Die Lausitzrunde trifft sich in Senftenberg (Foto: rbb/Kabisch)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.07.2018 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Anja Kabisch

Strukturwandel | Lausitzrunde tagt - Zweites Leben für Kohlekraftwerke - dank Wasserstoff?

Was kommt, wenn die Kohle geht? Wasserstoffspeicher-Kraftwerke, antworten Forscher der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie haben ihre Idee am Montag bei einem Treffen der Lausitzrunde vorgestellt. Von Anja Kabisch

Die Braunkohleverstromung wird enden, das ist sicher. Bei den Nachnutzungsmöglichkeiten für die Lausitzer Kraftwerke kommt nach Vorstellung der BTU Cottbus-Senftenberg Wasserstoff ins Spiel. Und erneuerbare Energien.

"Power to Gas" heißt das Verfahren, das an der BTU Cottbus Senftenberg in einem Wasserstoffzentrum bereits praktiziert wird. Professor Hans Joachim Krautz hat es am Montag bei einem Treffen der Lausitzrunde in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) vorgestellt - einem Netzwerk aus Kommunen in Brandenburg und Sachsen. Es setzt sich dafür ein, dass der Region durch die Energiewende ein Strukturbruch erspart bleibt.

In Senftenberg hat die Runde über die Möglichkeiten und Vorraussetzungen des "Power to Gas"-Verfahrens diskutiert.

Zukunftstechnologie - die schon bald genutzt werden könnte

Das Verfahren basiert auf Elektrolyse: An sonnenreichen Tagen wird viel Sonnenenergie produziert - oft mehr, als gerade gebraucht wird. Die überschüssige Energie würden die umgerüsteten Kraftwerke dann aus dem Netz nehmen und durch Elektrolyse unter anderem in Wasserstoff umwandeln.

Dieser Wasserstoff kann anschließend als Energieträger zum Beispiel für Wärme und Busse genutzt werden. Ein Vertreter von Cottbusverkehr war bei dem Treffen am Montag auch dabei. Er kündigte an, dass das Unternehmen so einen Bus einsetzen möchte. Und der könnte auch schon fahren, sagt Hans Joachim Krautz. "Wir könnten einen Bus an der BTU Cottbus-Senftenberg betanken, das haben wir durchkalkuliert." Allerdings sei das zunächst auf einen Bus beschränkt, "mehr gibt unsere Elektrolyseanlage nicht her", so Krautz. 

Bei größeren Mengen müsse man auf andere Konzepte zurückgreifen. "Das Konzept, das mit dem Referenzkraftwerk Lausitz diskutiert wird, ist eine Wasserstofferzeugung in einem industriellen Maßstab in Schwarze Pumpe zu platzieren." Dann könnten Wasserstofftankstellen beliefert werden.

Vielleicht eine Säule beim Lausitzer Strukturwandel

Die Idee könnte im Strukturwandel ein Baustein sein, ist allerdings nicht bahnbrechend neu. Im Rheinland, das mit seinem Revier genau wie die Lausitz vor einem Wandel steht, gibt es schon ein Projekt. Dadurch könnte es bei den neuen Technologien einen Wettbewerb der Regionen geben.

Die Lausitzrunde will die Ergebnisse ihrer Sitzung vom Montag in die Arbeit der Kohlekommission des Bundes einfließen lassen.

Kohle-Ausstiegsdatum bis Jahresende

Die Bundesregierung hatte die Kohlekommission mit dem offiziellen Titel "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" Anfang Juni eingesetzt. Sie soll bis zum Jahresende einen Plan für den Strukturwandel in den Kohlerevieren vorlegen. Dabei geht es unter anderem um Strukturhilfen und ein Ausstiegsdatum aus der Kohleverstromung. In der Lausitz hängen rund 15.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze an der Kohle.

Beitrag von Anja Kabisch

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Die konventionellen Energieversorger sind auch die teureren, wenn man wirklich alle Kosten zusammenrechnet. Sie sind deshalb nur so günstig, da sie am stärksten subventioniert werden!

  2. 5.

    geschrieben wird viel
    geredet wird viel
    experimentiert wird viel
    nichts genaues weiss man nicht
    NUR die Zukunft wird es zeigen
    DAMALS war ATOM das einzg wahre
    "Erneuerbare Energie" : geht nicht-Energie wird verbraucht----weg isse
    dann muss erneut Energie hergestellt werden---irgendwie

  3. 4.

    Bitte schreiben sie mal an wieveil Stunden im Jahr ihre Überschüsse entstehen und wie sie damit eine Elektrolyse wirtschaftlich betreiben wollen. Und die Verluste haben sie trotzdem noch obendrauf. Das müssen wir alles teuer bezahlen.
    Statt persönlich zu werden und mir einfach mal Uninformiertheit vorzuwerfen sollten sie mal Fakten präsentieren und vorrechenen wie das gehen soll. Ich bin sehr gespannt!
    Tipp: Lesen sie mal die Untersuchungen des Ökoinstitutes dazu.

  4. 3.

    @Energieverbraucher Natürlich kann es Überschüsse geben, wenn besonders gut die Sonne scheint wie jetzt oder der Wind besonders stark weht. Es gab auch schon Tage wo erneuerbare Energien bereits jetzt rechnerisch 100Prozent der Energieversorgung Deutschlands erreicht haben. Ich mag ehrlich gesagt so uninformierte und undifferenzierte Kommentare wie ihren nicht mehr lesen. Ob etwas ökonomisch funktioniert hängt immer vom Marktdesign ab. Wenn Folgekosten wie Luft- und Wasserverschmutzung sowie Klimaschädigung die Allgemeinheit zu tragen hat, dann rechnet sich Braunkohle natürlich besser als Alternativen. Deshalb muss politisch ja deutlich mehr für erneuerbare Energien getan werden, wo die Allgemeinheit keine oder deutlich geringere Ausgleiche zahlen muss.

  5. 2.

    Das Projekt ist zu begrüßen. Je schneller Brandenburg auf Erneuerbare umsteigt und die mittelalterliche Braunkohle-Verstromung endlich(!) stoppt, desto eher wird Brandenburg zukunftsfähig und attraktiv als Arbeitsplatz. mIt jedem weiteren Tag Braunkohleverstromung verspielt Brandenburg ein Stück weiter seine Zukunft. Das kann sich dieses Bundesland nicht erlauben!

    @Energieverbraucher: Teuerster Strompreis der Welt? Diese Behauptung ist völliger Unsinn. Der Strompreis an der Börse ist dank der Erneuerbaren im freien Fall. Es sind die Netzentgelte und andere Gebühren, die den Strompreis in die Höhe treiben, nicht die Erneuerbaren. Wären Industrie und Großbetriebe an der EEG-Umalge beteiligt, würde der Bürger sparen.

  6. 1.

    Jeden Tag liest man den gleichen Unsinn, anders kann man es nicht bezeichnen, und mal mag es eigentlich nicht mehr lesen.
    Bisher entstehen KEINE Überschüsse. Die Deckung mit erneuerbaren Energien liegt gerade mal bei 33%. Die Elektrolyse wird also vermutlich mit Braunkohle laufen müssen.
    Das ist nur ein Grund für den Unsinn, der zweite ist die Umwandlungsverluste. Die liegen bei 60-80%. Das wird also eine völlig unökonomische Lösung werden.
    Aber wir haben bis jetzt ja jeden Unsinn geglaubt und bezahlt, werden das weiter tun, und dadurch die teuersten Strompreise auf der Welt, Tendenz weiter steigend.

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