ARCHIV - Ein Schild "Achtung Gefahrenbereich" steht am 27.07.2015 in Grabko (Brandenburg) auf dem Schwimmsteg des Pastlingsees. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.05.2018 | Iris Wußmann | Bild: dpa-Zentralbild

Wasserverlust durch Tagebau - Die Leag füllt jetzt Lausitzer Seen auf

Rund um den Tagebau Jänschwalde verlieren mehrere Lausitzer Seen massiv Wasser: Aus Badeparadiesen werden Schlammlöcher. Seit Dezember ist amtlich, dass das mit dem Tagebau zusammenhängt. Nun muss der Betreiber Leag gegensteuern. Von Iris Wussmann

Gegen das Austrocknen einiger Seen rund um den Tagebau Jänschwalde (Kreis Spree-Neiße) sollen mehrere Brunnen gebaut werden. Aus 100 Meter Tiefe will der Tagebaubetreiber Leag das Grundwasser holen und über Leitungen in die Seen leiten, teilte das Unternehmen zusammen mit dem Brandenburger Landesumweltamt und Landesbergamt am Donnerstag in Cottbus mit.

Start: Voraussichtlich Frühjahr 2019. Innerhalb von zwei Jahren soll dann der Wasserstand von 2010 erreicht werden. Seit jenem Jahr kann dem Bergbaubetreiber die Verantwortung für den Wasserschwund nachgewiesen werden.

LEAG MLUG und LBGR bei Vorstellung der Pläne Brunnenbau (Foto: rbb/Wußmann)
| Bild: rbb

Ein Problem - viele Ideen

Diskutiert wurden ganz verschiedene Maßnahmen, darunter ein Stopp des Tagebaus oder der Bau einer 20 Kilometer langen Dichtwand. Genauer geprüft worden seien neun verschiedene Maßnahmen, erklärte Kurt Augustin, Abteilungsleiter im Brandenburger Umweltministerium. Am Ende habe sich dabei der Bau der Brunnen durchgesetzt.

Die Maßnahmen sollen den Groß- und Kleinsee, den Deulowitzer See sowie den Pinnower See retten. Die Leag übernimmt nun auch komplett die Flutung des Pastlingsees. Bisher hatte sich darum der Wasser- und Bodenverband gekümmert, die Leag bezahlte lediglich die Maßnahme.

Die benötigten Wassermengen für die fünf Seen sind unterschiedlich. Beim Kleinsee etwa seien es beispielsweise drei Wassereimer pro Minute, beim Großsee und beim Pinnower See sind es bis zu anderthalb Badewannen.

Pastlingsee erholt sich langsam

Der Tagebaubetreiber hat für das Vorhaben drei Millionen Euro eingeplant. Der größte Teil werde für die Installation von Tiefbrunnen gebraucht, der Rest "um die Betriebsführung in den nächsten mindestens zwanzig Jahren durchzuführen", so der Leag-Chefgeotechniker Ingolf Arnold. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Einfluss des Bergbaus auf den Wasserverlust weiter zunehmen wird.

Noch im vergangenen Jahr sah die Leag keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Wasserverlust und dem Tagebau.

Nach einem großen Fischsterben 2015 war der Wasserrückgang im Pastlingsee untersucht worden. Das Landesumweltministerium Brandenburg kam anschließend zu dem Schluss, dass der Tagebau den Wasserverlust mitverursacht. Das Energieunternehmen Leag widersprach dem zwar, leitete aber freiwillig Wasser in den Pastlingsee. Langsam nun erholen sich die Flora und Fauna des Sees.

Erleichterung bei Betroffenen

Für den Bürgermeister der Gemeinde Schenkendöbern, Peter Jeschke, ist das deutliche Bekenntnis der Leag überfällig. Auch, wenn es noch eine Weile dauern wird, bis der Wasserspiegel wieder steigt, ist er froh, dass endlich etwas passiert - "denn wir kämpfen ja schon seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten. Und ich muss das jedes Jahr mit ansehen, wie nach und nach das Wasser weggegangen ist", so Jeschke mit Blick auf den Pinnower See.

Grafik Seen Tagebau Jänschwalde Brunnen LEAG

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Jules Verne konnte interessante und gute Geschichten schreiben. Dieser Beitrag stellt die Geologie auf den Kopf. Selten solch einen fachlichen Unsinn gehört. Wenn die Ostsee geflutet sein wird, wird auch der Grundwasserspiegel in dieser Region wieder ansteigen. Diese Seen demonstrieren den Grundwasserspiegel und sind Endmoränenseen. Jedes zugefügte Wasser zerstört das biologische Gleichgewicht und das gute Wasser läuft, weil es wärmer ist, sofort ab.

  2. 5.

    Auf der anderen Seite wurden ja durch die Braunkohle viele neue Seen geschaffen.

  3. 4.

    Gut, dass die Sache nun angegangen wird. Allerdings viel zu spät und nur punktuell. Bereits bei der Genehmigung der Erweiterung des Tagebaus hätte es Auflagen für die sich abzeichnenden Umweltschäden geben müssen. Die Ursache nämlich den Tagebau von Seitens des Betreibers abzustreiten spricht Bände-ist aber ein eher normaler Reflex. Die Positionierung des Umweltministeriums war richtig aber die wohl schwächste Form der Meinungsäußerung. Sobald es einen Rückgang des Wasserstands gab hätte man handeln müssen-also seit 2010. Auch wenn die Seen nun erhalten werden, was passiert mit der Umgebung durch den Rückgang des Wasserspiegels. Brunnen für die Bewässerung der Felder oder Absenkungen des Bodens dürften ja ebenfalls Probleme verursachen. Eine ehrliche Kosten/Nutzen Bilanz für die bestehenden Tagebaue sieht zumindest für die Anliegergemeinden verherend aus. Jobs und Steuern halten sich in Grenzen während die Region Jahre an den Umweltschäden und den abgebagerten Dörfern leiden wird.

  4. 3.

    Die LEAG ist und bleibt der grösste Umweltzerstörer in der Lausitz. Gemeinsam mit der kohlehörigen Politik werden Schäden solange abgestritten bis es nicht mehr geht. Hausbesitzer im Einzugsgebiet der Wasserabsenkung eines Tagebaus
    (Radius mind. 10 km) können von diesen Machenschaften und den Gebäudeschäden ein Lied singen.

  5. 2.

    Richtig, wenn nachweislich der Mensch, hier ein Unternehmen, für Veränderungen in der Natur verantwortlich ist, kann das die Natur selber regeln, Vorsicht Ironie.
    Ein gutes Beispiel sind die Regenwälder, welche sich anscheinend schneller regenerieren als wie sie abgeholzt werden, ach ne, das war ja auch anders.
    Und nun kurz ernsthaft, die Natur braucht ohne Unterstützung eine Ewigkeit um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Der Mensch jeder kann innerhalb kürzester Zeit die Natur aus dem Gleichgewicht reißen.
    Mein Tipp für einen Eigenversorgung, einfach Mal auf die Arztbesuche und Medikamente verzichten und Mal schauen wie der Körper sich bei ernsthaften Krankheiten oder Verletzungen selber regeneriert, ist ja Natur, ist eben so.

  6. 1.

    Ich finde, es kann doch ruhig austrocknen, man kann doch die Natur machen lassen. Ist eben so.
    Vielleicht findet man etwas interessantes oder es wird zur Attraktion.
    Die Austrocknung hängt bestimmt auch damit zusammen, dass es einzig in Deutschland in und um Berlin so gut wie gar nicht mehr regnet. Es soll ja so etwas wie Geo-Engineering geben...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Geoengineering#Gefahren

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