

    Vorab. Glückwunsch an den FC Energie, die Stadt und die Region zum Aufstieg in den Profifußball, wo man auch hingehört. Cottbus ist ein umkämpftes Pflaster von links und rechts. Gleichzeitig bedeutet dieser Verein sehr vielen Menschen in der Region etwas. Ich persönlich glaube nicht, dass irgendwelche Rassist*innen dieses Banner am Altmarkt entrollt haben, sondern dass es sich hier um Mitglieder der radikal-linken Szene gehandelt hat, die auf das Cottbuser Neonazi-Problem aufmerksam machen wollen. Das ganze mit einer absolut geschmacklosen Aktion, aber so ist das auf einem Kriegsschauplatz. Der Verein hat hingegen Einfluss, dass sein Stadion kein solcher wird und hat das bei einem absolut friedlichen Fußballfest demonstriert. Wenn er sich jetzt zusammen mit einem lernenden Trainer Pele Wollitz weiter positioniert, kann Cottbus auch in der öffentlichen Wahrnehmung die Wende schaffen. Unwissenheit ist sicher eine Schande, aber aus jeder Schande sollte man sich befreien dürfen. Viel Glück

  2. 11.

    Wenn es Wollitz mit der Entschuldigung ernst gemeint hätte, hätte er sich das Lawieren und Rumeiern sparen müssen. Dass Leute, die die"Ziegeuner" oder auch "Jude" oder ähnliches zum Sprachgebrauch gehören das nicht verstehen bzw. nicht verstehen wollen - wie man auch hier im einigen Kommentaren erkennen kann - macht es nicht besser.

  3. 10.

    Es macht einen echt traurig, das wegen dieser zwei „Vorkommnisse“ das schöne Fussballfest fast in den Hintergrund gedrängt wird. Die B... Zeitung hätte Bilder aus dem Stadion zeigen können, aber nein, nur das eine Bild der KKK-Aktion. Was soll da unser Land über uns denken.
    20.000 Menschen im Stadion feiern, Die Mannschaft und der Trainer feiern. Und danach sollen Sie sich öffentlich entschuldigen, für Ihre Äußenrungen, die nur für Trainer und Mannschaft untereinander gedacht waren. Versteh ich nicht.
    Kann mir nicht vorstellen , das die Leute sich für Energie Cottbus interessieren, die diese Entschuldigung fordern. Ist politisch nicht korrekt gewesen und manch einer füllt sich angegriffen. Stimmt. Aber das so in den Vordergrund zu stellen, ich weiß nicht. Und hätte man über die KKK Aktion nicht berichtet, die hätten sich noch so geärgert, dass Sie nicht in den Medien waren. Hoffentlich die Polizei kümmert sich um diese Aktion genau so intensiv wie die Presse !

  4. 9.

    Ja ja... die Moralapostel...nehmen sich immer sehr wichtig! Zigeunerbaron, Zigeunerschnitzel, Mohrenkopf oder Negerkuss...alles korrekt? Wer im täglichen Leben wahrscheinlich nichts anderes zu sagen hat springt auf diesen Zug auf
    Ich freue mich jedenfalls über den Aufstieg unter diesen Bedingungen...und vielen Dank an Pele und das gesamte Team ENERGIE

  5. 8.

    Jetzt sollten alle aber mal wieder einen Gang zurück schalten. Wann und wo hat Pele Wollitz je Anlass dafür gegeben, ihn für einen Rassisten zuhalten. Die Aussage mit dem "nachlesen" ist sicher Quatsch, aber aus dieser "Zigeuner-Geschichte" jetzt irgendwas zu konstruieren, ist reichlich dämlich. Das Wort wird nun mal "umgangssprachlich", auch wenn das manch politisch Überkorrektem nicht gefällt, sinnbildlich für "nicht sesshaft" benutzt und so war es vermutlich ursprünglich auf besagter Pressekonferenz in Bezug auf häufige Vereinswechsel von P. Wollitz gemeint. Und zum KKK-Vorfall: Brandenburg, Cottbus und auch die FCE-Fanszene hat offensichtlich ein Problem mit rechtsradikalem Gedankengut. Das hat der Verein leider zu lange ignoriert, jetzt bezieht er aber endlich Stellung. Deshalb sind die Leute mit dieser Gesinnung aber nicht weg. Der FCE kann aber erstmal wenig unternehmen, wenn jemand seinen Namen für so etwasmisbraucht, außer sich klar zu distanzieren. Das hat er getan. Punkt.

  6. 7.

    "(...) [Dieses] Gefühl, (...) als Mensch akzeptiert zu werden" - wie typisch für Verharmlosende und Verbreitende von Rassismus gelten Anerkennung und Wertschätzung nur gegenüber der eigenen konstruierten Gruppe. Über das Leben von Rom*nja und Sinti*zza, ihre Anerkennungskämpfe gegen Symbolische - und erst recht rassistische - Gewalt wird sich Herr Wollitz wohl auch "belesen" müssen.

    Die Distanzierung sieht gegenüber Ku-Klux-Klan-Anhänger*innen also so aus, dass man sich erst einmal selbst entlastet mit dem Hinweis, dass diese Gruppe aus den USA stammt - Glaubwürdigkeit und Verantwortung sehen anders aus.

    Mangelhafte Glaubwürdigkeit bis hin zu Verharmlosung zeigen sich auch in Wollitz' unkonkreter Anspielung auf die Berichterstattung über rechtsextreme Aktivitäten in Cottbus.

    Formale Distanzierungen sind keine Distanzierungen, sondern öffentliche Selbstinszenierungen. Das geht anders:
    http://www.fussball-gegen-nazis.de/startseite-fgn

  7. 6.

    Das Mücken - Elefanten- Geschäft sichert einer beträchtlichen Anzahl Redakteurinnen immer neu die öffentliche/rechtlichen Arbeitsplätze.

  8. 5.

    Im Demokratischen Vorzeigestaat USA ist das erlaubt.
    Gibt es also verschiedene Auslegungen von Demokratie,oder hat das alles mit dem Nimbus eines Staates zu tun ,der einen Krieg verloren hat ?
    Es würde mich mal die Meinung der unserer Volksvertreter und Medien interessieren.

  9. 4.

    "Ich bin einmal auf einer Pressekonferenz bei meinem damaligen Verein Victoria Köln als Zigeuner beschimpft worden." "Wir wussten nicht, dass das so eine Beleidigung ist." Ja was denn jetzt?

  10. 3.

    Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich weinen oder lachen muss...
    Herr Wollitz wusste also bis dato nicht, was der KKK ist, er hat sich belesen...
    Herr Wollitz wurde also in Köln als Zigeuner beschimpft.
    Jetzt später sagt er, er wusste nicht, dass das eine Beleidigung ist...

    Was ist das eigentlich: Dummheit oder "Verarsche" ?

    Und natürlich hat er sich mal wieder entschuldigt und distanziert......

  11. 2.

    Herr Wollitz fühlte sich mal als "Zigeuner" beschimpft, weiß aber nicht, dass die Verwendung dieses Wortes eine Beleidigung darstellt. Finde ich nicht nachvollziehbar. Da braucht man sich über den Alltagsrassismus, insbesondere in Fußballstadien nicht wundern. Hoffentlich

  12. 1.

    "In den letzten Monaten ist so viel Falsches über diese Stadt und diese Region kommuniziert worden, aus wenig wird viel gemacht..."
    Wie recht er doch hat!

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