Fütteranlage und Spaltenboden im Stall (Quelle: rbb/Ludwig)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.07.2018 | Florian Ludwig | Bild: rbb/Ludwig

Keine Anwohnerproteste in Beyern - Betreiber feiert Mastanlage als "Schweineparadies"

Ob Haßleben in der Uckermark oder Tornitz in der Lausitz - wann immer in Brandenburg  Schweinemastanlagen gebaut oder erweitert werden sollen, hagelt es Proteste von Anwohnern und Tierschützern. Wenn eine neue Anlage für 2.400 Schweine völlig geräuschlos entsteht und die Nachbarn sogar stolz darauf sind, dann lässt das aufhorchen.

So geschehen in Beyern (Elbe-Elster). Hier hat am Donnerstag die Agrargenossenschaft zum Tag der offenen Tür im neu gebauten Schweinestall eingeladen.

Hackschnitzel als Geruchsfilter

Agrarchef Horst Bielagk bezeichnet den Stall als wahres "Schweineparadies": Viel Platz für die Tiere biete er, mit 0,9 Quadratmeter je Schwein - immerhin 20 Prozent mehr, als die Norm es vorschreibe. Es gebe eine Sprinkleranlage, mit der an heißen Tagen die Temperatur heruntergekühlt wird. Sortieren, füttern und wiegen, alles passiere vollautomatisch.

Der Clou, so Bielagk: die moderne Luftfilterung durch feuchte Hackschnitzel. Erst seit gut einem Jahr sei die Technik auf dem Markt. Die Abluft werde durch die Schnitzel geblasen, der strenge Schweinegeruch bleibe hängen. Die Hackschnitzel könnten hinterher als Dünger auf dem Feld eingesetzt werden. "Viel besser als die ursprünglich vorgesehenen chemischen Filter", so der Agrarchef.   

Waschgang vor dem Schlachten entfällt

Der Betrieb mit der neuen Anlage scheint eine enorme Verbesserung für die Tiere zu sein. Bielagk sagte, bisher seien die Haltebedingungen sehr viel schlechter gewesen. "Die Schweine liegen dort auf dem Betonboden in ihrer eigenen Scheiße." Die Luft sei schlecht, die Tiere dreckig. Vor dem Schlachten müssten sie gewaschen werden.

In dem neuen Stall für 1,5 Millionen Euro gebe es jetzt einen Vollspaltenboden, der sich bewährt habe. Allerdings hat die Genossenschaft den Angaben zufolge dafür auf eine Förderung durch das Land verzichten müssen. Denn dafür hätten die Liegeflächen aus Stroh, Gummi oder Beton sein müssen, hieß es.

Gute Bedingungen für Mensch und Tier

Mit der jetzigen Lösung ist Bielagk zufrieden. Für Mensch und Tier sei ein Stall geschaffen worden, der modernen Ansprüchen genügt. Begeistert äußerten sich auch die Nachbarn in Beyern, die sich am Tag der offenen Tür ein Bild machen. "Super, toll, wir sind stolz" heißt es. Mit dieser Anlage können sie leben.

Das sei eine völlig andere Haltung ohne Geruchsbelästigung als in den alten Ställen. In 14 Tagen werden die Schweine von dort in den neuen Betrieb umziehen.

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Wir züchten Schweine damit wir sie essen, ganz einfach. Ohne Bedarf kein Leben. Schweine sind Ware.

  2. 6.

    Hauptsache es stinkt nicht mehr. Spaltenboden etc. - wurscht egal. Nach menschlichen Ermessen können es die Tiere nicht besser haben. Ist klar. Wiewviel Prozent der geschlachteten, zerlegten, verpackten Schweine landen doch gleich im Müll?
    In Deutschland werden pro Jahr 59 Millionen Schweine gemästet und geschlachtet. Ca. 20 Millionen Schweine werden für den Müll geschlachtet. Die weggeworfenen Fleischreste landen zum Beispiel in einer Hamburger Biogasanlage. 20.000 Tonnen werden allein hier pro Jahr entsorgt. Ein fünftel der Schweine landen lebend im Brühbottich weil die schluderig getötet wird. Aber wenigstens stinkt es nicht mehr.

  3. 5.

    Noch eine Folterkammer!!!
    Die Sauen werden zwangsbesamt, in Kastenständen fixiert, unfähig sichzu bewegen, unfähig sich um ihre Jungen zu kümmern.
    Ferkel werden ohne Betäubung kastriert.
    Schwänze werden abgeschnitten.
    Und das nennt sich dann moderne Landwirtschaft.
    Eine moderne Folterkammer ist das.

  4. 4.

    Na denn liebe Verbraucher, weiterhin viel Spaß beim Billigfleischkauf und Sommergrillen im Freien.

  5. 3.

    @Paula, so ist es - ein armes Mastschwein bleibt ein ARMES SCHWEIN, trotz 'SCHWEINE-TEUREN-STALLANLAGEN"!

  6. 2.

    Massentierhaltung bleibt Massetierhaltung und trotz der Bürgerinitiative..so ist Politik eben..

  7. 1.

    kein Paradies - nur eine schön gestylte hygienisch einwandfreie Hölle

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