Getreidefeld Heinersbrück Frank Schneider Chef der Agrargenossenschaft mit Getreide in der Hand (Foto: rbb/Wussmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.06.2018 | Iris Wussmann | Bild: rbb

Regenmangel im Mai - Südbrandenburgs Bauern befürchten massive Ernteausfälle

So wenig Regen gab es schon lange nicht mehr, so heiße Tage im Frühjahr auch nicht. Der heiße Mai führt zur Sorge der Bauern in Südbrandenburg ersten Schäden auf den Feldern. Der erlösende Regen zuletzt kam fast überall zu spät. Von Iris Wussmann

Die Wintergerste hat ihre grüne Farbe verloren. Goldgelb glänzt sie in der Sonne auf den Feldern bei Heinersbrück (Spree-Neiße). So sieht es normaler Weise erst kurz vor der Ernte aus. Doch die sei erst für Anfang Juli geplant, sagt der Chef der Agrargnossenschaft Heinersbrück, Frank Schneider. "Man hat das Gefühl: Morgen könnte der Mähdrescher kommen. Leider."

Dabei ist die Gerste nicht mal notreif, dann hätte sie immerhin Körner angesetzt. Schneider zerbröselt die Ähre in der Hand. Es bleibt nicht viel übrig. "Wir haben nur die Schale, die Hülle, die Spelze -  kein Inhalt!" Und der Landwirt dämpft auch gleich die Hoffnung: "Auf diesem Schlag hilft der Regen definitiv nicht mehr."

Getreidefeld Heinersbrück Frank Schneider Chef der Agrargenossenschaft mit Getreide in der Hand (Foto: rbb/Wussmann)
Bild: rbb

Notlösung für viel Geld

Auch der Winterweizen sieht jämmerlich aus: vertrocknete gelbe Blätter. Doch hier habe der erlösende Regen in der vergangenen Woche den "Super-GAU verhindert", so Schneider. "Hätte diese Hitze vier, fünf Tage länger gedauert, hätten wir unser Getreide zu 100 Prozent abschreiben können."

Zeitweise hat er sogar schon für das Getreide und die Kartoffeln, die ebenfalls zu vertrocknen drohten, die Beregnungsanlagen angeworfen. Das zeigt die Not des Landwirts. Denn der Betrieb so einer Anlage kostet sehr viel Geld - und ist deshalb eher die Ausnahme.

Trauriger Rekord

Schäden und Ausfälle gibt es in allen Kulturen. Manches, wie der Raps, wird sich vielleicht noch erholen. Diese Hoffnung hat Uwe Gliemmann in Mühlberg (Kreis Elbe-Elster) nicht mehr. "Beim Raps schätze ich einen Verlust von mehr als 50 Prozent", bei der Wintergerste sehe es nicht besser aus, so der Landwirt.

Zwischen Elbe und Elster hat es am vergangenem Wochenende kaum geregnet. Deshalb rechnen die Bauern reihum mit hohen Ertragsausfällen. Die berühmte Vorsommertrockenheit würden sie ja inzwischen kennen, meint Gliemann. Aber diese extremen Temperaturen und der Ostwind hätten Felder und Grünland regelrecht austrocknen lassen.

So beginnt das Jahr mit einem Rekord, auf den sie gern verzichtet hätten: Schon Mitte Juni, also wesentlich eher als sonst, werden die Mähdrescher starten und die magere Gerstenernte einfahren.

Schwerste Zeit seit der Wende

Die Lage sei "beängstigend", sagte der Vizepräsident des Landesbauernverbands, Heiko Terno am Montag. Angesichts der ungewöhnlichen Hitze und Trockenheit im Land stehe es um die Futtergrundlage für das Milchvieh zum Teil sehr schlecht. "Vor hundert Jahren hätten jetzt alle Angst, den nächsten Winter nicht zu überstehen", so Terno. Er spricht von einem der schwierigsten Jahre seit der Wende.

Zwei Jahre in Folge Ernteeinbußen

Schon in den vergangenen Jahren hatten Brandenburgs Bauern Ernteeinbußen wegen des Wetters verzeichnet. Frost im April 2017 hatte für die kleinste Apfelernte seit 1991 gesorgt. Einige Ackerflächen standen später wegen der vielen Regenfälle unter Wasser, andere waren während einer Hitzeperiode vertrocknet. Auch das Jahr 2016 war für die Bauern unterdurchschnittlich ausgefallen.

Beitrag von Iris Wussmann

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  1. 1.

    Anorak2, hast Du das gelesen?

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