Arvato, Cottbus (Quelle: rbb/Dirk Schneider)
Video: Brandenburg Aktuell | 09.05.2018 | Rico Herkner | Bild: rbb/Dirk Schneider

Fast 300 Mitarbeiter betroffen - Oberbürgermeister bedauert Arvato-Schließung in Cottbus

Mehr als 280 Arbeitsplätze fallen in Cottbus weg, wenn dort in einem Jahr ein Arvato-Callcenter dichtmacht. Der Oberbürgermeister spricht von einem großen Verlust. Laut Gewerkschaft müssen auch Kollegen bei einem anderen Anbieter bangen.  

Sieben Callcenter will Bertelsmann in Ostdeutschland schließen – darunter auch eins in Cottbus. Der Standort könne nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, hieß es am Dienstag zur Begründung.

Oberbürgermeister Holger Kelch zeigte sich am Mittwoch betroffen von dieser Entscheidung: "Ich bedauere es zutiefst, dass diese Standortentscheidung gegen Cottbus gefallen ist", sagte er dem rbb. Es handele sich um 280 Arbeitsplätze weitestgehend im sozialversicherungspflichtigen Bereich – das sei für Cottbus natürlich ein Rückschlag, gerade in Anbetracht des Strukturwandels in der Region.

Der Bürgermeister von Cottbus Holger Kelch (Quelle: rbb)
Der Oberbürgermeister von Cottbus, Holger Kelch. | Bild: rbb

Sieben ostdeutsche Standorte betroffen

Ein Arvato-Sprecher hatte am Dienstag auf Anfrage von rbb|24 bestätigt, dass sieben Arvato-Standorte aufgegeben werden. Das Callcenter in Cottbus - es ist eins von drei Arvato-Standorten in der Stadt - soll zum 30. April 2019 schließen. Die Belegschaft wurde nach Angaben des Unternehmens am Dienstag informiert. Die Entscheidung begründet Arvato mit sinkenden Aufträgen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben 284 Mitarbeiter.

Direkt im Anschluss sei das Unternehmen in Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung eingetreten, um über einen Sozialplan zu verhandeln, hieß es in einer Mitteilung. Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Schließung als skandalös und forderte sichere Beschäftigungsperspektiven für die Betroffenen.

Außer Cottbus sind nach Worten des Sprechers Niederlassungen in Magdeburg, Leipzig, Suhl und Gera betroffen. Es handelt sich ausschließlich um Arbeitsplätze im Bereich Kundenkommunikation – die Facebook-Löschzentren, die auch bei Arvato angesiedelt sind, seien nicht dabei.

IHK: Callcenter-Branche ist wichtig für Cottbus

Die Entscheidung von Arvato sei ein Verlust für die Region, sagte Katrin Erb von der IHK Cottbus: "Das Dienstleistungsgewerbe Callcenter an sich ist eine ganz wichtige Sache für Südbrandenburg, das bietet auch Quereinsteigern und Menschen mit geringer Qualifikation ganz gute Chancen." Die Branche habe sich in der Region gut entwickelt – und jetzt fielen eben viele Arbeits- und Ausbildungsplätze weg.

Verdi: Sorgen auch bei Walter Services

Zusätzlich zu den Mitarbeitern von Arvato müssen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auch deren Kollegen bei dem Callcenter-Betreiber Walter Services bangen. Wie die Gewerkschaft in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt, droht der Arbeitgeber, die rund 350 Mitarbeiter zu entlassen, sollte sich der Betriebsrat nicht neu aufstellen. Walter Services will demnach nicht mit der kürzlich wiedergewählten Betriebsratsvorsitzenden zusammenarbeiten. Verdi habe deshalb beschlossen, Strafantrag zu stellen.

Walter Services widersprach den Vorwürfen im rbb. Laut der Pressesprecherin, Susanne Reich, fand am Mittwoch in der Konzernzentrale in Siegburg ein Treffen mit Betriebsräten aus ganz Deutschland - darunter auch dem aus Cottbus - statt. Die Gespräche seien vielversprechend verlaufen, hieß es im Anschluß von der Geschäftsleitung. Entlassungen stehen demnach nicht zu Debatte.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Löschzentren, wow...

  2. 1.

    Bertelsmann beschäftigt die Löschtrupps des Netzwerkdurchsuchungsgesetzes....ich schreie vor Lachen!

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