Mit Eisenocker belasteter Spreearm in Ragow (Quelle: Christian Rosenberger)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.03.2018 | Bild: Christian Rosenberger

Eisenocker belastet Spreewald - Brandenburg will neue Grenzwerte für Eisen und Sulfat

An manchen Stellen der Spree verfärbt zu viel Eisen das Wasser, manche Fließe sind eine einzige braune Brühe. Auch erhöhte Sulfat-Salzwerte sind ein Problem. Brandenburg will nun neue Grenzwerte festlegen. Den Grünen geht das viel zu langsam. Von Dirk Schneider

Lausitzer Flüsse haben zu viel Eisen und Sulfat. Die braune Spree wieder in den Griff zu bekommen, sagen Experten, ist eine Jahrhundertaufgabe. Und genau darüber hat am Donnerstag der Braunkohlenausschuss des Landes Brandenburg in Cottbus diskutiert.

Als ein Grund für die an bestimmten Stellen erhöhten Werte von  Sulfat-Salzen und Eisengehalt gilt der Bergbau. In stillgelegten Braunkohle-Gruben mischen sich das dort freigelegte Sulfat und Eisen mit dem zurückkehrenden Grundwasser und das Ganze gelangt in Gewässer. Auch der aktive Tagebau spielt eine Rolle.

Kurzfristige Lösungen werden bereits seit einigen Jahren praktiziert. Dazu gehört vor allem der Einsatz von Kalk. Er bindet das im Wasser, so dass es schließlich ausgebaggert werden kann. Zudem werden Filterbrunnen gebohrt um Eisenhydroxid von den Flüssen fernzuhalten. Messungen haben inzwischen deutlich weniger Eisen und Sulfat in der Spree attestiert. Weniger ja, aber immer noch zu viel sagen Kritiker.  

Braunkohlenausschuss tagt im Stadthaus Cottbus (Quelle: rbb/Dirk Schneider)
Bild: rbb/Dirk Schneider

Langfristige Lösungen sind gefragt

Im Braunkohlenausschuss wurde darüber informiert, dass das Land Brandenburg an zwei Papieren arbeitet. Eins davon soll bis Ende 2019 fertig sein und klären, was realistisch machbar ist, damit weniger Eisen und Sulfat in die Gewässer kommt. Von einem  Strategiepapier ist die Rede.

Papier zwei wird ein Erlass. Noch in diesem Jahr werden darin Grenzwerte für Eisen und Sulfat in der Spree festgelegt. Auch die sollen realistisch erreichbar sein. Der Begriff "realistisch" ist einigen im Braunkohlenausschuss zu weich, zu unbestimmt. Nach einer kurzen emotionalen Debatte war der kleinste gemeinsame Nenner: Es muss technisch machbar und bezahlbar sein.

Mit Eisenocker belasteter Spreearm in Ragow (Quelle: Christian Rosenberger)
Bild: Christian Rosenberger

Zu viel Eisen und Sulfat gesundheitsschädlich?

Als Maßstab gelten beispielsweise EU-Werte. Beim Eisen könnte der Wert bei 1,8 mg pro Liter liegen. Bei diesem Wert sollte es keine Braunfärbung des Wassers mehr geben. Beim Sulfat ist das noch nicht so klar. Es ist aus gesundheitlicher Sicht der wichtigere Wert. Zuviel davon kann Durchfall verursachen, außerdem schmeckt das Wasser bitter. Der neue Wert wird aber über dem Grenzwert für Trinkwasser liegen, diese Qualität wird die Spree nicht erreichen müssen.

Kritik der Grünen: Papier statt Gesamtplan

Für die Grünen im Brandenburger Landtag gehen die Pläne nicht weit genug. Trotz des klaren Auftrags vom Brandenburger Landesparlament, einen Gesamtplan zur Eindämmung von Tagebaufolgen bereits bis Ende 2016 vorzulegen, werde sich dessen Erstellung noch weiter erheblich verzögern, so die Kritik der grünen Abgeordneten Heide Schinowsky. "Die schädlichen Auswirkungen der Eisenocker- und Sulfatfrachten nehmen täglich zu, aber anstatt schnellstmöglich notwendige Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen, will die Landesregierung nun erst einmal ein sogenanntes Hintergrundpapier schreiben“, so Schinowsky.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

2 Kommentare

  1. 2.

    Hinzu kommen diverse andere Schadstoffe, die in Gewässern nichts zu suchen haben und unser Trinkwasser gefährden. " "Es kann von einer zivilisatorischen Grundlast von Kunststoffpartikeln in den Gewässern ausgegangen werden", erklärten die Umweltämter. Ihre Ergebnisse deckten sich mit denen anderer vergleichbarer Untersuchungen von Flüssen in Europa und Nordamerika. "Im Sinne des Vorsorgeprinzips" sollten daher "frühzeitig Maßnahmen zur Reduktion weiterer Einträge eingeleitet werden", betonten die Ämter. [...] Mikroplastik ist nicht nur in Gewässern ein Problem: US-Forscher wiesen auch in Trinkwasserflaschen eine zum Teil erhebliche Konzentration von Mikro-Plastikpartikeln nach. Die Plastikteilchen gelangen offenbar beim Abfüllprozess ins Wasser, schreiben die Forscher der State University of New York. Die Wissenschaftler testeten 250 Flaschen in den USA, Brasilien, China, Indien, Indonesien..." http://www.tagesschau.de/inland/mikroplastik-105.html

  2. 1.

    "Es muss technisch machbar UND [!] bezahlbar sein." Orientiert sich das Land Brandenburg hier an der VW-Strategie und den Profitinteressen der Kohleindustrie?! @rbb Was sagen denn unabhängige Wissenschaftler*innen zu Grenzwerten, die der Gesundheit nicht schaden? "Der neue Wert wird aber über dem Grenzwert für Trinkwasser liegen, diese Qualität wird die Spree nicht erreichen müssen." Warum nicht? Die Spree ist doch eine Trinkwasserquelle! Soll "ist eine Jahrhundertaufgabe" die Rückkehr zu einer industriefreundlicheren Umweltpolitik einläuten? Nach dem Motto, wer braucht schon sauberes Wasser?! Wenn sauberes Wasser technisch bezahlbar nicht machbar ist, könnte das ein weiterer Grund sein den Kohlebergbau zu beenden? Viele "tote" Flüsse waren in den 70ern Anlass für den Gewässerschutz. Die giftige Fracht der Spree belastet auch die Nordsee. DANKE für den Beitrag!
    Vergleiche auch https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/wasserrecht#textpart-1

Das könnte Sie auch interessieren

Wein an der Seepyramide treibt aus (Quelle: rbb/Florian Ludwig)
rbb/Florian Ludwig

Nach Brand im Pückler-Park - Die Pyramide lebt

Es ist ein Schock Anfang März für viele Cottbuser: Die Seepyramide im berühmten Pückler-Park Branitz brennt. Von den Brandstiftern fehlt jede Spur, doch die Gartenexperten können aufatmen: Der beschädigte Wein treibt wieder aus. Von Florian Ludwig