Archivbild: Trainingsauftakt beim FC Energie Cottbus (Quelle: imago/Steffen Beyer)
Audio: Inforadio | 19.06.2019 | Andreas Friebel | Bild: imago/Steffen Beyer

Drittliga-Absteiger Energie Cottbus - Trainingsauftakt mit vielen Baustellen

Vier Wochen nach dem unglücklichen Abstieg in die Regionalliga war am Mittwochvormittag bei Energie Cottbus schon wieder Trainingsauftakt. Weil immer noch eine Menge Personal fehlt, fiel der aber anders aus als gedacht. Von Andreas Friebel

Auf den ersten Blick sah es beim Trainingsauftakt von Drittliga-Absteiger FC Energie Cottbus ganz gut aus. Auf den zweiten dann schon nicht mehr. Unter den 20 Spielern, die am Mittwoch über den Rasen liefen, waren lediglich elf, die auch einen Vertrag haben. Dazu gesellten sich fünf Probespieler und einige Nachwuchsakteure. Zu wenig für Trainer Claus-Dieter Wollitz. Der sagte kurzerhand die ebenfalls für Mittwoch geplanten Leistungstests im Sportzentrum ab.

Wollitz telefoniert zwar ständig mit potentiellen Neuzugängen. Die zieren sich aber noch mit einer Vertragsunterschrift. "Immerhin legt keiner auf, wenn ich anrufe. Aber es schreit auch keiner: Hurra!", erzählt der Cheftrainer, der bereits das zweite Mal den Neuaufbau nach einem Abstieg meistern muss.

Daran konnte auch die Pokalauslosung vom vergangenen Wochenende nichts ändern. Cottbus zog bekanntlich mit Bayern München das große Los. "Es ist nicht so, dass die Spieler jetzt an die Tür klopfen und alle zu uns wollen. Wir sind jetzt in der vierten Liga, mit keinen außergewöhnlichen finanziellen Möglichkeiten", sagt Wollitz.

Wollitz: "Ich nerve die Spieler jeden Tag"

Wobei es neben dem Heimspiel im DFB-Pokal gegen München ja auch noch ein Benefizspiel gegen Borussia Dortmund und ein Benefizkonzert für die Lausitzer geben wird. Am Geld allein kann es also nicht liegen, dass der Kader noch sehr überschaubar ist. "Ich nerve die Spieler jeden Tag. Aber sie wollen noch warten." Durchschnittliche Regionalliga-Spieler zu verpflichten, wäre nach Aussage von Wollitz hingegen kein Problem: "Da könnte ich jetzt sofort 120 unter Vertrag nehmen."

Aber Wollitz will nicht Masse, sondern Klasse für die "Mission Wiederaufstieg". Und dafür ist nun Geduld gefragt. Noch gibt auf dem Markt zahlreiche Fußballer, deren Verträge auslaufen, die aber darauf hoffen, mindestens in der dritten Liga unterzukommen. "Denen erkläre ich, dass die dritte Liga in vier Wochen startet. Wer da jetzt noch nicht im Fokus steht, der wird bestenfalls Ergänzungsspieler. Bei uns könnte er aber etwas aufbauen", sagt der Energie-Trainer.

Eigengewächs Felix Geisler will mehr Verantwortung übernehmen

Immerhin zwei Neuzugänge gibt es schon. Jan Koch kam vom Berliner AK, aus Erfurt wechselte der ehemalige Hertha-Nachwuchsspieler Tobias Hasse nach Cottbus.  

Wie die Saison läuft, hängt natürlich auch entscheidend davon ab, wen Energie noch überzeugen kann, in der Regionalliga zu spielen. Eigengewächs Felix Geisler jedenfalls zögerte nicht allzu lange mit seiner Zusage. Der 22-Jährige ist auf dem Sprung zum Stammspieler. "Meine Aufgabe ist es jetzt, mehr Verantwortung zu übernehmen."

Saisonstart in fünf Wochen

Jede Menge Verantwortung hatte in der vergangenen Saison bereits Torwart Avdo Spahic. Cottbus wollte deshalb einen Option in seinem Vertrag ziehen, damit er weiter im Energie-Tor steht. Doch offenbar gibt es Unstimmigkeiten, wie seine Option im Vertrag zu deuten ist. "Ich habe mit ihm telefoniert und gehofft, dass er heute zum Training kommt. Aber er ist nicht da", sagt ein enttäuschter Wollitz.

Das Tor ist aber nur eine von vielen Baustellen im Kader. Spieler mit reichlich Potential hat Energie nun inzwischen genug unter Vertrag. Was fehlt, sind Routiniers, die in der Kabine und auf dem Platz die Richtung vorgeben. Denn von einem ernsthaften Aufstiegsanwärter ist Cottbus aktuell noch weit entfernt. Aber noch bleibt ein bisschen Zeit. Der Saisonstart ist in knapp fünf Wochen.

Sendung: Inforadio, 19.06.2019, 16.15 Uhr

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