Kraftwerk Jänschwalde
Audio: Antenne Brandenburg | 28.09.2018 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Anja Kabisch

In Sicherheitsreserve - Kraftwerk Jänschwalde schaltet ersten Block ab

Sonntag, 17 Uhr, geht Block F im Kraftwerk Jänschwalde vom Netz - nach fast 30 Jahren. Damit sinkt die Leistung des Kraftwerkes um 500 Megawatt. Der Block geht in die sogenannte Sicherheitsreserve - und soll in vier Jahren endgültig abgeschaltet werden. Von Anja Kabisch

Noch mahlen sie, die zwölf Kohlemühlen des Block F. Rund 13.000 Tonnen Kohle sind es am Tag, die in den beiden Kesseln des Blocks verbrannt werden. Aber in der Blockwarte laufen bereits die Vorbereitungen auf die Abschaltung. Die ersten Kohlebunker sind schon leer gefahren, sagt Blockführer Axel Franz. Der Block geht in die sogenannte Sicherheitsreserve, bevor er in vier Jahren endgültig stillgelegt werden soll.

LEAG wird für Stilllegung entschädigt

Eingeweiht wurde der Block F im Jahr 1989. Das Energieunternehmen LEAG bekommt für die Stilllegung Geld vom Bund. Wenn dann 2019 der nächste Block abgeschaltet wird, fallen insgesamt 600 Stellen im Kraftwerk Jänschwalde und im Tagebau weg. Viele Kumpel gehen in den Vorruhestand, andere werden versetzt. Für Axel Franz, den Blockführer, dennoch kein gutes Gefühl: Es gehe nicht nur um die eigenen Arbeitsplätze, sagt er, sondern auch um die bei vielen Fremdfirmen. Autohäuser, Bäcker, Friseure - alle seien auf irgendeine Art mit der Kohle verbunden. Für ihn, der seit 1975 in der Kohle ist, ist die Stilllegung von Block F ein emotionales Ereignis.

Die Sicherheitsbereitschaft ist ein Teil des längst begonnenen Strukturwandels. Die Lausitz leiste damit ihren Beitrag zum Klimaschutz, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Die Einschnitte seien dennoch sehr schmerzhaft. Woidke hoffe daher, dass das bei den Diskussionen in der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission) berücksichtigt werde.

Blick ins Innere des Kraftwerkes JänschwaldeBlick ins Innere des Kraftwerkes Jänschwalde

Seit 2015 bereitet sich der Energiekonzern auf die Sicherheitsbereitschaft vor, Paul Donath ist der Projektverantwortliche. Nach seinen Angaben wird die Anlage jetzt für die nächsten vier Jahre betriebsbereit gehalten - für den Fall, dass sie bei Bedarf schnell wieder hochgefahren werden soll. Das müsse innerhalb von zehn Tagen passieren können.

Das System muss deshalb "konserviert" werden. Die entleerten Anlagen bekommen eine Art Wachsschicht. Die soll verhindern, dass sich Rost ansetzt. Und es werden Heizungen im Kesselhaus installiert,  damit die dann kalten Kohlekessel im Winter nicht zerbersten.

Axel Franz in der Blockwarte des Kraftwerkes Jänschwalde (Quelle: rbb/Anja Kabisch)
Axel Franz in der Blockwarte des Kraftwerkes Jänschwalde | Bild: rbb/Anja Kabisch

Wenn die Kohle geht, muss Neues kommen

Die Klima Allianz Deutschland und die Grüne Liga fordern, das gesamte Kraftwerk Jänschwalde so schnell wie möglich abzuschalten, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Dagegen hofft die LEAG auf einen Betrieb bis zum Jahr 2033.

Lausitzer Energiearbeiter wollen deshalb am Sonntag in der Cottbuser Innenstadt gegen die Sicherheitsbereitschaft protestieren. Laut Michael Vassiliadis, den Vorsitzenden der Industriegwerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), soll damit ein Zeichen dafür gesetzt werden, dass der politische Wille Folgen habe. Diese Folgen für die Region müssten kompensiert und etwas Neues geschaffen werden, sagte der Gewerkschafter.

Eine gemeinsam getragene Idee für die Zukunft der Energieregion Lausitz scheint noch zu fehlen. Axel Franz sagt, er wisse nur eins: Ab nächster Woche werde er einen anderen Arbeitsplatz im Kraftwerk Jänschwalde haben - nachdem er am Sonntag mit wenigen Mausklicks Block F heruntergefahren hat.

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Wenn Sie hier Power-to-Gas oder Power-to-X-Methoden ins Spiel bringen, dann seinen Sie auch so fair zu erwähnen, dass diese zur Zeit noch extrem kostenintensiv sind. Machen Sie mal einer alleinerziehenden Mutter hier im Osten klar, dass sie statt 30 Cent pro KWh jetzt 3 Euro zahlen muss. Dann hätte ich auch gern die Frage beantwortet, wo das Geld dafür herkommen soll.

    @Olaf: Und was die „verpulverten“ Transfergelder anbelangt, die in den Osten geflossen sind. Dazu gibt es eine wunderbare Reportage des ARD „Wer braucht den Osten..?-Wirtschaft “. Die kann sich jeder gern ansehen, der hier nicht selbst mitbekommen hat, wie Firmen hauptsächlich an Investoren aus dem Westen verschenkt wurden, die dann Fördergelder abgefasst haben und nach kurzer Zeit verschwunden sind.

    Wie gut wir ohne die jetzt runtergefahrenen Kapazitäten klar kommen, wird sich in der nächsten Dunkelflaute zeigen.

  2. 8.

    Sorry, aber die Braunkohle ist nun wirklich kein Beitrag für Deutschland. Überhaupt nicht. Schaut Euch die rostbraunen und toten Fließe im Spreewald an. Alles Dank Eurer Braunkohle.
    Mensch, da leben auch Leute!!

    Am alle Populisten, die einem immer wieder erzählen wollen, dass ohne die Braunkohle das Licht ausgeht:

    Als Ingenieurin kann ich sagen, dass z. B. Windenergie ohne Probleme speicherbar ist und zwar in Form von Wasser, das mit der Windenergie in Wasserstoff und Wasser aufgespaltet wird. Wasserstoff hat obendrein einen viel besseren Energie als Erdöl.
    Man müsste es nur wollen. Aber leider verhindert das aktuell die fossile Energielobby, wo immer möglich.
    Um dann zu sagen, dass es zwingend weiter die fossilen Energieträger braucht.
    Merkt Ihr den Betrug dahinter?

  3. 7.

    Leider gehen 2019 mit Unterstützung von deutschen Hermes-Bürgschaften (auch Gabriels Amtszeit) wieder neue dreckige Kohle-Kraftwerke ans Netz, so zum Beispiel im sonnigen Griechenland, wo an 320 Tagen im Jahr die Sonne scheint. Gut, dass hier (leider zu langsam) abgeschaltet wird - traurig, dass mit der umweltzerstörenden Kohleverbrennung weiterhin - nicht nur hier - Geschäfte gemacht werden.
    https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2015/Deutschland-exportiert-Kohlekraftwerke,kohlekraftwerk126.html

  4. 6.

    Jänschwalde könnte (und müsste) sofort und komplett abgeschaltet werden und niemand würde es merken. Das nun der Stromkunde wieder für eine "Reserve" die nicht gebraucht wird zahlen muss haben wir SPD Gabriel der vor der Kohlelobby eingeknickt ist zu verdanken.
    Das die Strompreise in Deutschland auch mit zu viel Kohlestrom im Netz zu tun haben wird leider gerne unterschlagen.

  5. 5.

    Das ist vollkommen richtig so! In den Osten sind viel zuviel Transfergelder geflossen, die sinnlos verpulvert wurden.

  6. 4.

    Ist doch eine Schande. Der Osten muss Tod gemacht werden. Das ist jetzt das beste Beispiel. In andere Seite von Deutschland werden neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen und ihr würd es kaputt gemacht. Traurieges Deutschland

  7. 3.

    Apropos Geld: hier werden Miliarden vereinnahmt die nichts mit dem gelieferten Strom zu tun haben. Ist die Abrechnung der Konzerne und Stromlieferanten korrekt. Wo bleibt das Geld? Neue Netze jedenfalls nicht. Bestehende werden durch die Netzgebühren jedenfalls nicht oder nur rudimentär instandgehalten!? Es müssten eigentlich, überall goldene supraleitende Überlandleitungen existieren. Sogenannte "Stromanbieter" melden Insolvenz an und vergleichen sich mit den Grundversorgern. Das System läd gerade zu zum Betr.... ach nein zum kreativen Umgang ein.
    Wie gut das Funktioniert zeigte unlängst Tollkollete.

  8. 1.

    Für alle: Die Entschädigungen für die Kraftwerksbetreiber werden auf die Stromkunden abgewälzt. Der Strom in DE ist jetzt schon der teuerste in Europa. RWE hat in Westdeutschland auch schon Blöcke abgeschalten. Auch gegen Entschädigung. Und wenn der unsichere Strom aus Wind und Sonne (der Winter kommt und dann auch die Dunkelflauten) nicht reicht, kaufen wir Atom- und Kohlestrom aus den Nachbarländern. Die "grüne" Politik ist schizophren und dumm!

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